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Ob vor Hitze oder Wassermassen – Städte und Gemeinden müssen sich an die Folgen des Klimawandels anpassen und sich künftig besser vor Wetterextremen schützen. Das stellt sie allerdings vor bislang kaum lösbare Aufgaben, wie eine Studie zeigt. Demnach mangelt es vielerorts an Personal und konkretem Wissen, aber auch an etablierten Abläufen und Routinen sowie an der Akzeptanz von Politikern und Anwohnern. Wie können Kommunen diese Herausforderung gemeinsam bewältigen und in Sachen Klimaanpassung schneller vorankommen?
Mit dem Klimawandel werden Wetterextreme wie Hitzewellen und Starkregen häufiger. Kommunen müssen sich gegen diese Folgen wappnen, doch ihre Ausgangslagen sind sehr unterschiedlich. Während manche Ortschaften Betonwüsten gleichen und nahezu vollständig von Asphalt bedeckt sind, haben andere viele Grünflächen. Auch mit Blick auf die Verkehrsführung und den Verlauf von Bächen und Flüssen gibt es große Unterschiede im Stadtbild. Mit Blick auf Hitzeschutz, Luftqualität und Hochwasservorsorge stehen die Kommunen daher vor ganz verschiedenen Startbedingungen. Gibt es dennoch auch Überschneidungen und gemeinsame Herausforderungen? Wie können Städte und Gemeinden angesichts der vielfältigen Aufgaben trotz der Einzelsituationen bei der Klimaanpassung voneinander lernen?
Große Unterschiede zwischen den Kommunen
Diesen Fragen sind Forschende um Verena Rossow vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt am Main am Beispiel der Kommunen in Hessen nachgegangen. Dafür ermittelten sie, wie gut die einzelnen Gemeinden bereits an den Klimawandel angepasst sind, wo es noch Handlungsbedarf gibt und warum in diesen Bereichen noch keine Maßnahmen ergriffen wurden. Um das herauszufinden, befragten sie das zuständige Personal in den Städten und Gemeinden.
Das Ergebnis: Die Hälfte der Befragten bewertete den Anpassungsbedarf in ihrer Kommune als hoch bis sehr hoch, vor allem in ländlichen Gemeinden und Kleinstädten. Die andere Hälfte sah sich bereits einigermaßen oder gut gewappnet, vor allem in Großstädten und Landkreisen. „Die Ergebnisse zeigen große Unterschiede beim Stand der Klimaanpassung in hessischen Kommunen“, sagt Co-Autor Thomas Friedrich vom ISOE. „Während größere Städte bereits Maßnahmen umsetzen, berichten kleinere Gemeinden häufig von Wissens- und Ressourcenlücken.“ So schätzten zum Beispiel viele Befragte ihre Erfahrung und ihr Fachwissen im Umgang mit dem Thema als gering ein.
Fast 80 Prozent gaben zudem an, dass es in ihrer Kommune gar keine Stelle gibt, die sich ausschließlich mit Klimaanpassung befasst. Dort wo es solche Stellen gibt, sind sie oft zeitlich befristet und daher langfristig nicht handlungsfähig. Entsprechend äußerten viele Verantwortliche den Wunsch nach mehr Personalressourcen sowie Austausch, um die mangelnden Ressourcen vor Ort zu kompensieren. Die Forschenden entwickelten daraufhin Workshops und boten diese den Verantwortlichen in den hessischen Landkreisen an, um ihre Probleme offen zu teilen. „Dabei wurde deutlich, wie groß die Verantwortung der Mitarbeitenden in den Kommunen ist und wie schwierig es ist, eine Querschnittsaufgabe wie die Klimaanpassung ohne etablierte Routinen zu stemmen“, sagt Rossow.
Wissenstransfer und Kooperation für bessere Klimaanpassung
Es mangelt der Studie zufolge vielerorts an konkretem Wissen, was genau zu tun ist, um die Ortschaften vor Hitze, Überschwemmung und Co zu schützen. Zwar gibt es teils abstraktes Wissen, was zu tun wäre, es fehlen jedoch bislang etablierte Abläufe, um das auch im Einzelfall umzusetzen. Ebenso fehlen Best-Practice-Beispiele und Vorbilder, wie im konkreten Fall gehandelt werden kann – zum Beispiel wie Plätze, Straßen und Häuser begrünt, Schattenspender und Trinkbrunnen errichtet, die bebauten Flächen entsiegelt, Bäche umgeleitet oder renaturiert oder Pufferflächen für Hochwasser geschaffen werden. Oft sind die bestehenden Verwaltungsabläufe auch zu komplex und die zugehörige Bürokratie zu aufwändig, um schnelle Fortschritte zu erzielen.
Die Befragten beklagten zudem teilweise, dass sie nicht genug Rückhalt haben, um solche Maßnahmen auch umzusetzen. Derzeit stoßen sie der Umfrage zufolge bei der Klimaanpassung oft auf Unverständnis, Desinteresse oder gar Widerstand in Verwaltung, Politik oder Öffentlichkeit. „Entscheidend ist, diese Akteure wissen, wie sie Akzeptanz und Mitwirkungsbereitschaft steigern können – nur so lassen sich Anpassungsmaßnahmen in Handlungsfeldern wie Verkehr, Wasserwirtschaft oder Stadtentwicklung beschleunigen“, betont Rossow.
Die Forschenden empfehlen daher, dauerhaft feste Strukturen zu etablieren, über die sich Kommunen kontinuierlich austauschen und gemeinsam Maßnahmen planen können. „Um die Klimaanpassung in Hessen voranzutreiben, empfehlen wir den gezielten Aufbau eines Transfernetzwerks für Wissens- und Erfahrungsaustausch zur Klimaanpassung – insbesondere auf Kreisebene“, sagt Rossow. Das würde auch Doppelstrukturen und Personal in kleineren Gemeinden sparen, weil Abläufe in der Kreisverwaltung besser verzahnt wären.
Quelle: Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)

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