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#Jogi Löw bei seinem letzten Turnier, die EURO 2020

Jogi Löw bei seinem letzten Turnier, die EURO 2020

Mats Hummels und Kai Havertz haben gerade erst verstanden, wohin sie laufen sollen. Vertikales Kombinationsspiel, den Ball prallen lassen, ab in die Tiefe. Es ist die erste Übung beim Training der Nationalmannschaft am vergangenen Donnerstag, Aufwärmprogramm. Aus dem Mittelkreis nähert sich schon der Bundestrainer. „Saubere Pässe, ja!“, ruft Joachim Löw, „Schärfe!“ An Kleinigkeiten soll es diesmal nicht scheitern. Und schon gar nicht an Nachlässigkeiten. Wenn man in diesen Tagen die Berichte über Löw liest, wenn man andere über ihn reden hört, ist das Bild immer dasselbe: Derart fokussiert und zugleich frei, so heißt es, hat man den Bundestrainer lange nicht erlebt.

Schon von den Trainingseinheiten in Seefeld wurde berichtet, wie präsent Löw auf dem Platz war, dass er deutlich stärker selbst eingriff als in vergangenen Jahren. In der Freizeit konnte man ihm in den Bergen auf dem Mountainbike beim Entspannen begegnen. Und wenn er für die Öffentlichkeit sprach, in den Pressekonferenzen, zeigte Löw sich von einer strafferen Seite, auskunftsfreudig, aber nicht abschweifend oder verspielt. Der Form-follows-function-Löw, der sportlich noch einmal ein großes Ziel vor Augen hat und in jedem dritten Satz die Sinne schärft. Wo ist eigentlich der Espresso geblieben?

Fast 15 Jahre ist Löw nun im Amt, und 15 Jahre lang hat es dazugehört, im Auftreten des Bundestrainers, in Gestik, Mimik und Tonfall, in der Farbe seiner Pullover oder in der Art, wie er seinen Espresso trinkt, nach Spuren zu suchen. Von seiner Gemütsverfassung vor einem Turnier zu schließen auf die zu erwartende Verfassung der Mannschaft auf dem Platz. Die Fortsetzung der Kremlologie auf einem anderen Spielfeld. Besonders weit geführt hat diese Exegese nicht. Weil der Kosmos einer Fußballmannschaft komplexer ist, als dass man ihn auf die Frage reduzieren könnte, wie der Trainer in diesem Jahr so drauf ist. Und weil Löw schon immer auch verstanden hat, eine Rolle zu spielen, vor allem in seinen späteren Jahren.

Gleich die größte Herausforderung

Seit ein paar Tagen ist die Nationalmannschaft in ihrem EM-Quartier in Herzogenaurach, eine moderne Blockhaus-Siedlung für die kreative Elite auf dem Firmengelände des Ausrüsters Adidas, drei oder vier Spieler teilen sich einen der Holzbungalows, ein Hauch von Campo Bahia im Fränkischen, nur ohne Meer.

Am Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-EM, im ZDF und bei MagentaTV) beginnt das Turnier für Löw und sein Team gleich mit einer Herausforderung, wie sie größer nicht sein könnte: das Duell mit Weltmeister Frankreich in München. Nach den bisherigen Eindrücken braucht es noch einige Phantasie, um sich vorzustellen, wie das in den letzten Wochen in ziemlicher Eile umgebaute Team auf Anhieb die nötige Struktur und Wettkampfform aufbringen soll. Mbappé und Kollegen, so ist aus deutscher Sicht zu befürchten, interessiert die Straffung des Monsieur Löw erst einmal nur am Rande.

Ein Teil der Hoffnung im Fußball-Land aber ruht genau darauf: dass Löw, der Turniertrainer, es schon richten wird. Davon ist in diesen Tagen immer wieder die Rede. Es ist Löws Lieblingsrolle. Turniere, sagt der Bundestrainer, seien für ihn „das Salz in der Suppe“. Es gebe nichts Schöneres, als sechs Wochen lang nur im Hier und Jetzt zu sein, mit der Mannschaft zu arbeiten, die Welt um sich herum zu vergessen – und Spiele auf des Messers Schneide zu spielen. Löws Metapher dafür ist der „Tunnel“. Allerdings hat er zuletzt in einem Interview offenbart, dass an dessen Ende für ihn nicht unbedingt Licht zu finden ist.

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