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Wie werden Sammler auf neue Kunst aufmerksam, wo suchen sie und werden fündig? Um das herauszufinden, hat die Kunstmesse Volta Basel vor ihrer 32. Ausgabe eine Erhebung über Kunstkäufe bis 50.000 Dollar in Auftrag gegeben. Dem Report zufolge, den der Messeveranstalter Ramsay Fairs und die Consultingfirma ArtTactic erstellt haben, entdecken 86 Prozent der Befragten Kunst auf Messen – eine bemerkenswerte Zahl. Galerien erzielen laut Befragung dort 44 Prozent ihrer Einnahmen. Zudem erwarten 69 Prozent der Händler für das laufende Jahr steigende Einnahmen.
Diese Expertise dürftesich nicht nur die Volta, die zum Portfolio von Ramsay Fairs zählt, bestätigen, sondern auch die anderen Satellitenmessen der dominanten Art Basel, auf der ungleich höhere Preise für moderne und zeitgenössische Kunst gezahlt werden.

Auf der Volta sind Ausschläge nach oben Ausnahmen, die die Regel bestätigen, so etwa Preise von bis zu 80.000 Franken, die die Zürcher Galerie Thalberg für Kompositionen von Max Bill und Richard Paul Lohse veranschlagt – bewährte Schweizer Präzisionsarbeit in Sachen farbleuchtender Abstraktion. Nicht alles auf dieser Messe mit 70 Ausstellern wird sich als ähnlich wertbeständig erweisen. Gleichwohl ist die Volta eine Adresse für Sammler, die sich mit etwas Schönem umgeben wollen, ohne ganz tief in die Tasche greifen zu müssen.
Entdeckungen in Schwarz-Weiß
Eine Entdeckung sind die kleinen, schwarz-weißen Zeichnungen von Enrique Minjares Padilla am Stand der mexikanischen Galleria HGZ, die erstmals dabei ist. Seine surrealen Tagträume lässt der Künstler über Monate hinweg in Serie aufs Papier gehen. Schon der tiefschwarz gestrichene Stand fällt aus dem übrigen Angebot heraus; die Arbeiten kosten 1000 Dollar das Stück.
Ein eigener Sektor gilt auf der Volta australischer Kunst. Bei Stéphane Jacob (Paris) hängen geometrische Arbeiten der in Sidney lebenden Malerin Konstantina, der das British Museum in London demnächst eine monographische Ausstellung widmen wird, so der Aussteller (bis 44.000 Euro).

Im Fokus schärfer gestellt auf eine junge selbstkritische, auch mal sperrige Kunst ist die Liste Art Fair in ihrer 30. Auflage. Arrivierte Händler wie David Zwirner, die jetzt im Zentrum der Art Basel das große Rad drehen, haben hier ihre ersten Schritte getan. Man sieht es der Messe durch die Qualität der Aussteller an; die Hallenaufplanung bricht aus dem Raster aus und ist angenehm luftig. Dass viele Stände Werke in Soloschauen präsentieren, unterstreicht den Statement-Charakter.
Die Galerie KIN Brussels versammelt monochrome Figuren des Kanadiers Dan Vogt zu einer Familie aus Mutter, Vater und zwei Kindern. Sie sind allesamt uniformiert und verkörpern eine Remilitarisierung der Welt, die in den Sechzigerjahren schon einmal überwunden werden sollte, wovon Ausschnitte aus damaligen Sachbüchern zeugen (bis 12.000 Euro). Bei Matta aus Mailand hängen, in einem breiten Fries aneinandergereiht, Abstraktionen des ehemaligen Frankfurter Städel-Studenten Maximilian Arnold, bei denen man wetten würde, sie seien mit Photoshop komponiert. Tatsächlich gehen sie auf geklebte Skizzen mit originellen Trompe-l’œil-Effekten zurück, die Arnold fotografiert und vergrößert. Auch diese sind zu erwerben (1800 bis 12.000 Euro).
Ein Regal ist kein Regal
Zeitgenössische Kunst reflektiert nicht nur die Krisen der Gegenwart, sondern auch den eigenen Status. Im langen Schatten des Ready-mades treibt dies bisweilen seltsame, aber interessante Blüten. In der Koje der Galerie Shahin Zarinbal (Berlin) steht ein gähnend leeres Regal Modell Billy – sollte man meinen. Die Berliner Künstlerin Sanna Helena Berger hat das Objekt exakt nachbauen lassen; nun firmiert das Regal als Skulptur. Von Bergers eigener Hand stammen Assemblagen aus Möbelbestandteilen, die sie präzise aneinanderfügt und damit, so die Galerie, Fragen von Autorschaft, Arbeit und sicherlich auch von den nach wie vor bestehenden Optionen postminimalistischer Kunst erörtert (2800 bis 10.000 Euro).

