„„Wir sollten dieses Spiel so nicht miteinander spielen““
Erst der Sieg, dann der Ärger. Mit einem Vorsprung, der knapper nicht hätte sein können, sicherte sich das britische Team den vorzeitigen Gewinn der Matchraces im Prada-Cup der Herausforderer für den America’s Cup. Da die amerikanische Yacht Patriot noch repariert wird, holten die Briten ihren Sieg im einzigen und entscheidenden Rennen gegen die Luna Rossa. Die Regatten mit den Amerikanern fielen nach deren Havarie aus. Als „Geisterrennen“ wurden sie nach dem Start dem jeweiligen Gegner als Sieg zugeschrieben.

Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
Das erste wichtige Rennen auf dem Wasser haben die Italiener zwar verloren, gewannen jedoch einen Protest gegen die Briten: Diese dürfen sich nun nur noch einen Vermessungsfehler erlauben, bevor sie disqualifiziert werden. Der britische Steuermann Sir Ben Ainslie zeigte sich erbost: „Ich finde nicht, dass wir dieses Spiel so miteinander spielen sollten. Dass man auf einem solchen Niveau für etwas bestraft wird, das die Leistung nicht gesteigert hat.“ Ainslie will das Thema unter allen vier Skippern diskutiert sehen: „Derzeit haben wir die Gelbe Karte. Aber das kann ganz schnell auch jemand anderen treffen.“ Der italienische Steuermann Francesco Bruni sagte, sein Team spiele nach den Regeln, bevorzuge aber, die Regatten auf dem Wasser zu gewinnen.
Dort blieb der Zweikampf bis auf den letzten Schlag spannend. Zunächst mussten die Briten regelkonform eine Startverschiebung fordern: Sie waren gezwungen, ihre Cunningham zu blockieren, mit der der Druck im Großsegel reguliert wird – ein Nachteil für das folgende Rennen. Dabei kam es bei stark drehenden Winden dann zu neun Führungswechseln.

Klare Meinung: der britische Steuermann Sir Ben Ainslie
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Bild: AFP
Am Ende gelang es Ainslie nur äußerst knapp, ein letztes Mal vor dem Bug der italienischen Yacht mit Wegerecht zu passieren. Deren sofortigen Protest schmetterten die Schiedsrichter ab. Damit holten die glücklichen Briten, die vor Weihnachten noch praktisch abgeschrieben waren, nach sechs Siegen den Pokal für die Matchraces im Prada-Cup. „Das war ein hartes Rennen, eines der aufregendsten, die ich gesegelt bin“, sagte Ainslie, der vier olympische Goldmedaillen gewonnen hat.
Am kommenden Freitag werden nun Italiener und Amerikaner gegeneinander segeln, worauf vom 13. Februar an zwischen dem Sieger dieser Rennen und den Briten der Herausforderer für den America’s Cup ausgesegelt werden wird. Ainslie erklärte, die Mannschaft habe „eine lange Liste“ geplanter Verbesserungen, die in den nächsten Wochen abgearbeitet würden, um die Britannia noch schneller zu machen. Die Amerikaner machen unterdessen an Land bei der Reparatur der Patriot im Rennen gegen die Zeit einiges gut: „Das Boot wird ziemlich schnell wieder zum Leben erweckt. Wir sind rund einen halben Tag vor unserem Zeitplan, sollten spätestens Freitag wieder auf dem Wasser sein“, sagte Skipper Terry Hutchinson mit Blick auf die zusammengebrochene Elektronik und das gut ein Meter große Loch im Rumpf.
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