„Wir wissen viel zu wenig“
Es ist fast 23 Jahre her, dass die Terroristen der Roten Armee Fraktion am 20. April 1998 mit ihrer sogenannten Auflösungserklärung das „Projekt“ RAF als beendet sahen. Ihr Blick war dabei so radikal eng gefasst, wie es ihnen passte und wie sie die Welt fast 30 Jahre lang gesehen hatten – seit sich ihre Mitglieder Ende der sechziger Jahre zunehmend von der Studentenbewegung abgekapselt hatten, sich radikalisierten, schließlich eine Revolution erfanden, die sie der bundesrepublikanischen Gesellschaft mit Gewalt aufzwingen wollten. Für die Rote Armee Fraktion war die Geschichte 1998 zu Ende – sie ist es bis heute, wenn man die Realität sieht, keinesfalls. Viele Fragen sind offen, immer noch.
Schon einige Jahre vor der RAF, aber mit weniger medialer Beachtung, hatten nach der Wiedervereinigung zahlreiche Revolutionäre Zellen, ein Zusammenschluss unabhängig voneinander handelnder linksterroristischer Gruppen, ihre Auflösung erklärt. Sie hatten sich in der ersten Hälfte der siebziger Jahre gebildet. Dem Kern ihrer behaupteten Revolution, im Zuge derer ihre Anschläge zum Vorbild für Nachahmungen werden und Menschen dabei verletzt, aber nicht getötet werden sollten, hatten die Revolutionären Zellen durch ihre eigenen Taten immer wieder widersprochen: etwa, als sich zwei ihrer Mitglieder 1976 an der Entführung einer Air-France-Maschine beteiligten, die tagelang andauerte. Oder als Johannes Weinrich, der zu den Mitbegründern der Revolutionären Zellen gehörte, 1983 einen Anschlag auf das Maison de France in Berlin verübte. Ein junger Mann war getötet und 23 Menschen verletzt worden. Zu mindestens 186 Anschlägen bekannten sich die RZ; 1981 auch zu der Ermordung des hessischen Wirtschaftsministers Heinz-Herbert Karry, dessen Tod – durch vier Kugeln, bei Nacht auf das schlafende Opfer abgefeuert – nicht beabsichtigt gewesen sei, schrieben die Täter im Bekennerschreiben, das niemandem half außer ihnen selbst.
Nun wurde vor etwa zehn Tagen in einem Waldstück nahe Seevetal ein vergrabenes Kunststoff-Fass mit gestohlenen Ausweispapieren, Geld und Schriftstücken gefunden, bei denen das Landeskriminalamt Niedersachsen erst davon ausging, sie würden auf die RAF hindeuten, etwas später wurde korrigiert: Es gehe wohl um ein verstecktes Depot der Revolutionären Zellen. Hinweise auf die nach wie vor im Untergrund lebenden RAF-Terroristen Burkhard Garweg, Daniela Klette und Ernst-Volker Wilhelm Staub waren schnell ausgeschlossen worden: Dafür seien die Gegenstände zu alt, zu lange in der Erde, tief vergraben. Ob man tatsächlich viele Erkenntnisse aus dem Fund in Seevetal ziehen kann – über die Verbrechen der Revolutionären Zellen, ihre Mitglieder und mit wem sie möglicherweise Anfang der achtziger Jahre in Verbindung standen –, ist noch ungeklärt.
Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.
Wenn Sie an Foren interessiert sind, können Sie Forum.BuradaBiliyorum.Com besuchen.
Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Nachrichten kategorie besuchen.