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#Wie Manager-Kinder ihren Eltern beim Klima ins Gewissen reden

Wie Manager-Kinder ihren Eltern beim Klima ins Gewissen reden

Bei Familie Souque zu Hause gibt es nur noch selten Avocado-Toasts. Das haben die Töchter beschlossen, obwohl sie die Beerenfrüchte eigentlich gern essen. Aber sie haben erfahren, dass diese in der Herstellung sehr viel Wasser verbrauchen. Vater Lionel wird am heimischen Esstisch daran erinnert, dass Granatapfelkerne und Himbeeren nur dann akzeptabel sind, wenn sie nicht in Plastikverpackungen nach Hause transportiert worden sind. Sonst gibt es einen Rüffel der Familie.

Philipp Krohn

Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

„Themen, die sonst nur in meinem Beruf eine Rolle spielen, sind jetzt beim Frühstück oder Abendessen Gesprächsstoff in der Familie“, sagt Lionel Souque, der im beruflichen Leben Vorstandsvorsitzender der REWE-Gruppe ist. Deshalb muss er während der Arbeit Strategien entwickeln, wie eine der führenden deutschen Supermarktketten vom Plastikmüll wegkommt. Gegenüber seinen Töchtern zu Hause dagegen muss er sich rechtfertigen, wenn er dabei nicht schnell genug ist. Jugendliche erhöhten den Druck, in dem sie sagten: „Wir wollen wissen, was eure nächsten Schritte sind. Und zwar schnell!“, benennt Souque die Erwartungen.

Wie ihm geht es einigen Managern, die in ihren Geschäftsmodellen die nachhaltige Entwicklung voranbringen oder bremsen können. Allianz-Chef Oliver Bäte erklärte den Teilrückzug von Europas größtem Versicherer aus Kohle-Investitionen auch mit Diskussionen bei sich zu Hause. In einem Interview sagte er vor einiger Zeit über eine Begegnung mit Fridays-for-Future-Initiatorin Greta Thunberg: „Greta und ich haben ein sehr interessantes Gespräch geführt, das ähnlich verlief wie das mit meinen beiden Kindern. Die sagen: ‚Ihr glaubt, Ihr kommt immer durch. Aber Ihr müsst die Erde heilen.“

Wird oft von den Töchtern kritisch befragt: Lionel Souque, Vorstandschef der Rewe Group.


Wird oft von den Töchtern kritisch befragt: Lionel Souque, Vorstandschef der Rewe Group.
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Bild: picture alliance / Oliver Berg/d

Auch andere führende Manager haben in Zeitungsgesprächen auf ihre Dialoge mit den eigenen Kindern verwiesen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte dem Handelsblatt, er diskutiere die Rolle der Flugindustrie mit seinen Kindern. Diese verstünden aber, welchen Beitrag der Luftverkehr für die internationalen Beziehungen leiste. Michael Durach vom Senfhersteller Develey sah in den leuchtenden Augen seiner Kinder den Ausgangspunkt einer nachhaltigen Transformation seines Unternehmens. Und der dreifache Vater Emmanuel Faber, bis März Danone-Chef, sagte dem Spiegel über die Klimaproteste: „Das ist ein Dauerthema bei uns zu Hause. Meine Kinder ärgern sich über die Arroganz, die jungen Klimaschützern manchmal entgegengebracht wird.“

Für diesen Artikel hat die F.A.Z. bei gut einem Dutzend Managern und Verbänden nachgefragt, ob sie über die häuslichen Debatten zur Nachhaltigkeit und ihre Schlussfolgerungen sprechen wollen. Doch bis auf Rewe-Chef Lionel Souque und den Familienunternehmer Lutz Goebel mit seiner erwachsenen Tochter Eva Valentina Kempf hat niemand das Gesprächsangebot angenommen. Womöglich ist ihnen die Familien-Perspektive doch zu privat gewesen. Oder nutzen die Manager solche Interviewfragen, um ihrem Engagement für Nachhaltigkeit etwas mehr Emotion zu verleihen, als drinsteckt?

Der frühere Danone-Chef Emmanuel Faber


Der frühere Danone-Chef Emmanuel Faber
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Bild: Reuters

Ein lehrreicher Einblick in die Gedankenwelt von Entscheidungsträgern aber bleibt dieser generationenübergreifende Dialog zu einem Thema, das die Jüngeren emotional stärker packt als die Älteren. „Nicht, weil meine Frau und ich abends auf dem Sofa besonders kluge und erzieherische Bücher dazu vorgelesen haben“, sagt Souque darüber, woher die Prioritätensetzung seiner Töchter komme. „Sondern ganz einfach, weil das von der Vorschul-Erziehung über die Grundschule bis zur weiterführenden Schule immer und überall ein Thema war und ist.“

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