Im Eis konserviert

Im Eis konserviert

Im Eis konserviertEisbohrkerne aus dem Grönländischen Eisschild helfen Forschenden dabei, Vulkanausbrüche aus der Vergangenheit besser zu verstehen.  © Michael Sigl

Neue Untersuchungen von Eisbohrkernen deuten darauf hin, dass selbst kleine Vulkanausbrüche weltweit größere Auswirkungen haben können als bislang angenommen. Forschende konnten dabei in Grönland Asche eines historischen Ausbruchs im Westen der USA nachweisen.

Eisbohrkerne helfen dabei, die Wetterbedingungen und die Zusammensetzung der Atmosphäre in vergangenen Jahrhunderten zu rekonstruieren. Eingeschlossene Aschepartikel geben aber auch Auskunft über frühere Vulkanausbrüche. Wissenschaftler der University of St Andrews in Schottland konnten so nun eine Eruption des Newberry-Vulkans präzise datieren und nachweisen, dass sich die Asche mehr als 5000 Kilometer weit von Oregon an der Westküste der USA bis nach Grönland ausbreitete.

Die Studie identifizierte in grönländischen Eisbohrkernen mithilfe des „geochemischen Fingerabdrucks“ Aschepartikel, die von der sogenannten „Newberry Pumice Eruption“ des großen Schildvulkans stammen. Zudem datierten die Forschenden den Ausbruch auf einen Zeitraum von zwei Jahren um 686 nach Christus.

Der Ausbruch wird auf dem Vulkanexplosivitätsindex (VEI) als Ereignis der Stufe 4 bewertet. Damit war der Ausbruch etwa zehnmal schwächer als die Eruption am Mount St. Helens im Jahr 1980 (VEI 5), aber etwa zehnmal stärker als der Ausbruch des isländischen Eyjafjallajökull im Jahr 2010 (VEI 3–4). Besonders bemerkenswert war also nicht die Intensität des Ausbruchs, sondern, dass sich die Asche quer über die Vereinigten Staaten und den Atlantik ausbreitete.

Die Ergebnisse zeigen, dass selbst vergleichsweise kleine Ausbrüche erhebliche Risiken für den Nordatlantikraum darstellen können – insbesondere für den Flugverkehr auf einer der weltweit meistgenutzten Flugrouten. Der Newberry-Vulkan gilt weiterhin als aktiv und wird vom U.S. Geological Survey als Vulkan mit sehr hohem Gefährdungspotenzial eingestuft; der Ausbruch im Jahr 686 ist allerdings die jüngste bekannte Aktivität dieses Vulkans.

Professorin Andrea Burke von der Universität St Andrews, die die Analyse der Eisbohrkerne leitete, sagte: „Diese Entdeckung war für uns wirklich überraschend. Wir hätten niemals damit gerechnet, in einer so großen Entfernung von einem Ausbruch mittleren Ausmaßes derart große Aschemengen vorzufinden. Dieses Ergebnis unterstreicht eindrucksvoll den Nutzen der Erforschung vergangener Vulkanausbrüche für das Verständnis heutiger Risiken.“

 

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