Während die Art Basel in diesem Jahr rund 290 Aussteller beherbergt, summieren sich die Teilnehmer der übrigen Veranstaltungen diesseits und jenseits des Rheins zu einer noch größeren Anzahl von Anbietern. Die Stadt ist voll von Museumsleuten, Sammlern, Kuratoren, Künstlern und Interessenten aus aller Welt, die irgendwas mit Kunst machen. Ein anregender Stress und die Nervosität, vielleicht etwas Sehenswertes zu verpassen, mischt sich mit dem allgemeinen Drang zu mehr und immer mehr Kunst. In der drückenden sommerlichen Wärme schafft das die unnachahmliche Basler Energie.
Da taucht man in der beschaulichen Rebgasse gern in die Photo Paris mit ihren 40 Teilnehmern ein und trifft bei Ira Stehmann (München) auf die Straßenfotografie von Vivian Maier aus den Fünfzigern. Als Kindermädchen zog die Amerikanerin in der Freizeit in Chicago mit der Kamera durch die Stadt und hinterließ nach ihrem Tod 2009 mehr als 140.000 unentwickelte Negative. (3950 bis 8000 Euro)
Collagen und Assemblagen aus Afrika
Noch kleiner im Umfang fällt die Africa Basel mit 18 Galerien aus, ist gleichwohl oder gerade deshalb zu empfehlen, weil entspannt zu bewältigen. Typisch bei vielen Arbeiten ist das Prinzip Collage und die Wiederverwertung von Abfällen, von Tastaturen oder Köpfen von Zahnbürsten, wie sie der in Harare lebende Moffat Takadiwa zu großen wallenden Wandassemblagen verknüpft und damit auch im Segment „Unlimited“ der Art Basel vertreten ist. Der Kenianer Dickens Otieno produziert aus Dosenresten wandhohe, schillernd das Licht reflektierende Figuren und Landschaften. Sie kosten bei Circle Art (Nairobi) bis 19.000 Dollar. Die Künstler greifen somit traditionelle Webtechniken ihrer Heimat auf.

Bei all dem verlockenden Angebot ist der Social Club, ein nomadischer Basler Wanderzirkus, zum Glück bis weit über den üblichen Ladenschluss hinaus geöffnet: Sperrstunde ist drei Uhr in der Frühe. Diesmal hat er in einem verwaisten Bürobau unweit des Schweizer Bundesbahnhofs Quartier bezogen. Den Auftritt kann man sich ähnlich vorstellen wie den der Manifesta 2022 im ehemaligen sozialistischen Grand Hotel im kosovarischen Pristina. Von der Ebene minus 2 aufwärts okkupiert der Social Club sämtliche Räume bis zur zweiten Etage in einer wilden Pop-up-Messe, Gaming-Zone und Work-out in einem Gym-Studio inklusive.
Aus diesem Jungbrunnen aktueller Kunst einzelne Beispiele hervorzuheben, fällt schwer. Wie sich die nötige Aufmerksamkeit generieren lässt, demonstriert Esben Weile Kjaer mit einer goldenen Ratte im Format eines SUV in der Tiefgarage. Erwähnt sei aber unbedingt die Soundeinlage auf portabler Orgelpfeife des Composers und Keyboard-Players Mauricio Silva Orendain einige Schritte weiter. Der Preis war vor Ort nicht zu ermitteln, dürfte aber in den Sektor „sub 50.000“ fallen.
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