#Italien warnt die Betreiber privater Rettungsschiffe

„Italien warnt die Betreiber privater Rettungsschiffe“

Die neue Regierung in Rom will offenbar zur Politik der Hafensperrung für private Rettungsschiffe im Mittelmeer wie zur Amtszeit des früheren Innenministers Matteo Salvini von Juni 2018 bis September 2019 zurückkehren. Der parteilose Innenminister Matteo Piantedosi bekräftigte am Mittwoch in einem Gespräch mit der Zeitung „La Stampa“, dass das deutsche Schiff „Humanity 1“ und die norwegische „Ocean Viking“, die derzeit Rettungseinsätze im zentralen Mittelmeer unternehmen, nicht im Einklang mit den europäischen und italienischen Sicherheits- und Grenzkontrollnormen operierten.

Matthias Rüb

Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

Er habe vor allem an die Verantwortung der Flaggenstaaten der betreffenden Schiffe erinnern wollen, sagte Piantedosi und ließ durchblicken, dass die italienischen Behörden den beiden Schiffen die Einfahrt in italienische Hoheitsgewässer und in italienische Häfen verweigern könnten.

Die Organisation SOS Méditerranée teilte am Mittwochnachmittag mit, die „Ocean Viking“ habe in der Nacht zu Mittwoch weitere rund 60 Männer, Frauen und unbegleitete Minderjährige in internationalen Gewässern nahe der italienischen Insel Lampedusa von einem überfüllten Holzboot in Seenot aufgenommen. Nach vorherigen Rettungen befinden sich damit rund 200 Bootsmigranten an Bord. Die „Humanity 1“ hat nach Angaben der deutschen Hilfsorganisation SOS Humanity bis Mittwoch 180 Menschen an Bord genommen. Eine offizielle Mitteilung über die Sperrung der Häfen oder der Hoheitsgewässer haben die Besatzungen und Betreiber der Rettungsschiffe bis Mittwoch nicht erhalten.

Unterdessen nahmen Schiffe der italienischen Küstenwache am Mittwoch vor Sizilien rund 1160 Bootsmigranten an Bord ihrer Schiffe auf. Zwei Menschen seien tot geborgen worden, teilte die Küstenwache mit. In Lampedusa landeten derweil weitere gut 500 Migranten an, die die südlichste italienische Insel im Mittelmeer mit Schlauch- und Holzbooten aus eigener Kraft erreichten. Nach Angaben des Innenministeriums wurden in diesem Jahr bisher fast 80.000 Bootsmigranten registriert. Im Vorjahreszeitraum waren es knapp 52.800 gewesen.

An Bord privater Rettungsschiffe erreichten in den vergangenen Jahren etwa zwölf Prozent der Bootsmigranten im zentralen Mittelmeer die italienische Küste. 88 Prozent landen in ihren Flüchtlingsbooten direkt in Italien an oder werden von der Küstenwache aus Seenot gerettet. Seit Jahresbeginn wurden im Mittelmeer 1762 Bootsflüchtlinge als vermisst gemeldet.

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