#Wachleute erschießen sechs Flüchtlinge in überfülltem Haftlager

Wachleute erschießen sechs Flüchtlinge in überfülltem Haftlager

In der libyschen Hauptstadt Tripolis haben Wachleute am Freitag in einem überfüllten Haftlager für Migranten mehrere Flüchtlinge erschossen. Bei einem Schusswechsel seien insgesamt sechs Migranten getötet worden, sagte der Libyen-Chef der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Federico Soda. Mindestens 20 weitere Menschen wurden demnach verletzt, einige flohen in dem Chaos aus der Haftanstalt.

Die IOM prangerte die „schrecklichen“ Lebensbedingungen in der überfüllten Einrichtung an. Im Al-Mabani-Lager sind derzeit 3000 Migranten, hauptsächlich aus Ländern südlich der Sahara, untergebracht. Etwa ein Drittel davon lebt auf dem Gelände außerhalb des Haftgebäudes. Eigentlich ist das Lager nur für 1000 Menschen ausgelegt.

Der Vorfall ereignete sich eine Woche nach umfassenden Razzien in Tripolis, die sich vor allem gegen illegale Migranten richteten. Dabei wurden rund 4000 Menschen festgenommen.

Derweil soll in Libyen nun mit dem Abzug ausländischer Kämpfer begonnen werden. Darauf einigten sich Vertreter der Konfliktparteien in Genf, wie die Vereinten Nationen am Freitagabend berichteten. Die Konfliktparteien unterzeichneten einen entsprechenden Aktionsplan. Der UN-Sonderbeauftragte Jan Kubis sprach von einem „historischen Moment“. Das Land sei an einem wichtigen Punkt auf dem Weg zu Frieden und Demokratie.

Libyen war nach dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 in einem Bürgerkrieg versunken, an dem unzählige Milizen beteiligt sind. Seit Oktober 2020 gilt aber eine Waffenruhe. In diesem Frühjahr wurde unter UN-Vermittlung eine Übergangsregierung gebildet, die das Land zu Wahlen am 24. Dezember führen soll.

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