#Belgier gegen iranischen Terroristen ausgetauscht 

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Belgien hat den in Iran inhaftierten NGO-Mitarbeiter Olivier Vandecasteele gegen einen in Antwerpen verurteilten iranischen Terroristen ausgetauscht. Der 42 Jahre alte Vandecasteele, der insgesamt 455 Tage in einem Teheraner Gefängnis einsaß, wurde in der Nacht zu Freitag nach Oman gebracht und dort gegen den Terroristen Assadollah Assadi ausgetauscht. Das Sultanat, das gute Beziehungen zum belgischen Königshaus und zu Iran unterhält, hatte im Hintergrund vermittelt. Vandecasteele sollte am Freitagabend mit derselben Militärmaschine in Brüssel eintreffen, mit der Assadi zuvor ausgeflogen worden war.  

Thomas Gutschker

Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

Die belgische Regierung ging damit nicht nur auf eine offensichtliche Erpressung durch das Mullah-Regime ein. Sie setzte sich allem Anschein nach auch über ein Urteil des belgischen Verfassungsgerichts hinweg. Dieses hatte zwar ein Auslieferungsabkommen mit Iran für rechtmäßig erklärt, aber befunden, dass iranische Oppositionelle, auf die Assadi 2018 ein Attentat verüben wollte, zuvor über dessen Auslieferung unterrichtet werden müssen, damit sie dagegen Widerspruch einlegen können. Premierminister Alexander De Croo rechtfertigte sein Vorgehen mit den Worten: „Das Leben von Olivier hatte stets Vorrang. Dafür übernehme ich die Verantwortung.“ Belgien werde niemanden aufgeben, erstrecht nicht, wenn er unschuldig sei. 

40 Jahre Haft und 74 Peitschenhiebe

Vandecasteele war am 24. Februar 2022 – dem Tag des Überfalls Russlands auf die Ukraine – in Teheran festgenommen worden. Dort hatte er von 2015 bis 2021 für zwei Hilfsorganisationen gearbeitet. Er kehrte trotz einer Warnung der belgischen Behörden ins Land zurück, um seinen Hausstand dort aufzulösen. In Iran wurde er, wie bei derartigen Geiselnahmen üblich, des Terrorismus angeklagt und Ende des Jahres zu 40 Jahren Haft und 74 Peitschenhieben verurteilt. So berichteten es regimetreue Medien, das Urteil selbst wurde nicht veröffentlicht. Eine Freilassung des Mannes, der in Einzelhaft gehalten wurde und zwischenzeitlich in ernster gesundheitlicher Verfassung war, verzögerte sich wegen des Rechtsstreits in Belgien über die Auslieferung Assadis.

Nach Angaben De Croos wurde Vandecasteele am Freitagmorgen in Muscat medizinisch untersucht, damit er in bestmöglicher Verfassung zurückgebracht werden konnte. Der Premierminister dankte dessen Angehörigen dafür, dass man „Hand in Hand“ gearbeitet habe. Die Anwältin der Familie sprach am Freitag von einer „enormen Erleichterung“. Die Angehörigen waren am Morgen über die Freilassung informiert worden. De Croo machte dies am Mittag selbst bekannt, ohne zu erwähnen, dass Assadi ebenfalls an Iran überstellt worden war. Der Fall des französischsprachigen Vandecasteele aus Tournai wurde im ganzen Land mit großer Anteilnahme verfolgt. In Brüssel wurde auf Plakaten seine Auslieferung verlangt. Nur flämische Nationalisten kritisierten, dass die Regierung sich mit ihrem Deal auf die „Geisel-Diplomatie“ Teherans eingelassen habe.

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