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#Was verrät uns der Fall Stella Bossi?

Seit sie eines Nachts nach einer Berliner Party auf der Straße getanzt hat, ist Stella Bossi berühmt. Das Video war nichts Besonderes, junge Frau mit Sonnenbrille, die im Body verstrahlte Bewegungen macht, wie ein sympathisches Wesen von einem anderen Stern. Vor allem sah es „real“ aus, eben so, wie man drauf ist, wenn man morgens aus dem Club fällt, das gefiel den Leuten. „Das Leben ist zu kurz für bad vibes“, sagte Stella Bossi und machte weiter: tanzte nachts im Bahnhof, im Supermarkt, an Tankstellen, filmte sich. Manchmal warf sie jemand raus, manchmal kam die Polizei. Für ihre Follower blieb ihr Gesicht mit der Verheißung verknüpft, nach einem verrückten Video so berühmt zu werden wie sie.

Irgendwann war das Tanzen in der Öffentlichkeit nicht mehr so interessant. Bossi gründete ihr eigenes Label „The Beat Must Fuck“. Und fing an, selbst Musik zu veröffentlichen. Kürzlich trat sie bei einem Festival in Würzburg auf. DJ Pappenheimer legte vor ihr auf. Den kennen in der Region alle. Bossi kam zu spät, also überbrückte er die Zeit. Als sie dann kam, gab es ein kleines Gerangel, es sah aus, als würde Pappenheimer von der Bühne geschoben und empöre sich darüber, dann machte Bossi eine Bewegung mit ihrer Hand, als verscheuche sie eine lästige Fliege. Pappenheimer sprach danach von Respektlosigkeit. Und ein Strom von Hass ging auf Bossi herab.

Es gibt ein paar Regeln auf den Bühnen elektronischer Musik. Ein laufendes Set unterbricht man nicht. So ein DJ ist ja kein Alleinunterhalter. Was die Leute aber besonders ärgerte, war, dass da ein Social-Media-Gewächs einen alten Hasen in der Szene herablassend behandelte. Respekt heißt hier also auch: Respekt vor den alten Regeln der Tanzmusik. Bossi entschuldigte sich. Sie habe sich über ihre Verspätung geärgert, ihren Fans einen „perfekten Abend“ bereiten wollen. Das sei danebengegangen. Könnte das Schlusswort eines kleinen Eklats sein. Stattdessen fordern viele in der sonst so gelassenen Technoszene, Stella Bossi zu canceln, und nennen sie eine schamlose Göre.

Stellen wir uns David Guetta oder Fatboy Slim in so einer Situation vor. Welche Worte fänden wir für sie? Arroganz, gerade bei denen, die dem Zufall ihren Erfolg zu verdanken haben, ist ein schlechter Berater. Trotzdem. Am Ende verrät der Fall Bossi mehr über einen Typus technohörender Lynchjustiz als über Stella Bossi.

Elena Witzeck schreibt hier alle vier Wochen über Pop. Stellen Sie Ihre Fragen an [email protected]

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