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#Aufarbeitung auf Augenhöhe

Aufarbeitung auf Augenhöhe

Betroffene sexualisierter Gewalt an Aufarbeitung zu beteiligen, ist zumindest den Buchstaben nach inzwischen einhellige Meinung. Die Mitglieder des Betroffenenrates beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) setzen sich seit Jahren für regionale und vor allem bundesweite Vernetzung sowie Partizipation von Betroffenen ein. Auf ehrenamtlicher Basis wurden in der Vergangenheit zwei „Mit-Sprache Kongresse“ für Betroffene und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer durchgeführt, um die nationale und internationale Vernetzung zu verbessern. Die Stärkung und Weiterentwicklung von Prozessen der Betroffenenbeteiligung fördert das Empowerment aller Beteiligten. Die notwendige professionelle Auseinandersetzung braucht gleichzeitig den Raum, eigene Betroffenheit thematisieren zu können, ohne auf den Opferstatus reduziert zu werden.

Aber wie soll Aufarbeitung gelingen? Täter und Täterinnen – sie sind zu 80 bis 90 Prozent männlich und zu 10 bis 20 Prozent weiblich – tragen selten zur Aufdeckung und Aufarbeitung der eigenen Übergriffe bei. Auch das Umfeld, in dem sich die Taten ereignet haben, schweigt, verdrängt oder aber marginalisiert oft bewusst die Geschehnisse. Das gilt für Familien genauso wie für Institutionen. Konsequente Aufdeckung und Aufarbeitung werden als Bedrohung wahrgenommen und entsprechend bekämpft. Diese Haltung hat gravierende Konsequenzen für Engagement und Transparenz in allen Aufarbeitungsprozessen. Namen von Tätern und auch Täterinnen werden nicht genannt, ebenso wenig die Namen all derer, die geschwiegen haben, um zu vertuschen und das Ansehen einer Institution oder einer Familie zu schützen. Billigend wird in Kauf genommen, dass Betroffenen dringend benötigte Hilfe versagt bleibt und weitere Kinder sowie Jugendliche gefährdet werden.

Vor gut fünf Jahren hat die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ihre Arbeit aufgenommen. Seither ist einiges in Gesellschaft und Politik geschehen, aber längst nicht genug. Mit Blick auf die Bundestagswahl und die danach anstehenden Entscheidungen werden die Mitglieder der Kommission, Betroffene, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Politiker und weitere Wissenschaftler dieses Thema auf FAZ.NET vertiefen. Bisher waren zu lesen „Die Aufarbeitung steht erst am Anfang“, „Warum nicht eine Wahrheitskommission?“, „Übergriffen und Gewalthandlungen schutzlos ausgesetzt“, „Die Vergangenheit ist für viele nicht vorbei“, „Den Bann der Vergangenheit brechen“, „Tatort Schule“, „Das vergessene Leid der Verschickungskinder“, „Anerkennung durch Geist und Geld“ sowie „Die Doppelt-Eingeschlossenen“ und “Kindesmissbrauch durch Frauen – das stumme Verbrechen“

Es gibt jedoch zwei Akteure, die eine Übernahme von Verantwortung im Kontext von sexualisierter Gewalt vorantreiben können, wenn Aufarbeitung fortlaufend blockiert wird: Wir alle als Gesellschaft und damit letztlich der Staat als politischer Verantwortungsträger, sowie die Betroffenen selbst, die erleben und erleiden mussten, was die Gesellschaft nicht verhindern konnte oder schlimmer noch, nicht verhindern wollte.

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