
Keine Panik vor dem bedrückenden Buchtitel: Hinter dem „stillen Sterben der Natur“ verbirgt sich keineswegs eine Hiobsbotschaft vom Untergang der Erde, sondern eine kluge Streitschrift zum aktuellen Stand des Naturschutzes. Der Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht setzt sich in mehreren Essays mit der Frage auseinander, warum die Biodiversitätskrise weniger wahr- und ernstgenommen wird als andere Krisen – und was dagegen zu tun ist.
„So wenig hilfreich ein Wettstreit der Krisen ist, so wichtig ist es zu betonen, dass es mehr als nur den Faktor Klima gibt“, schreibt Glaubrecht. Bewusst provokant stellt er Klima- und Artenschutz gegenüber, kritisiert den klassischen Naturschutz scharf und nimmt auch die Wissenschaftspolitik ins Visier: Mehr als einmal fragt er in Bezug auf gewisse Forschungsvorhaben „Cui bono – zu wessen Nutzen?“. Doch er kritisiert nicht nur, sondern liefert auch konkrete Ideen zur Lösung der Biodiversitätskrise.
Wer nüchterne Informationen sucht, ist bei diesem Buch falsch. Glaubrecht beleuchtet die Debatte um die Biodiversitätskrise aus vielen verschiedenen, auch persönlichen Perspektiven. Hintergrundinfos zu den oft kontroversen Thesen gibt es erst am Ende, auf 33 Seiten mit Anmerkungen und Quellen. In erster Linie regt sein Buch zum Nachdenken und Diskutieren an – über die Art, wie wir die Natur erforschen, wie wir sie behandeln und welchen Stellenwert wir ihr beimessen. Alina Wolf
Matthias Glaubrecht
Das stille Sterben der Natur. Wie wir die Artenvielfalt und uns selbst retten
C. Bertelsmann Verlag, 224 S., € 22,–
ISBN 978-3-570-10572-6

Jan Hegenberg räumt in Klima-Bullshit-Bingo unterhaltsam mit den gängigsten Mythen und Stammtischparolen zum Klimaschutz auf – faktenbasiert, witzig und schlagfertig.
€ 24,00
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