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Sollte es in diesem Land je einen Gesundheitsminister gegeben haben, der auf dem Gebiet der evidenzbasierten Medizin oder auch auf dem Feld der Förderung der Gesundheit und der Vorbeugung von Krankheiten über bessere Qualifikationen verfügt als Karl Lauterbach?
Tatsächlich war der SPD-Politiker am Mittwoch ganz in seinem Element, als er zum wiederholten Mal vor den gesundheitlichen Risiken des Gebrauchs von Cannabis warnte. Und dies durchaus differenziert: In der Tat gehen Erwachsene ungleich niedrigere Risiken für ihre psychische und physische Gesundheit ein als Jugendliche und junge Erwachsene.
Ungute Allianz
Freilich dienten Lauterbachs Einlassungen abermals nicht dazu, den gesundheitspolitischen Aberwitz einer flächendeckenden Legalisierung von Cannabis anzuprangern.
Vielmehr machte sich der Gesundheitsminister abermals zum Handlanger einer bizarren Allianz einer auf Milliardenumsätze spekulierenden, mit den Jugendverbänden von Grünen und FDP verbandelten Start-up-Szene und den Verfechtern einer Freiheitsmoral, die sich an dem Supergrundrecht „autonome Selbstbestimmung“ nicht genug berauschen können – jedenfalls solange sie den Nutzen privatisieren und die Kosten sozialisieren können.
Absolute Realitätsverweigerung der Politik
Lauterbach kündigte nicht etwa an, dass er als Sozialdemokrat und Arzt die von den Koalitionspartnern FDP und Grüne forcierten Pläne für die Legalisierung von Cannabis ablehnen müsse. Stattdessen darf die Öffentlichkeit auf eine Kampagne des Gesundheitsministers gespannt sein, die die Legalisierung mit Warnungen vor cannabisbezogenen Störungen flankieren soll.
Woher Lauterbach nach urkomischen Kampagnen wie „Keine Macht den Drogen“ (gerne „Drögen“ geschrieben) die Hoffnung nimmt, dass sich irgendjemand von Warnungen vonseiten des Staats beeindrucken lässt, mag sein Geheimnis bleiben.
Offenkundig ist dagegen, dass er die Hand zu einer Politik reicht, die mit ihrer Realitätsverweigerung mittlerweile pathologische Züge annimmt.
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