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„Der Maler als Dandy“
Wie wenige Bilder steht es stellvertretend für die aufgeladene Atmosphäre der Zwanziger, obwohl Max Beckmann es bereits im Jahr 1919 in Frankfurt gemalt hat: Das „Selbstbildnis mit Sektglas“, das heute als teuerster Ankauf in der zweihundertjährigen Geschichte des Frankfurter Städel von Kulturstaatsministerin Grütters in einem Festakt dem Museum übergeben wurde. Auf dem berühmten Selbstbildnis präsentiert sich der Maler als Dandy mit Champagner in der Hand in einem mondänen Café in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofes, umgeben von fratzenhaften Gesichtern und mit manierierter Geste der an die Schulter gelegten Hand, die seitenverkehrt jene des Johannes von Grünewalds Isenheimer Altar zitiert. Ein Bild der Widersprüche in einer Zeit voller Widersprüche, denn nur ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkriegs konnte das Bild eines Champagner schlürfenden Bohemiens als Provokation aufgefasst werden. Bei genauem Hinsehen in einer Sonderpräsentation des nun angekauften Bildes ab dem 9. Dezember im Städel wird zu sehen sein, dass die Traumata des Kriegs dem Selbstporträt etwa in dem totenschädelartigen Kopf des Malers sehr wohl eingeschrieben sind.
Gut erhalten durch Aufbewahrung in Privatsammlung

Das Bild befand sich seit 1928 durchgängig im Besitz ein und derselben Textilunternehmerfamilie Lange in Krefeld, die sich im Jahr vor dem Erwerb von Mies van der Rohe eine Villa als mondänen Rahmen für das Bild und den Rest ihrer Kunstsammlung hatte erbauen lassen. Als Leihgabe im Städel seit 2011 drohte es als eines der letzten Selbstbildnisse Beckmanns in Privatbesitz verkauft zu werden. Nach Jahren der Bemühung um dieses zentrale Werk der sich ankündigenden Zwanziger Jahre konnte es nun den Nachkommen des einstigen Erwerbers abgekauft und damit dauerhaft für das Museum gesichert werden.
Zum genauen Preis dieses Ausnahmekunstwerks äußert sich das Städel nicht. Mit einer niedrigen achtstelligen Millionensumme entspricht es aber etwa einem Drittel des auf einer Auktion derzeit wohl zu erzielenden Preises. Etwa drei Viertel der Summe stammen dabei von fünf privaten Mäzenen aus Frankfurt und der Siemens-Stiftung; der Rest des Geldes kam von der Kulturstiftung der Länder sowie von Kulturstaatsministerin Grütters, die das Bild in ihrer Rede ein „national bedeutsames Kunstwerk“ nannte.
Ein Bild als Wiedergutmachung
Der Ankauf stellt in den Augen des Städel-Direktors Philipp Demandt auch eine Kompensation für die durch die Nationalsozialisten erlittenen Verluste des Museums dar, eine Art „Wiedergutmachung“, mit der Bild des verfemten und ins Exil getriebenen Künstlers an den Ort seiner Entstehung zurückkehrt. Wenn von allen Künstlern, die unter der Aktion „Entartete Kunst“ zu leiden hatten und bei der insgesamt 680 Kunstwerke aus dem Städel entfernt wurden, Beckmann mit genau hundert Arbeiten – darunter allein zehn Gemälde – mit Abstand die meisten Bildverluste verzeichnen musste, könne von einem mindestens historisch in jeder Hinsicht angemessenen Ankauf gesprochen werden.
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