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„Modellversuch mit Luftreinigern ermutigend“
Manchmal liegen die Lebenswelt der Bürger und die politische Willensbildung nah beieinander. Beim Nachdruck, mit dem die Kreistagsfraktionen im Hochtaunus Unterricht in den Schulen und nicht zu Hause gefordert haben, dürften persönliche Erfahrungen eine Rolle gespielt haben. „Es muss Präsenzunterricht geben, soweit es möglich ist“, forderte Patricia Peveling (Die Grünen) für das nächste Schuljahr. Katja Adler (FDP) erinnerte an Untersuchungsergebnisse, wonach Distanzunterricht per Computer am heimischen Schreibtisch so effektiv sei wie Ferien. „Deshalb müssen wir die Kinder im Regelunterricht schützen.“
Der Hochtaunuskreis solle sicherstellen, dass auch bei einem Anstieg der Inzidenzzahlen möglichst lange Präsenzunterricht mit geringem Ansteckungsrisiko möglich sei, formulierten die Grünen in einem Antrag. „Bald sind endlich Ferien nach einem Schuljahr mit besonderen Belastungen“, sagte Peveling. „Jetzt muss der Kreis seine Hausaufgaben machen.“ Hoffnung setzen die Grünen neben anderen Vorkehrungen auch auf Luftreinigungsgeräte. Die FDP ging in einem Änderungsantrag noch einen Schritt weiter und wollte den Kreisausschuss beauftragen, kurzfristig möglichst alle Klassenräume mit mobilen Luftreinigern nachzurüsten und dafür Fördermittel zu beantragen. Es könne nicht sein, die Kinder im Winter wieder mit dicken Pullovern und Decken zur Schule zu schicken, sagte Adler.
Atmosphärenforscher prüfen
Nicht nur die Grünen erhoffen sich Aufschluss vom Ergebnis des Modellversuchs an drei Schulen in Bad Homburg und Königstein, die im Dezember mit Luftreinigern ausgestattet worden waren. Atmosphärenforscher der Frankfurter Goethe-Universität überprüfen seither mit wöchentlichen Messungen, ob sich die Reinigungsleistung verändert. Sie hatten voriges Jahr mit einer Studie für Aufsehen gesorgt, wonach sich das Risiko einer Aerosol-Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus nach einer halben Stunde um 90 Prozent senken lässt, wenn solche Geräte in einem Klassenzimmer betrieben werden.
Der Modellversuch laufe noch bis zum Ende des Schuljahrs, dann werde zwei bis drei Wochen später der Bericht vorliegen, sagte auf Anfrage Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt. Aber die Zwischenergebnisse bestätigten die Vermutung der Forscher: „Die Reinigungsleistung wird beibehalten und verschlechtert sich nicht.“ Dabei seien einige Luftreiniger auf 1400 Betriebsstunden gekommen. „Sie funktionieren gut“, fasste Curtius die vorläufige Einschätzung zusammen, die er jüngst bei einem Experten-Workshop vorgestellt habe.
Den Abgeordneten lag diese Bewertung in der Kreistagssitzung noch nicht vor. „Auch wir wollen Präsenzunterricht sicherstellen“, sagte Yannick Dreyer (CDU). Über die Anträge solle im Fachausschuss gesprochen werden. Weil es dringlich sei, wolle die Koalition nicht bis zur nächsten regulären Sitzungsrunde warten, sondern in den Sommerferien eine Sondersitzung des Haupt- Finanz- und Digitalisierungsausschusses einberufen. Ileana Vogel (AfD) wollte noch geprüft wissen, ob die vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz relativ einfach konstruierte Lüftungsanlage für den Einsatz infrage komme.
Im Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Freizeit wollen sich die Abgeordneten nach der Sommerpause mit weiteren Corona-Folgen für Jugendliche und ihre Familien befassen. „Sie sind die Leidtragenden der Pandemie“, sagte Laura Burkart-Gorißen zur Begründung des entsprechenden Grünen-Antrags. „Sie konnten nicht in Zoo oder Kino gehen, sahen ihre Freunde weniger und Feiern für Schlüsselmomente wie die Einschulung, der Schulabschluss oder der 18. Geburtstag sind ausgefallen.“ Dabei gehe es auch um die Frage, was sich hinter den verschlossenen Türen in den Familien abgespielt habe.
Frühe Dienste für junge Familien
Die Grünen übernahmen den Antrag der Koalition von CDU, SPD und Freien Wählern, die ihre Fragen näher aufgeschlüsselt hat. Der Kreis solle zusammen mit dem Staatlichen Schulamt über die Erfahrungen mit dem vom Land geförderten Lerncamps berichten, sagte Annette Hogh (CDU). Aber auch jenseits der Schule wolle man wissen, ob psychische Probleme zugenommen hätten und die Sozialen Dienste Kenntnisse über steigende Fallzahlen von sexueller und häuslicher Gewalt hätten. Dabei dürfe man die Frühen Dienste für junge Familien nicht vergessen.
Auch die Situation in den Frauenhäusern solle der Bericht enthalten. „Dafür werden wir mehrere Ausschusssitzungen brauchen“, sagte Hogh.
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