Rolle der Politik: Das Spiel mit dem Sport

Rolle der Politik: Das Spiel mit dem Sport

Am Wochenende hat ein deutscher Teammanager bei den World Games in Chengdu einen frommen Wunsch formuliert: „Der Sport sollte sich aus der Politik heraushalten.“ Weil es doch so friedlich war an den ersten Tagen der Spiele für nicht olympische Sportarten mit rund 4000 Athleten. Ordnung und Ruhe rühmen Sportler bei ihren Ausflügen nach China gerne.

Man könnte glauben, das wäre ein Grund, nicht weniger, sondern häufiger dort Medaillen zu verteilen, wo die Einschränkung allein der Meinungsfreiheit Wettkämpfer in Frieden lässt. Jedenfalls stehen auf dem Weg in die Arena keine Demonstranten im Weg.

Null Wirkung, sagte eine Studie

Immerhin erfahren wir in diesen Tagen, dass Journalisten auch mal Recht hatten, als sie über den Demokratisierungsklub namens Internationales Olympisches Komitee spotteten, weil die Herren der Ringe so taten, als seien ihre Olympischen Spiele ein trojanisches Pferd im besten Sinne.

Einmal hingeschoben und gezogen in die Festung zur Abwehr von Mitbestimmung und Menschenrechten, schon kommt’s über Nacht oder wenigstens in ein paar Jahren zur Entfaltung der Freiheit? Nein, nicht mal in Dekaden. Null Wirkung, heißt es in der ersten Studie von Wissenschaftlern zu diesem Trugschluss.

Sündhaft teure Nebeneffekte

Ob diese nun von Wissenschaftlern belegte Erkenntnis Potentaten beflügelt, ihre Waschmittelprojekte, sei es nun White- oder Greenwashing, auszudehnen? Wahrscheinlich wachsen die Investitionen in den Weltsport unabhängig von der Studie. Ein großer Treiber neben den politischen Interessen eines Landes wie Saudi-Arabien ist die Professionalisierung des Sports mit all ihren sündhaft teuren Nebeneffekten: Teils aufgeblasene Verbände mit einem großen Tross hauptamtlicher Angestellter brauchen stetig wachsende Geldquellen, um sich und ihren Sport finanzieren zu können.

Auch die Ansprüche der besten Athleten nicht mal besonders populärer Sportarten. Sie erwarten die besten Sportstätten, die beste Betreuung. Das bietet lässig, wer mehr oder weniger freihändig über seine Leute, sein Land und dessen Schätze verfügt.

Abwägung von Moral und Ertrag

Diese Deals sind schon lange Alltag. Die professionellen Sportarten und ihre Vereine können sich dem politischen Spiel nicht entziehen, manche wollen es gar nicht – nach Abwägung von Moral und Ertrag. Dank des öffentlichen Protestes lässt sich aber eine Entwicklung zu mehr Verantwortungsbewusstsein erkennen, wie etwa im Fall des FC Bayern, der seinen Vertrag mit Ruanda weitgehend veränderte.

Bei den World Games in Chengdu mag die Welt für einen Sportmoment wie eine heile erscheinen. Das liegt am oftmals beklagten Los etwa von Tauziehen, nicht massentauglich zu sein, nicht attraktiv genug für eine Instrumentalisierung. Man kann den Sportlern und Sportlerinnen, die teils eine Show auf höchstem Niveau bieten, nur raten, daran festzuhalten, Amateure zu bleiben.

Amateure sind, anders als es der Sprachgebrauch weismachen will, nicht per se Dilettanten, sondern lieben vor allem bedingungslos, was sie tun. Aber in der Umlaufbahn schweben sie auch nicht. Um die Wahl von Karlsruhe als Ausrichter der World Games 2029 gab es eine sportpolitische Schlammschlacht. Und zur Abschlussfeier in Chengdu hat sich ein Politiker mit Sinn für das Spiel mit dem Sport angekündigt: Chinas Staatschef Xi.

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