#US-Fernsehduell zwischen Pence und Harris: Hart in der Sache

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US-Fernsehduell zwischen Pence und Harris: Hart in der Sache

Wenn Vizepräsident Mike Pence den Empfehlungen der eigenen Behörden für normale Bürger folgen würde, dann wäre er jetzt in Quarantäne. Stattdessen setzte er sich am Mittwochabend in Salt Lake City hinter eine Scheibe aus Plexiglas und traf auf Kamala Harris. Es war die einzige Debatte zwischen Pence und der kalifornischen Senatorin, die der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden, zu seiner Mitstreiterin erkoren hat. Dass der Präsident an Covid-19 erkrankt ist und zahlreiche Mitarbeiter und Politiker positiv getestet wurden, hatte zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zur Folge – absagen wollte man die Diskussion dennoch nicht.

Das Coronavirus stand dann anfangs auch im Zentrum der Auseinandersetzung. Harris warf der Trump-Regierung angesichts von 210.000 Toten eklatantes Missmanagement und die Verharmlosung früh bekannter Fakten vor. Trump habe so katastrophal versagt wie kein Präsident vor ihm, sagte sie. Pence versuchte, den Angriff gegen Harris zu wenden und entgegnete, man dürfe nicht verunglimpfen, was „die Amerikaner“ in den vergangenen Monaten geschafft hätten. Aus dieser defensiven Position kam der Vizepräsident während der Debatte selten heraus, musste er doch die Politik Trumps verteidigen. Harris nutzte die Debatte auch bei anderen Themen für eine Generalabrechnung mit dem Präsidenten.

Demonstrative Höflichkeit

Obwohl die Moderatorin Susan Page von der Zeitung „USA Today“ Mühe hatte, die Redezeitbeschränkungen – besonders gegen Pence – durchzusetzen: Viele Kommentatorinnen und Kommentatoren hoben hervor, wie zivilisiert die Debatte ablief. Hatten Trump und Biden einander vergangene Woche beschimpft, fehlten persönliche Angriffe zwischen Harris und Pence fast völlig. Der Vizepräsident war zumindest formell demonstrativ höflich: Er gratulierte Harris zu ihrer historischen Leistung, die erste schwarze Frau im Rennen um seinen Posten zu sein und er sagte, es sei ihm eine Ehre, die Bühne mit ihr zu teilen. Allerdings diente das wohl vor allem dazu, sich den konservativen Wählerinnen und Wählern nicht als jemand zu präsentieren, der eine Frau im Stile Trumps mit Beleidigungen überziehen würde. Pence unterbrach Harris dafür häufig und sprach auch öfter als sie über die Ansagen der Moderatorin hinweg, wenn Page auf die Zeitvorgaben hinwies.

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Harris wiederum bestand wieder und wieder auf ihre Redezeit, oft mit einem gut gelaunten Lächeln. Sie sagte auch, sie lasse sich von jemandem, der nie im Justizwesen gearbeitet habe, keine Vorträge über ihre Bilanz als Generalstaatsanwältin von Kalifornien halten. Die Kandidatin zeigte das rhetorische Geschick, das sie bereits in vielen Anhörungen im Senat demonstriert hatte. Der Amtsinhaber wiederum bewies dort Stärke, wo er im deutlichen Gegensatz zu Trump staatsmännisch und ruhig blieb.

Die Punkte, die Pence machen wollte, saßen allerdings oft nicht. So appellierte er zum Beispiel an die Fähigkeit der Amerikanerinnen und Amerikaner, über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg zu politischen Lösungen zu kommen. Für die vermeintlich gewünschte Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg führte er die Freundschaft zwischen den verstorbenen Richtern am Obersten Gericht Antonin Scalia und Ruth Bader Ginsburg an. Die Republikaner hatten allerdings – nicht erst seit der Wahl von Trump 2016 – gerade diese beidseitige Kooperation oft besonders erschwert.

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