Was den Siebenschläfer so besonders macht

Was den Siebenschläfer so besonders macht

Der heutige Siebenschläfertag ist – anders als der Name vermuten lässt – kein Gedenktag für den flauschigen Nager mit den Knopfaugen, sondern geht auf eine christliche Legende zurück. Eine Bauernregel schreibt diesem Tag zudem eine große Bedeutung für das Sommerwetter zu. Nichtsdestotrotz hätte der auch in Deutschland heimische Siebenschläfer definitiv einen eigenen Ehrentag verdient, denn er ist in vielerlei Hinsicht besonders. Ein Porträt.

Der Siebenschläfertag ist vor allem als Wetteranzeiger bekannt. Einer alten Bauernregel zufolge verrät das Wetter an diesem Tag, wie der Sommer in den nächsten Wochen weitergeht: „Wie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.“ Doch was hat das mit dem gleichnamigen Tier zu tun? Tatsächlich nichts, auch wenn das oft fälschlicherweise angenommen wird. Der Name geht stattdessen auf eine christliche Legende zurück, der zufolge sich sieben junge Christen während der Christenverfolgung in einer Höhle versteckten. Dort fielen sie in einen wundersamen Schlaf und wachten erst rund 200 Jahre später wieder auf, als sie nichts mehr zu befürchten hatten.

Weltmeister des Winterschlafs

Im Schlafen ist auch der Siebenschläfer (Glis glis) spitze. Während viele Tiere sich mit wenigen Wochen oder Monaten Winterschlaf begnügen, sind es bei dem Nagetier aus der Familie der Bilche meist acht bis neun. Im Extremfall kann der kleine Nager mit den großen Augen und dem buschigen Schwanz sogar bis zu elf Monate in seinem Winterquartier verbringen. Das ist Weltrekord im Tierreich. In nahrungsarmen Jahren ziehen gut genährte Tiere sich bereits im Sommer zum Winterschlaf zurück. Meist beginnt der Siebenschläfer aber im September, sich sein Überwinterungsversteck zu bauen. Er gräbt dafür eine kleine, gerade für ihn passende Höhle einen halben bis einen Meter tief in den Boden.

Trotz seiner sonst eher einzelgängerischen Lebensweise zeigt der Siebenschläfer während seines Winterschlafs oft ein bemerkenswertes Sozialverhalten: Besonders während kühler Phasen schmiegen sich bis zu 16 Tiere eng aneinander, um sich gegenseitig zu wärmen – ein Verhalten, das besonders häufig bei verwandten Individuen beobachtet wird. Um während des Winterschlafs Energie zu sparen, fährt der Stoffwechsel des Siebenschläfers herunter, sein Herzschlag verringert sich von 300 auf nur noch wenige Schläge pro Minute. Dadurch benötigt der Nager nur wenig Sauerstoff und auch seine Fettreserven halten entsprechend lange.

Poltern, Pfeifen, Powerfutter

Wenn der Siebenschläfer mal nicht schläft, dann ist der nachtaktive Nager in den Baumkronen von Laub- und Mischwäldern unterwegs. Auch menschliche Behausungen wie Dachböden oder Gartenhütten nimmt er dankend an. Oft verrät der Untermieter sich dabei durch nächtliches Poltern oder pfeifendes Rufen. Die Ernährung des Siebenschläfers ist vielseitig, aber stets energiereich. Auf seinem Speiseplan stehen unter anderem Bucheckern, Eicheln, Nüsse, Beeren und Obst. Diese Kalorien sind notwendig, um vor dem Winter das eigene Körpergewicht von etwa 100 auf über 200 Gramm zu verdoppeln – eine Überlebensvoraussetzung für den extrem langen Winterschlaf.

Auch die Fortpflanzung des Siebenschläfers ist eng an das Nahrungsangebot gekoppelt. In sogenannten Mastjahren, wenn Buchen und Eichen besonders viele Samen produzieren, steigt die Wahrscheinlichkeit für Nachwuchs stark an. Bleiben die Samen jedoch aus, pausiert die Fortpflanzung auch mal komplett. Wenn es zur Geburt kommt, geschieht dies typischerweise im August. Dann bringt das Weibchen zwei bis neun Jungtiere zur Welt, die jeweils nur etwa vier Gramm wiegen – so viel wie zwei Centstücke.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien




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