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#Traditionalist und Neuschöpfer zugleich

Traditionalist und Neuschöpfer zugleich

Einen kurzen Kuss drückt Nigel Dixon seinem Teddybären noch zwischen die zwei Knopfaugen, bevor er ihn auf seinem Oberschenkel ablegt und zu musizieren beginnt: Aus Putzeimer, Wischmob und Kleiderbügel hat er ein Konstrukt gebaut, das dem chinesischen Instrument Erhu nachempfunden ist, und wiegt seinen Oberkörper im Takt der Musik. Eigentlich war der Brite Anfang 2020 nach Wuhan gekommen, um mit Freunden das chinesische Neujahr zu feiern und nicht, um Videos für die Plattform Douyin zu drehen. Dann aber wurde er mit seinen Filmen im ersten Lockdown berühmt. Allein auf der chinesischen Version von Twitter verfolgen mehr als 460 Millionen Menschen, wie Nigel Dixon die Pfoten seines Teddys unter dem Wasserhahn wäscht, wie er sich in chinesische Trachten wirft oder die „mutige“ Regierung Chinas für ihre Corona-Maßnahmen lobt. Denn kritische Worte hört man bei Dixon nicht. Er und sein Teddybär sind daher ungefährlicher für den chinesischen Staat als Disneys Bär Winnie the Pooh, der wiederholt der Zensur zum Opfer fiel, nachdem Staatspräsident Xi Jinping im Internet mit dem dickbauchigen Honigliebhaber verglichen wurde.

Dixon schmückt sich – im grauen Tweed-Jackett, mit dunkler Anzughose und weinroter Krawatte – auch mit fremden Federn: Seit mehr als 20 Jahren tritt er als Doppelgänger von „Mr. Bean“ auf, als „Wanna-Bean“. Sogar als Kopie feiert die Kultfigur noch Erfolge. Das Original begeht in diesem Jahr sein dreißigstes Jubiläum in Deutschland. Am 1. Januar 1990 erschien die erste Folge der Comedyserie im britischen Fernsehen. In Deutschland strahlte der SWR die Episode mit drei Sketchen ein Jahr später aus. Die früher dunklen Haare des Original-Darstellers Rowan Atkinson schimmern inzwischen silbergrau, doch auf Facebook folgen seiner Filmfigur 129, auf Youtube 29 und auf Instagram immerhin 8,6 Millionen Menschen – eine größere Fangemeinde als sie manch ein Popstar vorweisen kann.

Vor Prinzessin Diana, Paul McCartney und Charlie Chaplin

Wie konnte Mr. Bean, dieses erwachsene Kind in Schlips und Anzug, zu einem so lange anhaltenden Erfolg werden? Der erste Sketch namens „Church“ zeigt Mr. Bean, wie er versucht, sich während eines Gottesdiensts wachzuhalten – und wie er kläglich daran scheitert. 15 Folgen lang setzt sich dieses Scheitern fort. In je 25 Minuten tritt Bean in ein Fettnäpfchen nach dem anderen. Auf die Serie, deren letzte Folge am 15. Dezember 1995 erschien, folgten Filme, eine von Atkinson synchronisierte Zeichentrickserie und Videospiele. In den späten neunziger Jahren galt er als eines der bekanntesten Gesichter auf diesem Planeten. Als „Kind im Körper eines Manns“ bezeichnet Schauspieler Rowan Atkinson seine Figur, die in aller Welt zum Erfolg wurde.

Rowan Atkinson in Berlin 2007: In „Mr.Bean macht Ferien“ warten so einige Fettnäpfchen auf den Schauspieler.


Rowan Atkinson in Berlin 2007: In „Mr.Bean macht Ferien“ warten so einige Fettnäpfchen auf den Schauspieler.
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Bild: Matthias Lüdecke

Dabei weist so vieles auf den Drehort Großbritannien hin: Durch die Straßen Londons fährt Bean in einem Mini Cooper, bei einem großen Fauxpas erteilt er der Königin eine Kopfnuss, und als er einen Friseur besucht, hängt ein Porträt von Prinz Charles an der Wand. Bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2012 saß er an einem Keyboard und begleitete das London Philharmonic Orchestra. Und in einer vom British Council durchgeführten Studie wählten die Befragten „Mr. Bean“ 2014 zu den „Greatest Brits“ – noch vor Berühmtheiten wie Prinzessin Diana, Paul McCartney und Charlie Chaplin.

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