Europa: Comeback der Kamele?

Europa: Comeback der Kamele?

Kamele haben in Europa eine lange Tradition, die bis in die Zeit des antiken Roms zurückreicht. Selbst im Mittelalter waren die Höckertiere vielerorts noch von großer Bedeutung. Nun könnte die Zucht und Haltung von Kamelen in Europa ein Comeback erleben, wie Forschende berichten. Gerade vor dem Hintergrund des voranschreitenden Klimawandels wären die Qualitäten der Wüstenbewohner hierzulande demnach besonders gefragt.

Kamele dienen der Menschheit seit Jahrhunderten als wichtiges Nutztier. Sie liefern Milch und Fleisch, können schwere Lasten tragen und kommen gut mit rauem, trockenem Klima zurecht. Aufgrund dieser vielen Vorzüge waren die Höckertiere in früheren Zeitaltern weit verbreitet – auch in Europa, obwohl man Kamele heute eher im Nahen Osten erwartet. Unter anderem spielten die Tiere eine große Rolle im alten Rom, wo sie in der Landwirtschaft und Logistik eingesetzt wurden.

Vom Statussymbol zur Randerscheinung

Ein weiterer Hotspot der Kamelhaltung lag auf den Kanarischen Inseln, wo Dromedare 1405 nach Christus erstmals eingeführt wurden. „Das trockene Klima und die natriumreiche Vegetation der Inseln in Verbindung mit dem Fehlen natürlicher Raubtiere begünstigten das schnelle Wachstum der Kamelpopulationen“, erklären Ahana Maitra von der italienischen Universität Bari und ihre Kollegen. „Kamele spielten eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft, in der Getreidemüllerei und im Transportwesen und prägten die lokale Landschaft, etwa durch den Bau von Terrassenfeldern. In der Gesellschaft wurden Kamele zu Wohlstands- und Statussymbolen, was sie zu einem festen Bestandteil des kulturellen Erbes der Kanarischen Inseln machte.“

Doch diese Ära dauerte nicht ewig an. Nach einem allmählichen Rückgang im Verlauf des Mittelalters waren Kamele in Europa fast nur noch auf exotische Sammlungen beschränkt. Heute gibt es Schätzungen zufolge allerdings wieder 5.000 bis 6.000 von ihnen – unter anderem in Deutschland, Spanien, Frankreich und Schweden. Die europäische Kamelzucht hat in den vergangenen Jahrzehnten einen Aufschwung erlebt, der in erster Linie auf den Tourismus und die Nachfrage nach Kamelmilch zurückzuführen ist, wie Maitra und ihr Team erklären. Sie vermuten, dass es sich dabei um den ersten Schritt eines größeren Comebacks handeln könnte, das uns nun bevorsteht.

Ein Comeback mit Hürden

„Zwar wird die Kamelzucht in Europa in den nächsten Jahrzehnten voraussichtlich nicht die Bedeutung der bekannten, großen Nutztierarten erlangen. Aufgrund seiner besonderen Eigenschaften könnte das Kamel aber interessante Möglichkeiten zur Diversifizierung in der Tierhaltung bieten, und zwar auch aus dem Blickwinkel der Rentabilität“, berichtet Co-Autorin Pamela Burger von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Das hängt insbesondere mit der hohen Trockentoleranz der Kamele zusammen, die angesichts des voranschreitenden Klimawandels und der zunehmenden Wüstenbildung in Europa verstärkt gefragt sein könnte.

Noch stehen dem Comeback der Kamele allerdings einige Hürden im Weg. Wie das Team erklärt, fehlen derzeit zum Beispiel noch gesetzliche Rahmenbedingungen für die Kamelzucht. Ein weiteres Problem ist die begrenzte Anzahl der aktuell in Europa gehaltenen Kamele. Da diese darüber hinaus geografisch weit zerstreut leben, könnte es langfristig zu einer genetischen Verarmung kommen. Mit steigendem Interesse an der Kamelhaltung in Europa könnten sich diese Umstände jedoch nach und nach verbessern, wie die Forschenden vermuten.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien; Fachartikel: Applied Sciences, doi: 10.3390/app15031644 

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