„Slowakei lässt deutsche Olympia-Träume platzen“
Der Traum von einer weiteren Olympia-Medaille für die Eishockey-Nationalmannschaft ist geplatzt. Für das Team ist unerwartet früh Schluss in Peking: Die Deutschen unterlagen der Slowakei 0:4 (0:1, 0:2, 0:1) und schieden in der Qualifikationsrunde fürs Viertelfinale sang- und klanglos aus.
Es war die dritte Niederlage im vierten Spiel des Wettbewerbs, der nun ohne sie in seine entscheidende Phase tritt. Die Slowaken treffen an diesem Mittwoch auf die Vereinigten Staaten, während die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) mit Bundestrainer Toni Söderholm an der Spitze im Olympischen Dorf seine Koffer für die Heimreise packen muss. Vor vier Jahren in Pyeongchang hatten die Deutschen noch Silber gewonnen. „Es ist momentan bitter und enttäuschend. Wir haben hart gearbeitet, um hierher zu kommen und jeder hat auch große Ansprüche gehabt. Das ist natürlich ein Tiefpunkt für uns jetzt“, sagte Stürmer Patrick Hager.
Im National Indoor Stadium erwischten sie am Dienstag nicht den Start, den sie sich vorgestellt hatten. Und es wurde nie wirklich besser. Nahezu pausenlos herrschte viel Verkehr vor dem zwischen die Pfosten zurückgekehrten Torhüter Mathias Niederberger. Offensiv kamen die Deutschen, die vergangene Woche nach der Ankunft in China ein Test-Match gegen die Slowaken noch 5:3 gewonnen hatten, so gut wie gar nicht zum Zug. Gegen Peter Zuzin klärte Niederberger noch reaktionsschnell (6. Minute). Keine Abwehrmöglichkeit besaß aber auch der Schlussmann, als Verteidiger Jonas Müller eine fulminante Hereingabe unhaltbar abfälschte (12.). Der Treffer zum 0:1 wurde Libor Hudacek gutgeschrieben, denn Eigentore kennt das Eishockey-Reglement nicht.
Bis zur Mitte des ersten Drittels gaben die gehemmt agierenden Deutschen nur einen nennenswerten Schuss auf das slowakische Tor ab, doch Nicolas Krämmer zielte drüber (10.); insgesamt standen für sie später überhaupt nur mickrige 21 Torschüsse zu Buche. Auch im vierten Match auf der ungewohnten kleinen Eisfläche wirkten ihre Laufwege nicht aufeinander abgestimmt, kam es immer wieder zu Icing-Aktionen, die ein Bully im eigenen Drittel zur Folge hatten – und neue Gefahr heraufbeschworen. Die Slowaken, die die beengten Verhältnisse, die sich an den Maßen der NHL orientieren, größtenteils auch nicht gewohnt sind, stellten sich wesentlich geschickter an.
Zur Mittagsstunde in Peking hinterließ einzig Niederberger auch im Mittelabschnitt – im Gegensatz zu vielen Mitspielern – einen hellwachen Eindruck. Bei mehreren Gelegenheiten, die sich als Folge der spielerischen Überlegenheit des Gegners nahezu zwangsläufig einstellten, griff der Keeper klärend ein. Den Vorteil der ersten Überzahlsituation machte Matthias Plachta nach nur 18 Sekunden zunichte; der Angreifer verlor im Vorwärtsgang die Scheibe und stellte einem heraneilenden Slowaken danach ein Bein. Sein Missgeschick zog eine Hinausstellung nach sich, die wiederum 18 Sekunden später bestraft wurde: Peter Cehlarik erzielte das 0:2 (28.). Und es kam sogleich noch schlechter für Söderholms Team: Michael Kristof legte zum 0:3 nach (29.), auch da gab es für Niederberger nichts zu halten. „Ich glaube, wir haben im Großen und Ganzen heute keinen Zugriff auf’s Spiel bekommen – weder offensiv noch defensiv“, bekannte der Münchner Hager.
Damit war das Duell, das laut des Bundestrainers eines auf Augenhöhe hatte werden sollen, in dem die Deutschen aber früh in allen Belangen klein beigeben mussten, gelaufen– obwohl nicht einmal die Hälfte der Spielzeit vorbei war. Auf der Bank der Männer in Schwarz-Rot-Gold spiegelten die Mienen blankes Entsetzen. So hatten sie, die offen darüber sprachen, bei diesem Turnier die Konkurrenz komplett hinter sich lassen zu wollen, den Aufenthalt in Asien nun wahrlich nicht vorgestellt.
Doch auch wenn sie sich danach mühten, die Niederlage mit erkennbarem Eifer noch abzuwenden, mussten sie die bitte Wahrheit akzeptieren. Zu oft wollten sie mit dem Kopf durch die Wand, was den aufmerksam verteidigenden Slowaken wenig Mühe bereitete, den Vorsprung zu halten. Stattdessen legte Marek Hrivik mit einem Emty-Net-Goal zum deutlichen Endstand nach (58.).
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