#Alter grüner Mann erklärt Frau die Welt

„Alter grüner Mann erklärt Frau die Welt“

Der Feminismus, eine der Wurzeln der Grünen, scheint dem hessischen Urgestein der Partei, Frank Kaufmann, nicht allzu sehr am Herzen zu liegen. Darauf deutet der Ausbruch seiner berüchtigten Wortgewalt in der jüngsten Sitzung des Haushaltsausschusses in Wiesbaden hin. Die Landtagsabgeordneten diskutierten darüber, ob die Fraport, deren größter Anteilseigner das Land Hessen ist, ihre Beteiligung am Flughafen in Sankt Petersburg angesichts der russischen Aggression und im Rahmen der Sanktionspolitik des Westens abgeben soll. Kaufmann, der mit dem Thema pikanterweise nicht nur als Abgeordneter, sondern auch als Mitglied des Fraport-Aufsichtsrats befasst ist, geriet mit Marion Schardt-Sauer (FDP) aneinander.

In Sankt Petersburg könne das Unternehmen schon angesichts der laufenden Verträge „erst einmal gar nichts machen“, erklärte Kaufmann. Dann wies er einen Wunsch der FDP-Abgeordneten zurück, indem er sich direkt an sie wandte. „Dass Sie jetzt darauf bestehen, die Verträge sehen zu wollen, finde ich ein bisschen albern“, hob Kaufmann an. „Verehrte Frau Kollegin Schardt-Sauer, entschuldigen Sie, das, was Sie bisher an Sachverstand dargestellt haben, deutet nicht darauf hin, dass Sie in der Lage wären, solche Verträge verständig zu lesen.“

Frank-Peter Kaufmann von den Grünen





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Mansplaining im Ausschuss
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FDP sauer auf Grüne

Pfad der Ruhe

Auf die im vorläufigen Wortprotokoll des Stenografischen Dienstes dokumentierte Äußerung reagierte die Ausschussvorsitzende Kerstin Geis mit einer allgemein gehaltenen Ermahnung. Man verlasse den Pfad der ruhigen und sachlichen Debatten, stellte die Sozialdemokratin fest. „Ich appelliere an alle Beteiligten, dass wir keine diskreditierenden oder sonstigen Äußerungen zu den hier Anwesenden tätigen und ein bisschen sorgfältiger auf das achten, was wir über andere sagen.“

Dass Kaufmann keine formelle Rüge erhielt, missfällt der FDP. Er habe die Kollegin beleidigt, konstatiert der haushaltspolitische Sprecher der Fraktion, Matthias Büger, und forderte eine Entschuldigung. Dass der Grünen-Politiker sie seinem Anwurf laut Protokoll vorsorglich schon vorausgeschickt hatte, wird in dem Streit von beiden Seiten übersehen. Kaufmann sieht keinen Anlass, sich zu entschuldigen.

Seine Aussagen seien „im Rahmen einer politischen Auseinandersetzung m. E. nicht nur zulässig, sondern nach Ablauf der mehreren Diskussionen zu diesem Thema und den dort von den Sitzungsteilnehmerinnen leidvoll erlebten Wortbeiträgen der Kollegin Marion Schardt-Sauer auch durchaus geboten, mindestens aber nachvollziehbar“, meint der Abgeordnete. Im Übrigen habe es schon mehrfach Anlässe gegeben, sich durch Redebeiträge der Kollegin im Plenum oder im Haushaltsausschuss beleidigt zu fühlen.

In die Rolle des alten weißen Mannes, der sich gegenüber einer jüngeren Frau im Ton vergreift, will der Vierundsiebzigjährige sich nicht hineindrängen lassen. Dabei hat die Opposition sein Auftreten in der Vergangenheit schon häufiger moniert. Sie erkannte darin eine ausgeprägte Variante des Phänomens, für das sich in der Genderforschung der Begriff des Mansplainings etabliert hat.

Er wird, vereinfacht gesagt, verwendet, wenn ein Mann einer Frau in herablassender Weise die Welt erklärt. „Kaufmans-Plaining“ lautet die Wortschöpfung, die der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Marius Weiß, für sich in Anspruch nehmen kann. Was ihm im Plenum des Landtags schon vor langer Zeit einfiel, will die FDP-Fraktion nun im Ältestenrat des Parlaments zur Sprache bringen.

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