#Maaßen kämpft gegen Frank Ullrich um Direktmandat

Maaßen kämpft gegen Frank Ullrich um Direktmandat

Es ist an einem frühen Nachmittag Anfang September im Zentrum von Suhl, als sich beide Kandidaten beinahe begegnen. Hans-Georg Maaßen kommt zügigen Schrittes die Haupteinkaufsstraße entlang, schielt kurz hinüber zum Wahlkampfstand der SPD, geht aber mit unverminderter Geschwindigkeit weiter. Frank Ullrich, der etwas abseits mit Bürgern spricht, hat seinen ärgsten Konkurrenten allenfalls aus dem Augenwinkel wahrgenommen. Es ist eine Szene, die sich so oder umgekehrt in diesen Tagen immer wieder in Südthüringen abspielt, wo sich der Kampf um den Wahlkreis 196 auf den Marktplätzen von Städten wie Hildburghausen, Meiningen und Schmalkalden zu einem der aufregendsten der Republik entwickelt. Die beiden Kontrahenten, CDU-Kandidat Maaßen und SPD-Bewerber Ullrich, liefern sich dort ein Kopf-an-Kopf-Rennen, vermeiden jedoch tunlichst direkten Kontakt.

Stefan Locke

Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

Beide könnten ja auch kaum unterschiedlicher sein. Maaßen, der frühere Spitzenbeamte und Chef des Bundesverfassungsschutzes, gegen Ullrich, den einstigen DDR-Olympiasieger, Weltmeister und früheren Bundestrainer im Biathlon. Ihr Kampf dreht sich hier im Kleinen um viele der großen Themen, die es derzeit in Deutschland gibt: Der Großstädter Maaßen gegen das Landei Ullrich, der eingeflogene Westdeutsche gegen den einheimischen Ostdeutschen, der Konservative gegen den Linksliberalen. Beide sind, obwohl bereits 58 (Maaßen) und 63 Jahre alt (Ullrich), Neulinge in der Bundespolitik; sie bewerben sich erstmals um ein Mandat für den Bundestag. Beide waren schon im Ruhestand und wurden von Parteifreunden gedrängt, in der Gegend südlich des Thüringer Waldes anzutreten.

Maaßen will die Schmach seiner Entmachtung tilgen

Ihre Motive sind freilich grundverschieden. Während sich Ullrich zu jung für die Rente fühlt und für seine Heimat „jetzt noch mal angreifen“ will, auch weil er es nicht leiden könne, wenn über Politik viel geredet und geschimpft, aber nichts getan werde, geht es Maaßen um nichts weniger als darum, Deutschland zu retten und so gleichsam auch die Schmach seiner Entmachtung zu tilgen. „Ich wäre nicht hier, wenn es 2018 nicht gegeben hätte“, bekundet er ganz offen vor Publikum. „Dann wäre ich heute immer noch Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz.“ Den Posten hatte er 2018 nach seinem Umgang mit rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz, wo ein syrischer Asylbewerber einen Einwohner getötet hatte, vor allem auf Druck der SPD räumen müssen. „Ich mache mir Sorgen um dieses Land, und ich habe Angst um die Zukunft“, lautet einer seiner Standardsätze im Wahlkampf.

Knapp 300.000 Menschen leben in den gut 110 Städten und Gemeinden des Wahlkreises 196. Es ist eine typisch ländliche Region fernab von Großstädten und Ballungsräumen mit Bergen, Wald und sehr viel Grün. Die Leute hier sprechen meist eine fränkische Mundart und fühlen sich von der Politik oft übersehen. Die Landesregierung in Erfurt ist für sie fast genauso weit weg wie die Bundesregierung in Berlin – eben jenseits des Thüringer Waldes. Auch Frank Ullrich nimmt eine starke Politikverdrossenheit wahr, stimmt in dieses Lamento aber nicht ein. „Wir leben im Heute, nicht im Gestern“, sagt er. „Ich habe den Anspruch, es besser zu machen.“ Und so steht er jetzt auf den Marktplätzen seiner Heimat und versichert: „Ich freue mich auf die Zeit bis zum 26. September. Ich spüre richtig, wie’s knistert.“

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