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#Die NASA fliegt (endlich!) wieder zur Venus – Astrodicticum Simplex

Die NASA fliegt (endlich!) wieder zur Venus – Astrodicticum Simplex

Letzte Woche hat die NASA zwei neue Weltraummissionen ihres Discovery Programms bekannt gegeben. Schon im Jahr 2017 hat man den Start von “Lucy” und “Psyche” bekannt gegeben: Erstere wird zu den Trojaner-Asteroiden des Jupiters fliegen und zweitere den Metall-Asteroiden Psyche besuchen. Jetzt sind zwei weitere Raumsonden dazu gekommen: DAVINCI+ und VERITAS. Das sind wie immer (einigermaßen bemühte) Akronyme und das in beiden Namen vorkommende “V” zeigt uns ihr Ziel: Die Venus!

Wenn ich in der Vergangenheit über die Venus geschrieben habe – zum Beispiel über die Entdeckung von Hinweisen auf Leben und der Widerlegung dieser Entdeckung oder die Suche nach aktiven Vulkane – dann haben diese Texte meistens auf die gleiche Weise geendet. Ich habe darauf hingewiesen, dass wir viele sehr spannende Fragen über unseren Nachbarplaneten wohl nur beantworten werden können, wenn wir endlich wieder mal eine Raumsonde dorthin schicken um vor Ort forschen zu können.

Im Gegensatz zum Mars ist die Venus notorisch untererforscht. In den 1960er und 1970er Jahren gab es ein paar Landungen sowjetischer und Vorbeiflüge amerikanischer Raumsonden. Später flogen man bei anderen Missionen immer wieder mal an der Venus vorbei; explizite Programme zur Erforschung der Venus gab es aber nur wenige. Von 1990 bis 1994 kartografierte Magellan der NASA die Oberfläche der Venus. Von 2006 bis 2014 war die europäische Sonde Venus Express aktiv. Und von 2015 bis 2018 trieb sich die japanische Sonde Akatsuki bei der Venus herum. Aber verglichen mit dem, was wir regelmäßig zum Mars schicken, ist das nichts.

Venus und Erde, gleich und doch unterschiedlich (Bild: NASA/Apollo 17, gemeinfrei)

Dabei hätte die Venus durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient. So wie der Mars ist sie der Erde einerseits sehr ähnlich, andererseits aber komplett anders. Die Venus ist circa so groß und so schwer wie die Erde. Man vermutet, dass nach ihrer Entstehung vor 4,5 Milliarden Jahren dort lebensfreundliche Bedingungen geherrscht haben, mit angenehmen Tempeaturen und flüssigem Wasser auf der Oberfläche. Vielleicht war die Venus sogar der erste lebensfreundliche Planet im Sonnensystem. Heute ist sie es definitiv nicht mehr; heute hat es dort Temperaturen von bis zu 450 Grad Celsius. Der Grund dafür ist ein Mega-Treibhauseffekt und eine Atmosphäre, deren Dichte die der Erdatmosphäre völlig in den Schatten stellt. Ob die Venus früher wirklich lebensfreundlich war und wie (und warum) genau sie sich zu der Hitzehölle entwickelt hat, die sie heute ist, sind genau die Fragen, deren Antworten wir gerne kennen würden. Genau so wie wir gerne wissen würden, ob es auf der Venus noch aktive Vulkane gibt, ob der Planet – so wie die Erde – über Plattentektonik verfügt. Wir wollen auch wissen, wie die gewaltige Atmosphäre unseres Nachbarplaneten funktioniert; welche chemischen Prozesse dort ablaufen und ob dort vielleicht wirklich irgendwelche Mikroorganismen existieren könnten.

