„Bundesregierung will Reiseverkehr mit Großbritannien einschränken“
Wegen der neuen Variante des Coronavirus sollen die Reisemöglichkeiten zwischen Deutschland und Großbritannien sowie zu Südafrika eingeschränkt werden. Die Bundesregierung teilte am Sonntag mit, eine entsprechende Regelung werde zur Zeit erarbeitet. Sie stehe dazu auch in Kontakt mit den europäischen Partnern. Zunächst hatte die „Bild“-Zeitung über solche Pläne berichtet.
Nach ersten Erkenntnissen britischer Wissenschaftler ist eine kürzlich entdeckte Variante des Virus um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form. Premierminister Boris Johnson hatte am Samstag betont, es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien.
Die Bundesregierung prüft dazu wie andere europäische Staaten auch Schutzvorkehrungen im Luftverkehr. Einschränkungen der Flüge aus Großbritannien und Südafrika seien „eine ernsthafte Option“, hieß es aus Kreisen des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin. Man verfolge die Entwicklung sehr genau, und werte mit Hochdruck Informationen über die mögliche Virus-Variante aus. Unter anderem die Niederlande verhängten bereits ein Verbot für Flüge von und nach Großbritannien, das zunächst bis zum 1. Januar gelten soll.
Auch Belgien kappt seine Verkehrsverbindungen zum Vereinigten Königreich. Flüge und Zugverbindungen aus Großbritannien würden ab Mitternacht gestoppt, kündigte ein Regierungsvertreter in Brüssel am Sonntag an. Regierungschef Alexander De Croo sagte im Fernsehsender VRT, die Aussetzung der Flug- und Zugverbindungen werde für mindestens 24 Stunden gelten.
Österreichs Regierung will ebenfalls ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien verhängen. Details zu der Maßnahme würden noch erarbeitet, teilte das Gesundheitsministerium am Sonntag der österreichischen Nachrichtenagentur APA mit. Die im Südosten Englands entdeckte Mutation des Coronavirus Sars-CoV-2 sei in Österreich bisher nicht nachgewiesen worden. Außerdem müssen Einreisende aus Großbritannien wie aus den meisten anderen Staaten laut der seit Samstag geltenden Einreiseverordnung für bis zu zehn Tage in Quarantäne.
Auch Italien teilte am Sonntag mit, dass es den Flugverkehr ins Vereinigte Königreich aussetzen wolle. „Das Vereinigte Königreich hat wegen einer neuen Form von Covid Alarm geschlagen, die das Ergebnis einer Virus-Mutation sein könnte“, schrieb der italienische Außenminister, Luigi Di Maio, am Sonntag auf Facebook. Als Regierung müsse man die Italiener schützen, und deshalb sei man dabei, eine Anordnung zu unterzeichnen, um Flüge mit Großbritannien auszusetzen, teilte er weiter mit. Die Regierung im Vereinigten Königreich sei zuvor benachrichtigt worden.
Ein weiteres Land, das eine Aussetzung von Flügen und Zügen aus Großbritannien erwägt, ist Frankreich. Das berichtet der TV-Sender BFM. Eine offizielle Entscheidung dazu werde noch im Laufe des Sonntags erwartet. Vom Verkehrsministerium in Paris war nach Angaben der Nachrichten-Agentur Reuters zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Das Bundesgesundheitsministerium hob die bestehende Pflicht zu Corona-Tests bei der Einreise aus ausländischen Risikogebieten hervor. „Wir gehen davon aus, dass angesichts der Meldungen an allen Flughäfen mit direkten Verbindungen aus Großbritannien diese Testpflicht nunmehr verstärkt kontrolliert wird“, sagte ein Sprecher der „Süddeutschen Zeitung“ mit Blick auf die zuständigen Länder.
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