Wer sein Frühstücksei köpft, denkt selten an dessen Produzentinnen. Knapp 56 Millionen Legehennen gibt es in Deutschland, jedes Tier gibt uns im Schnitt 302 Stück pro Jahr. Sind sie mehr als Legemaschinen, haben sie auch Gefühle? Agronomen vermeiden den Begriff – sie reden lieber von Affekten. Wer dem Federvieh Empfindungen abspricht, kann sie leichter auf Effizienz reduzieren. Für Melissa Caughey ist die Antwort klar: Hühner sind soziale, intelligente und sehr gefühlvolle Wesen.
In ihrem Buch schildert die Hühnerflüsterin zärtliche Episoden zwischen den Tieren und sie übersetzt ihre Sprache, die weit über das berühmte Gackern nach vollbrachter Tat hinausgeht: „Seht her, ich habe ein Ei gelegt!” Caughey beschreibt, wie Hühner einander Namen geben, wie sie sich trösten oder beim Sandbad Wellness-Rituale pflegen. Sie verknüpft persönliche Erlebnisse mit wissenschaftlichen Studien, erklärt Anatomie, Sinne und Lernfähigkeit der Tiere.
Das Buch ist reich bebildert. Aber statt austauschbarer Agenturfotos hätte man sich Fotos der Autorin mit ihrer eigenen Schar gewünscht. Doch: Wer dieses Buch liest, hofft künftig immer, dass sein Frühstücksei von einem glücklichen Huhn kommt. Bernd Hauser
Melissa Caughey:
How to Read a Chicken’s Mind
Haupt Verlag. 128 S., 22 €
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