Familiengrab aus der Mittelsteinzeit entdeckt

Familiengrab aus der Mittelsteinzeit entdeckt

In Polen haben Archäologen eine mesolithische Grabstätte gefunden, in der sich die Gebeine von vier einander zugewandten Menschen befanden – eine typische Anordnung für die damalige Zeit. Solche „Massengräber“ aus der Mittelsteinzeit sind bereits von anderen Orten bekannt, es ist jedoch der erste derartige Fund in Polen. Nähere Analysen sollen nun Aufschluss darüber geben, ob die Toten eine Familie waren, wie sie lebten und woran sie starben.

In der Nähe des polnischen Dorfes Orłowo in der Gemeinde Inowrocław sind Archäologen bei Bauarbeiten auf ein altes Grab gestoßen und haben es freigelegt. Die darin gefundenen Knochen wurden wahrscheinlich zwischen 8000 und 7000 vor Christus dort bestattet. Damit würden die Überreste aus dem Mesolithikum stammen, wie das Forschungsteam um Piotr Alagierski berichtet. Sollte dies durch Radiokarbondatierung bestätigt werden, wäre dies die erste „Massenbestattung“ aus dieser Zeit, die in Polen entdeckt wurde.

Vier Menschen in enger Umarmung

Denn die Grabstätte enthielt die sterblichen Überreste von nicht nur einem, sondern gleich vier Menschen. Die Knochen gehörten zu einem Mann, einer Frau und zwei Kindern. „Vier Menschen wurden in dem Grab begraben: ein erwachsener Mann und eine erwachsene Frau, mit einem Kind im Alter von sieben bis acht Jahren. Links von dem Mann befindet sich ein weiteres Kind im Alter von drei bis vier Jahren“, berichtet Alagierskis Kollegin Justyna Marchewka-Długońska von der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität in Warschau.

Ihre Gebeine waren so angeordnet, als ob sie sich umarmten. Die Verstorbenen scheinen also einander zugewandt beigesetzt worden zu sein. Diese Anordnung legt nahe, dass es sich bei den vier Personen um Mitglieder derselben Familie handelt. „Wir wollen dies nun mit DNA-Tests bestätigen. Durch die DNA-Analysen wollen wir auch das Geschlecht der Erwachsenen bestätigen und einen Hinweis auf das Geschlecht der Kinder erhalten, was mit ihren Überresten sehr schwer zu erreichen ist“, erklärt Marchewka-Długońska.

Nähere Untersuchungen der Gebeine sollen zudem Aufschluss über die Körpergroße und das Alter der Erwachsenen geben sowie über die Herkunft, Ernährung und Lebensweise der Gruppe. Auch Hinweise auf die mögliche Todesursache erhoffen sich die Archäologen davon. „Auf den ersten Blick gibt es keine Anzeichen von Gewalt an den Knochen, die darauf hindeuten würden, dass die Verstorbenen von einer anderen Gruppe getötet wurden. Ihr Tod wurde wahrscheinlich durch ein plötzliches Ereignis verursacht, das zum Beispiel zu Unterkühlung hätte führen können“, sagte Alagierski.

Drei Hinweise auf die Mittelsteinzeit

Das vorläufige Alter der Gebeine haben die Archäologen anhand dreier Faktoren geschätzt. „Der erste ist die Geologie des Standorts. In der Region dominiert schwarze Erde, die sich vor 7000 bis 8000 Jahren in Kujawien zu bilden begann“, erklärt Alagierski. Bei der Erkundung der Grabstätte stießen die Forschenden jedoch nicht auf schwarze Erde. „Deshalb schließen wir, dass die Grabgrube ausgehoben worden sein muss, bevor sich die Schwarzerde gebildet hat.“

Der zweite Altershinweis ist ein Werkzeug aus Feuerstein, das unter dem Schädel eines der Kinder lag und wahrscheinlich absichtlich dort platziert wurde. „Es handelt sich um ein abgebrochenes Fragment aus hochwertigem Feuerstein. Dieses Steinzeit-Multitool wurde zur Herstellung von Klingen und Messern verwendet und ist typisch für das Mesolithikum“, berichtet Alagierski.

Der dritte Faktor, der Hinweise auf das Alter des Grabes gibt, ist seine Ähnlichkeit mit anderen Bestattungen in Frankreich, Skandinavien und dem östlich daran angrenzenden Karelien. „Bei ähnlichen Bestattungen ist die Anordnung der Verstorbenen fast identisch: leicht angewinkelte Beine, sehr familiäre Posen. Die Verstorbenen scheinen sich zu umarmen und zu halten“, erklärt Alagierski. Diese Anordnung der Körper sei aber nur typisch für Grabstätten aus der mesolithischen Zeit und kam in späteren Perioden nicht mehr vor.

Quelle: PAP – Science in Poland

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