„Roland Koch: „Keine AfD-Mitglieder zulassen““
Herr Koch, seit Ende November sind Sie Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung. In welchem Zustand ist die Stiftung nach den Turbulenzen der Vergangenheit?

Johannes Pennekamp
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
Die Stiftung hat enormes Potential. Die Mitglieder – Wissenschaftler, Politiker und Journalisten – decken eine große Bandbreite ab und stehen für das freiheitliche Denken. Angesichts eines immer paternalistischer werdenden Mainstreams, der viele Debatten bestimmt, kann und soll die Stiftung eine wichtige Rolle einnehmen …
… die sie in den vergangenen Jahren aber nicht eingenommen hat.
Als meinungsbildender Faktor in der Gesellschaft ist die Stiftung tatsächlich zuletzt nicht mehr sehr relevant gewesen. Wir müssen jetzt sichtbarer werden, auch bei Zukunftsthemen wie der Plattformökonomie und der Frage, wie eine soziale Marktwirtschaft und ein freiheitliches Land mit gelenkten Märkten wie China konkurrieren kann. Der Blick darf nicht in die Vergangenheit, sondern soll nach vorne gehen.
Was planen Sie konkret, um die Gedanken Ludwig Erhards im 21. Jahrhundert zur Geltung zu bringen?
Einige Dinge sind schon auf dem Weg, die die Stiftung wieder sichtbarer machen werden. Wir planen neue Gesprächsformate für Mitglieder, ein Blog-Portal, auf dem meine Stellvertreter und ich wöchentlich schreiben werden, und inhaltliche Papiere zu aktuellen politischen Themen, mit denen wir Entscheider erreichen wollen. Sobald es geht, werden wir auch wieder zu Veranstaltungen einladen und dabei zum Beispiel auch mit der Bundesbank und dem Stiftungsmitglied Jens Weidmann zusammenarbeiten. Ich selbst werde meine Bekanntheit natürlich auch für die Stiftung einsetzen – aber, ganz klar, nicht im Sinne einer Ego-Show.
Ihrem in die Kritik geratenen Vorgänger, dem Publizisten Roland Tichy, wurde von vielen Liberalen eine zu rechte politische Ausrichtung vorgeworfen. Auch die liberale Hayek-Gesellschaft streitet gerade über eine Abgrenzung zur AfD. Ist in der Erhard-Stiftung Platz für AfD-Mitglieder?
Es gibt dazu keinen Beschluss – aber mein Rat ist ganz klar, keine AfD-Mitglieder zuzulassen. Die Partei, die ja recht professoral gestartet ist, hat sich aus dem normalen politischen Spektrum längst verabschiedet. Es gibt keine zulässige Verbindung von marktwirtschaftlichem Denken und rechtsradikalem Denken. Die AfD hat mehrfach nachgewiesen, dass sie diese Trennlinie nicht kennt, unter anderem, indem sie Platz für völkisches Gedankengut geschaffen hat. Der Liberalismus im wirtschaftlichen Sinne ist ein Produkt der Mitte der Gesellschaft.
Sie selbst standen vor mehr als 20 Jahren in der Kritik, zu weit nach rechts gerückt zu sein, als sie im hessischen Landtagswahlkampf gegen die doppelte Staatsbürgerschaft Stimmung machten.
Es ging in diesem sehr erfolgreichen Wahlkampf darum, wie Integration gelingen kann. Bis heute gibt es gute Gründe dafür, dass eine regelhafte doppelte Staatsbürgerschaft der Integration im Wege stehen kann. Für die Anstrengungen zur besseren Integration ist die von mir geführte Regierung übrigens später ausgezeichnet worden.
Auch finanziell soll die Erhard-Stiftung nicht gut dastehen. Wie knapp ist das Geld?
Die Stiftung verfügt über Kapital – wie in jeder Stiftung sind die Erträge derzeit aber nicht besonders gut. Das heißt aber nicht, dass man sich Existenzsorgen machen müsste. Aber anstrengen müssen wir uns schon.
In Fürth, Ludwig Erhards Geburtsstadt, hat sich das Ludwig Erhard Zentrum etabliert. Der Erhard-Stiftung hat das nicht gefallen, sie hat sogar mit juristischen Mitteln versucht, Namensrechte zu verteidigen. Geht das so weiter?
Nein, da muss man mal einen Schlussstrich machen, und wir müssen gemeinsam an einem Strang ziehen. Es ist meine Absicht, auf das Ludwig Erhard Zentrum zuzugehen – dann können wir Erhards 125. Geburtstag im kommenden Jahr gemeinsam feiern.
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