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#Nur Realität, keine Wahrheiten, bitte!

Nur Realität, keine Wahrheiten, bitte!

„Ich transkribiere nicht, ich konstruiere!“, hielt der französische Romancier Alain Robbe-Grillet den Kritikern des Nouveau Roman einst entgegen. Nicht Realismus oder gar Verismus, sondern allein die Realität müsse Gegenstand der Literatur sein, heißt es in seinem 1955 erschienenen Aufsatz „Du réalisme à la réalité“. Eindeutig gezeichnete Figuren, eine kohärente Handlung und eine konsistente Erzählinstanz erklärten Robbe-Grillet und seine Mitstreiter im prestigeträchtigen Verlagshaus Les Éditions de Minuit, Nathalie Sarraute, Claude Simon oder Michel Butor, damals zu „überkommenen Begriffen“. Die Literatur übertrage nicht Phänomene der Realität in Sprache, sondern ordne vielmehr das Chaos der Welt und die multiplen Perspektiven auf sie in einen Kontext ein, der die Bezeichnung „Realität“ überhaupt erst verdiene.

  #Wir schaffen das nicht

In Zeiten, in denen Wahrheit und Realität vielerorts synonym verwendet werden, ist dieser literarische Ansatz, der die Widersprüchlichkeit und Vorläufigkeit aller Weltbetrachtung immer mitdenkt, hochaktuell. „Ich rationalisiere keine Gedankenflüsse, die nicht rationalisierbar sind“, gab unlängst die französische Autorin Julia Deck zu Protokoll. Deck gilt als virtuoseste zeitgenössische Vertreterin der „École de Minuit“.

Anders als ihre Vorgänger verankert die 1974 in Paris geborene Autorin ihre Romane allerdings in einem greifbaren Hier und Jetzt. Ihr 2013 auf Deutsch erschienener Erstling „Vivianne Elisabeth Fauville“ etwa erzählt von einer alleinerziehenden Mutter, die im Wutrausch ihren Psychiater ersticht, wobei die Schilderung aus fünf verschiedenen Perspektiven erhebliche Zweifel am „realen“ Ablauf des Geschehens hinterlässt. Julia Deck erzählt von Frauen, die aus Erwartungen, Rollenbildern und Fremdbestimmung ausbrechen, um sich alternative Identitäten und Realitäten zu erschaffen.

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„Unser Aufstieg zum Privateigentum“

Auch in „Privateigentum“, Decks drittem ins Deutsche übersetzten Roman, geht es um ein Verbrechen und um eine Frau, die mit aller Gewalt versucht, die Wirklichkeit nach ihrer Vorstellung zu interpretieren. Eva Caradec, eine erfolgreiche Urbanistin Anfang fünfzig, hat genug vom Leben in der Pariser Innenstadt und erfüllt sich mit ihrem Mann Charles endlich den Traum vom Eigenheim jenseits der Stadtgrenze. Ihre hochpreisige Ökowohneinheit in einer aufwendig sanierten Speicherstadt mit Solarstrom, Kompostbecken, Biogasheizung und Gemüsegarten untermauert Evas und Charles’ „Triumph, unseren Aufstieg zum Privateigentum“.

Spätestens als die anderen Eigentümer einziehen und Eva im Vorort-Supermarkt keinen Schafsmilchjoghurt für ihren maladen Ehemann findet, kippt das neubürgerliche Glücksszenario allerdings in einen Albtraum: Die Hölle, das sind die Nachbarn, und im Vorort gibt es zwar jede Menge Grün, aber „nicht genug Platz, damit jeder so leben konnte, wie er wollte“. Eine massakrierte Katze, eine vermisste, vermutlich ermordete Nachbarin sowie ein ausgebranntes Doppelhaus stehen am Ende dieser bitteren Erkenntnis.

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