#Demonstration mit Waldbesetzung

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Demonstration mit Waldbesetzung

Mit individuellem Handeln sei die Klimakrise nicht zu überwinden – da ist sich die Rednerin von Fridays for Future sicher. „Ob wir als Einzelne Bambuszahnbürsten kaufen, ist irrelevant“, sagt die junge Frau auf dem Lastwagen vor der Alten Oper. Von ähnlich begrenzter Wirkung wie Bambuszahnbürsten seien die Kreuzchen auf dem Wahlzettel. Wirklich helfen werde nur ein Systemwechsel, sprich die Abschaffung des Kapitalismus. Das aber sei „nicht im Bundestag oder im Supermarkt, sondern nur auf der Straße“ zu bewerkstelligen. „Braver Protest bringt nichts.“ Dass etwas illegal sei, bedeute nicht, dass es falsch sei, dass etwas legal sei, heiße nicht, dass es richtig sei. Auf dem bis an den Rand gefüllten Opernplatz brandet Applaus auf.

Im späteren Verlauf des Freitags werden einige Aktivisten den Worten Taten folgen lassen. Im Anschluss an die Demonstration von Fridays for Future, die auf dem Opernplatz beginnt und mit einer Kundgebung auf dem Römerberg endet, besetzen Klimaschützer ein kleines Waldstück im Frankfurter Osten. Sie wollen damit die geplanten Rodungen für den Ausbau der A66 und den Bau des Riederwaldtunnels verhindern. Für die Autobahn würden im Fechenheimer Wald, im Erlenbruch und im Teufelsbruch auf zwei Kilometern wertvolle Bäume, artenreiche Feuchtgebiete und Alleenbäume zerstört, teilt die Kampagne „Teufelsbruch bleibt!“ mit.

Die Aktion folgt der Logik der Reden, die drei Stunden zuvor auf dem Opernplatz gehalten wurden. Weltweit würden Tiere und Pflanzen ausgelöscht und Menschen unterjocht, beklagt eine zapatistische Gruppe. „Es gibt einen Schuldigen für diese Zerstörungen – dieser Schuldige hat einen Namen: Es ist das kapitalistische System.“ Die Rednerin von Fridays for Future, die danach auftritt, knüpft nahtlos an. Seit Beginn der Industrialisierung würden alle Werte dem Primat des Wachstums untergeordnet. Das Prinzip des Wettbewerbs teile Menschen in Ausbeuter und Ausgebeutete. Diesem System diene auch die Polizei, deren Aufgabe es sei, das Kapital zu schützen. Zwar wäre bei der Bundestagswahl ein Linksrutsch „das Beste, was passieren könnte“, aber selbst eine rot-rot-grüne Koalition würde kein Ende des kapitalistischen und „faschistoiden“ Systems herbeiführen.

„Macht die Wahl zur Klimawahl“

Auf der Demonstration sind etliche Plakate zu sehen, die eine ähnliche Sprache sprechen. „Für das Leben, gegen den Kapitalismus“ steht auf einem meterlangen Banner, das junge Leute hinter dem Lastwagen an der Spitze des Demonstrationszugs aufspannen. Ein älterer Mann mit langem grauen Bart reckt ein Schild mit der Aufschrift „Bonzen und Kapital vertreiben“ in die Höhe. Eine junge Frau mit rötlichen Locken hat auf einen Pappkarton „Save the climate“ und „Fight capitalism“ geschrieben.

Skeptisch: An einen Wandel durch Wahlen glauben die Demonstranten nicht.


Skeptisch: An einen Wandel durch Wahlen glauben die Demonstranten nicht.
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Bild: Lucas Bäuml

19.000 Menschen beteiligen sich nach Angaben von Fridays for Future an der Frankfurter Ausgabe des „Klimastreiks“, die Polizei spricht von mehreren Tausend Teilnehmern. Anhänger des CDU-Kanzlerkandidaten lassen sich im Demonstrationszug nicht finden. Ein junger Mann trägt ein Schild mit der Aufschrift: „Kohle ist scheiße. Armin auch.“ Eine 25 Jahre alte Studentin der sozialen Arbeit, die ihr Fahrrad neben sich herschiebt, hat auf eine Pappe „Macht die Wahl zur Klimawahl“ geschrieben und darunter das Kürzel CDU durchgestrichen. Sie hoffe auf Rot-Rot-Grün, sagt sie. Die Rhetorik von manchen Aktivisten finde sie zwar überzogen, aber Kapitalismuskritik sei nötig und wichtig.

Manche Demonstrationsteilnehmer distanzieren sich hingegen klar von antikapitalistischen Forderungen. Ein Achtzehnjähriger, der mit einer Schülergruppe aus Dietzenbach nach Frankfurt gekommen ist, sagt, bei der Bundestagswahl gebe er den Grünen wegen der Klimapolitik seine Stimme, grundsätzlich sei er aber „nicht sehr links“ eingestellt. „Der Aufruf zum Straßenkampf trifft nicht das, was ich mir vorstelle.“ Ein Mitschüler im weißen Kapuzenpulli gibt ebenfalls an, die Grünen zu wählen. Manche Redebeiträge auf der Fridays-for-Future-Demonstration seien ihm aber zu undifferenziert. Da würden unter dem Stichwort Klimaschutz sehr viele unterschiedliche Dinge „zusammengepackt“. Die Polizei als Helfer eines faschistoiden Systems zu bezeichnen, halte er zum Beispiel für ziemlich unangebracht.

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