„Massive Kritik an „Bild“-Aufmacher zu Corona“

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen, der Zusammenschluss der bedeutendsten Wissenschaftsorganisationen in Deutschland, hat die Berichterstattung der „Bild“-Zeitung zur Corona-Pandemie scharf kritisiert. Die Kritik gilt insbesondere dem Beitrag „Die Lockdown-Macher“ vom 4. Dezember, in dem den Wissenschaftlern Dirk Brockmann, Viola Priesemann und Michael Meyer-Herrmann die Verantwortung für politische Entscheidungen zugeschrieben werde.
Die Wissenschaftler würden öffentlich diffamiert und persönlich für unpopuläre, aber dringend notwendige Maßnahmen verantwortlich gemacht. Gerade in einer Pandemie seien Politik und Gesellschaft auf die Wissenschaft angewiesen. Diese müsse ihre Expertise ohne Furcht vor Schikanen einbringen können.
Der niedersächsische Wissenschaftsminister Björn Thümler, die Technische Universität Braunschweig und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung haben sich dem Protest angeschlossen. Die Humboldt-Universität Berlin (HU) kritisiert den Bild-Bericht als „gefährlich“ und „verantwortungslos“ und spricht dem HU-Professor Dirk Brockmann ihre Solidarität aus. Die Universität hat eine Beschwerde beim Deutschen Presserat eingereicht.
Diese Art der journalistischen Darstellung sei in den Debatten um den Zusammenhalt der Gesellschaft in Pandemie-Zeiten gefährlich und verantwortungslos, hieß es. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler würden auf diese Weise „markiert“. Anhänger von Verschwörungstheorien erhielten dadurch mediale Unterstützung für ihre Ansicht, die Wissenschaft sei ein Treiber politischer Entscheidungen. Dies sei aber nicht der Fall. Das Präsidium der Humboldt-Universität verwahre sich vor solchen Falsch-Behauptungen und stelle sich schützend vor jedes seiner Mitglieder, das auf diese Weise verleumdet werde.
Der Sprecher der „Bild“-Gruppe, Christian Senft, sagte auf Anfrage: „Wir können die Kritik verstehen und nehmen sie ernst. Wissenschaftler verdienen unseren Respekt.“ Kritik an Wissenschaftlern und ihren Vorschlägen müsse möglich sein, aber immer angemessen geübt werden. Chefredakteur Johannes Boie habe bereits am Sonntag online und in der Zeitung am Montag öffentlich klargestellt, dass dies ausdrücklich auch für „Bild“ gelten müsse.
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