Genau solche Fragen sollen DAVINCI+ und VERITAS beantworten. Das erste Akronym steht für “Deep Atmosphere Venus Investigation of Noble gases, Chemistry, and Imaging”. Das “Deep” im Namen ist dabei wörtlich zu verstehen. Man wird die Venusatmosphäre nicht nur sehr intesiv untersuchen, sondern tatsächlich auch einen Teil der Sonde tief hinab in die Gasschicht schicken, die die Venus umgibt. Am Ende wird sie auch landen, aber den Bedingungen dort nicht standhalten können. Während dem über eine Stunde dauernden Flug durch die Atmosphäre wird man aber jede Menge Daten sammeln können. Man muss nicht extra darauf hinweisen, dass es durchaus wünschenswert ist zu verstehen, was da in der Atmosphäre der Venus abgeht. Wir können die Venus nur verstehen, wenn wir ihre Atmosphäre verstehen. Und wir haben dort die einzigartige Möglichkeit, ein Klima zu studieren, dass es auf der Erde – zum Glück – nicht gibt. Auch nicht geben wird. Aber mit der menschengemachten Klimakrise sind wir dabei, uns dem lebensfeindlichen Klima zumindest auf ausreichend erschreckende Weise anzunähern und je besser wir all diese Vorgänge verstehen, desto eher können wir die aussichtsreichsten Strategien zur Bekämpfung des Klimawandels identifizieren.

Künsterlische Darstellung des Flugs durch die Venusatmosphäre (Bild: NASA/GSFC, gemeinfrei)

VERITAS, die zweite Mission, steht für “Venus Emissivity, Radio Science, InSAR, Topography, and Spectroscopy”. Die Sonde wird die Oberfläche der Venus extrem genau kartografieren; nicht mit fotografischen Aufnahmen, sondern mit Radarstrahlen. Anders geht es wegen der dichten Atmosphäre nicht; mit den Daten von VERITAS können wir aber trotzdem herausfinden, ob es dort aktive Vulkane oder Plattentektonik gibt. Andere Instrumente der Sonde können feststellen, ob aus etwaigen aktiven Vulkanen Wasserdampf in die Atmosphäre entlassen wird (die entsprechende Technik wird übrigens vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt gebaut). Ins All fliegen sollen DAVINCI+ und VERITAS irgendwann zwischen 2028 und 2030. Es dauert noch ein bisschen, aber nicht mehr allzu lange.

Es ist nur natürlich, sich auf die erfolgreich ausgewählten Missionen zu konzentrieren. Aber für jede Raumsonde die ins All fliegt, gibt es Dutzende, die nie über ein Planungsstadium hinaus gekommen sind. Für die aktuelle Wahl beim Discovery Program der NASA standen diesmal vier Missionen zur Wahl. Das heißt, das zwei nicht ausgewählt wurden und das waren IVO und TRIDENT. IVO wäre der “Io Vulcano Observer” gewesen, ein ziemlich faszinierendes Konzept. Wir wissen, dass er Jupitermond Io ein einzigartiger Himmelskörper ist. Er ist so aktiv wie kein anderes Objekt im Sonnensystem (abgesehen von der Sonne); die enormen Gezeitenkräfte des Jupiters haben zu extremer vulkanischer Aktivität auf Io geführt. Das hätte man gerne aus der Nähe erforscht und IVO hätte sich die Sache mit mehreren nahen Vorbeiflügen am Jupitermond angesehen. Noch cooler wäre die Mission TRIDENT gewesen: Die Reise hätte zu Triton geführt, dem größten Mond des sonnenfernsten Planeten Neptun. Mit einem Durchmesser von 2700 Kilometern ist das ein durchaus großer Himmelskörper, auf dem man “Kryovulkanismus” nachweisen konnte. Also Vulkane, die kein Feuer, sondern Eis speien. Diese Prozesse spielen vor allem bei den eisigen Objekten des äußeren Sonnensystems eine wichtige Rolle und wir wissen noch viel zu wenig darüber. Was aber insgesamt für Neptun und seine Monde (und ebenso für Uranus) gilt. Die beiden äußeren Planeten des Sonnensystems sind noch weniger erforscht als die Venus. Sie sind weit weg und schwer zu erreichen, aber es wäre dringend an der Zeit, das endlich einmal zu erledigen.

IVO und TRIDENT wären vermutlich ebenso würdige Missionen gewesen wie VERITAS und DAVINCI+. Aber leider haben wir nicht das Geld, um alle Raumsonden zu bauen, die zu bauen es sich lohnen würde (Bzw.: Wir hätten das Geld schon, wir geben es nur für andere Sachen aus). Und vielleicht werden die jetzt nicht bewilligten Missionen ja später noch realisiert. Jetzt geht es erst einmal zur Venus!

Letzte Woche hat die NASA zwei neue Weltraummissionen ihres Discovery Programms bekannt gegeben. Schon im Jahr 2017 hat man den Start von “Lucy” und “Psyche” bekannt gegeben: Erstere wird zu…

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