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Seit vielen Jahrzehnten ist Paracetamol das Mittel der Wahl gegen Fieber und Schmerzen in der Schwangerschaft. Dennoch hatte US-Präsident Donald Trump im September 2025 die Vermutung geäußert, die Einnahme von Paracetamol könne das Risiko für Autismus, ADHS oder geistige Behinderungen beim Nachwuchs erhöhen. Die Studie, auf die er seine Aussage stützte, krankte allerdings an methodischen Schwächen. Nun haben Forschende die bisher strikteste Meta-Analyse der verfügbaren Evidenz zu Paracetamol in der Schwangerschaft durchgeführt und bestätigen: Das Mittel ist sicher für Mutter und Kind. Falsche Warnungen können sogar gefährlich sein, denn unbehandeltes Fieber in der Schwangerschaft erhöht nachweislich das Risiko für Frühgeburten und Fehlbildungen.
Im September 2025 äußerte US-Präsident Donald Trump die Vermutung, der Anstieg von Autismusfällen hinge damit zusammen, dass Mütter während der Schwangerschaft Paracetamol einnehmen. Auch die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und geistige Behinderungen seien womöglich damit assoziiert. Seine Regierung beauftragte daraufhin die Zulassungsbehörde FDA, die Sicherheitskennzeichnung von Paracetamol zu ändern. Als Grundlage seiner Aussagen nannte Trump eine Meta-Studie, die tatsächlich einige Untersuchungen gefunden hatte, denen zufolge Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten, etwas häufiger Störungen in der neurologischen Entwicklung aufwiesen.
Meta-Analyse zuverlässiger Studien
„Die Aussagekraft dieser Review-Studie war jedoch dadurch eingeschränkt, dass sie Studien sehr unterschiedlicher Qualität einbezog, die die Exposition gegenüber Paracetamol zudem ganz unterschiedlich erfassten und definierten“, erklärt ein Team um Francesco D’Antonio von der Universität Chieti in Italien. Ein typisches Problem bei vielen Studien besteht darin, dass sie erst im Nachhinein erfragen, ob eine Frau während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hat. Hier besteht das Risiko, dass sich Frauen, deren Kind neurologische Auffälligkeiten aufweist, besser an ihre Medikamenteneinnahme erinnern. Ein weiterer verzerrender Einflussfaktor besteht darin, dass die Krankheit, die zur Einnahme von Paracetamol geführt hat, selbst schädliche Auswirkungen auf das Ungeborene gehabt haben könnte.
Um die Sicherheit des freiverkäuflichen Arzneimittels für Schwangere so zuverlässig wie möglich zu bewerten, haben D’Antonio und seine Kollegen nun 43 qualitativ hochwertige Studien mit Millionen von Schwangeren und Kindern ausgewertet. Dabei legte das Team einen besonderen Fokus auf Geschwisterstudien, in denen Kinder derselben Mutter verglichen wurden, wobei diese während der einen Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatte, bei der anderen nicht. Diese Studien gelten als besonders zuverlässig, da sie gemeinsame genetische Faktoren, das familiäre Umfeld und langfristige elterliche Merkmale berücksichtigen, die in traditionellen Studien nicht vollständig ausgeklammert werden können.
Kein Zusammenhang mit Autismus, ADHS und Co.
Die Ergebnisse bestätigen, dass qualitativ hochwertige Studien weder für Autismus, noch für ADHS oder sonstige geistige Entwicklungsstörungen einen Zusammenhang zur mütterlichen Einnahme von Paracetamol nachweisen können. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass zuvor berichtete Zusammenhänge eher durch genetische Veranlagung oder andere mütterliche Faktoren wie Fieber oder zugrunde liegende Schmerzen erklärt werden können als durch eine direkte Wirkung des Paracetamols selbst“, sagt Co-Autorin Asma Khalil vom St George’s Hospital in London.
Die Botschaft ist aus ihrer Sicht klar: „Paracetamol ist und bleibt eine sichere Option während der Schwangerschaft, wenn es gemäß den Anweisungen eingenommen wird.“ Damit bekräftigt die Analyse die Leitlinien wichtiger Fach- und Aufsichtsbehörden, darunter auch der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA).
Gefahren falscher Befürchtungen
Wolfgang Paulus, Leiter der Beratungsstelle für Reproduktionstoxikologie an der Universitätsfrauenklinik Ulm, berichtet, dass die Aussagen der Trump-Administration viele Patientinnen verunsichert haben und zu verstärkten Nachfragen nach „harmloseren“ Alternativen geführt haben. „Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac sowie Opioide sind jedoch in der Schwangerschaft nur mit erheblichen Einschränkungen verwendbar, also keinesfalls eine bessere Alternative“, erklärt er. „Auch der Verzicht auf eine adäquate Medikation kann zu Komplikationen führen, die mit unbehandelten Schmerzen und Fieber verbunden sind, wie beispielsweise Fehlgeburten, Frühgeburten oder angeborene Fehlbildungen.“
Allein die Tatsache, dass das Gerücht um mögliche schädliche Auswirkungen von Paracetamol in die Welt gesetzt wurde, könnte daher die Gesundheit von Müttern und Kindern gefährden. „Selbst nach einer Korrektur kann eine Falschbehauptung im Hinterkopf nachwirken und Verhalten beeinflussen“, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Anne Reinhardt von der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Im konkreten Beispiel heißt das: Auch wenn Schwangere wissen, dass es keinen nachgewiesenen kausalen Zusammenhang zwischen gelegentlicher Paracetamol-Nutzung und Autismus gibt, kann allein der in die Welt gesetzte Mythos dafür sorgen, dass sie lieber auf Paracetamol verzichten – entgegen dem ärztlichen Rat.“ Dennoch kann die aktuelle Meta-Studie aus ihrer Sicht hilfreich sein: „Solche Evidenz kann ein zentrales Werkzeug sein, um falsche Narrative zu korrigieren und Menschen bei informierten Gesundheitsentscheidungen zu unterstützen.“
Quelle: Francesco D’Antonio (Universität Chieti, Italien) et al., The Lancet Obstetrics, Gynecology, & Women’s Health, doi:10.1016/S3050-5038(25)00211-0
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