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#Vom Umgang mit Artikeln am Beispiel einer Homöopathie-Studie – Gesundheits-Check

„Vom Umgang mit Artikeln am Beispiel einer Homöopathie-Studie – Gesundheits-Check“

Vor zwei Jahren haben Frass et al. eine Studie zur Lebensqualität und zum Überleben bei Lungenkrebs in der Zeitschrift Oncologist veröffentlicht, nach der eine homöopathische Zusatzbehandlung zu erstaunlich positiven Effekten geführt hat. Das hatte das „Informationsnetzwerk Homöopathie (INH)“ dazu gebracht, sich die Studie und die zugrunde liegenden Daten genauer anzusehen – und zu dem Verdacht geführt, dass es bei der Studie vermutlich zu Datenmanipulationen gekommen ist.

Das ist ein schwerwiegender Vorwurf, weil es hier nicht mehr nur darum geht, ob gutgläubige Homöopathen einer selektiven Wahrnehmung zum Opfer gefallen sind, sondern ob eine bewusste Täuschung vorliegt, also wissenschaftliches Fehlverhalten. Die Studienkritiker um Norbert Aust haben die Zeitschrift und Medizinische Universität Wien, die Uni von Michael Frass, auf ihre Prüfungsergebnisse hingewiesen. Die Presse hatte damals bereits darüber berichtet.

Jetzt scheint sich der Manipulationsverdacht zu bestätigen, wie das Informationsnetzwerk Homöopathie und die Skeptikerbewegung unter Berufung auf die „Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität“ (ÖAWI) schreiben. Das Magazin „Profil“ berichtet in seiner Ausgabe 43 vom 23.10.2022 (leider hinter der Paywall) ebenfalls darüber. Die Studienkritik ist beim INH nachzulesen und soll hier nicht wiederholt werden.

Der verantwortliche Studienautor Michael Frass widerspricht dem Manipulationsvorwurf in dem Profil-Beitrag vehement. Vielleicht glaubt Michael Frass wirklich, er habe die Daten nicht manipuliert, sondern nur begründete und im Artikel nicht weiter erläuterungsbedürftige Anpassungen vorgenommen. Es gibt ja genügend Beispiele dafür, dass ein unguter Umgang mit Daten nicht immer durch eine scharfe Trennlinie zwischen selektiver Wahrnehmung und bewusster Täuschung gekennzeichnet ist, sondern auch ein Nebelfeld sein kann.

Was der Fall aber einmal mehr zeigt: Im peer review kann es notwendig sein, sich intensiv mit den Daten selbst und nicht nur mit dem Artikel-Manuskript zu beschäftigen. Das macht Arbeit und unterbleibt deshalb nicht selten. Oft kommt es dazu erst im Zusammenhang mit Replikationsstudien, die scheitern.

Die Begutachtung von Manuskripten für medizinische Zeitschriften ist eine unbezahlte kollegiale Unterstützung, kein professionelles Prüfgeschäft. Sie ist ein Beitrag zur Qualitätssicherung von wissenschaftlichen Publikationen, nicht mehr und nicht weniger. Auch darüber wurde schon viel geschrieben. Insofern sind der Artikel von Frass et al. und seine Publikation keine skandalöse Ausnahme, sondern ein Fall unter vielen. Die Zeitschrift Oncologist sollte jetzt prüfen, ob die Zweifel an der wissenschaftlichen Fundierung der Aussagen von Frass et al. ein Zurückziehen des Artikels notwendig machen. So weit ich die Kritik an der Studie und die Entgegnung von Michael Frass nachvollziehen kann, meine ich: Es führt kein Weg an einem Zurückziehen vorbei. Wie gesagt, das ist nicht gleichbedeutend damit, dass Michael Frass bewusst getäuscht hat, es reicht, dass er sich im Nebel nicht zurechtgefunden hat.

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