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„„Das war ein Schlag ins Gesicht““
Eigentlich wollte Boris Herrmann allein und nur für sich eine kleine Party feiern, wenn er mit seiner Yacht das Kap Hoorn umrundet. Nun herrschte an Bord der „Seaexplorer“ vor allem Erleichterung und etwas Wut. Denn wenige Stunden bevor der Hamburger am Dienstagmorgen deutscher Zeit nach genau 57 Tagen, 13 Stunden und sieben Minuten nach dem Start der Vendée Globe zum vierten Mal in seinem Leben und erstmals komplett allein die Passage an der Südspitze Südamerikas durchsegelte, stellte Herrmann abermals einen Riss in seinem Großsegel fest. Dessen Reparatur kostete ihn einige Stunden und ließ ihn auf den zehnten Platz im Gesamtklassement zurückfallen.

Zuvor hatte der 39-Jährige bereits mit heftigen Winden und Wellen sowie einem Problem mit seiner Stromversorgung und einer schlaflosen Nacht zu kämpfen. „Das war ein Schlag ins Gesicht. Aber es hat meine ‚fighting skills‘ reaktiviert“, berichtet Herrmann durchnässt und übermüdet, gefolgt von einem lauten Seufzer in einem Video. „Es ist schade, dass ich Kap Hoorn nicht sehen konnte. Aber es wäre zu gefährlich gewesen, näher an die Küste heran zu segeln.“ Den obligatorischen Schluck Whisky, den er sich extra für solch besondere Meilensteine mitgenommen hat, wird er sich wohl erst später gönnen.
„Es ist verrückt, ich habe viele Tränen vergossen“
Neben dem Deutschen hat nun fast die Hälfte der Skipper einen der mystischsten Orte im Hochseesegeln passiert – einige von ihnen sind dabei von ihren Gefühlen übermannt worden: „Es ist verrückt, ich habe viele Tränen vergossen“, berichtete der bewegte Damien Seguin, der sich als Viertplatzierter auf den noch mehr als 6500 Seemeilen langen Heimweg in Richtung französischer Westküste macht. Doch während sich das Führungstrio um den Franzosen Yannick Bestaven bereits wieder den Atlantischen Ozean hinauf segelt, haben die Teilnehmer auf den hintersten Plätzen noch nicht einmal Neuseeland geschweige denn Australien hinter sich gelassen.
Große Sorgen hatte zuletzt auch die Deutsch-Französin Isabelle Joschke. „Ich hatte viele böse Überraschungen in den letzten drei Tagen“, erklärte die gebürtige Münchnerin, die im Südpazifik zwischenzeitlich den fünften Rang belegte, nun aber immer weiter zurückfällt. Nachdem zunächst ihr Autopilot nicht mehr vollständig funktionierte, verlor sie kurz darauf ihr „Gennaker“ genanntes Vorsegel und beklagt nun auch noch einen größeren Schaden an ihrem Kiel, der allein nicht zu reparieren ist. Sie starte nun „gemischten Gefühlen“ in die letzte Etappe der Rund-um-die-Welt-Regatta, berichtet Joschke. Es ginge nun nur noch darum, ins Ziel zu kommen.
Die Vendée Globe gilt als die härteste Regatta für Einhandsegler. Sie begann am 8. November an der französischen Atlantikküste und führt entlang des Südpolarmeeres einmal um den Globus. Mit Boris Herrmann nimmt erstmals ein Deutscher teil.
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