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„Welche Rolle spielt Benedikts engster Vertrauter?“
Streng genommen war es nicht Benedikt XVI. selbst, der sich am Montag korrigiert hat. Es war sein Privatsekretär Georg Gänswein, der die Welt wissen ließ, dass der emeritierte Papst eine Aussage gemacht hat, die „objektiv falsch“ war. Joseph Ratzinger habe anders als früher behauptet doch an einer Sitzung der Bistumsleitung am 15. Januar 1980 in München teilgenommen, hieß es nun. Damals ging es um einen Priester aus dem Bistum Essen, der sich an Kindern vergangen hatte und das später im Erzbistum München unbehelligt weiter tat.
Von Benedikt XVI. war in der Stellungnahme vom Montag durchgehend in der dritten Person die Rede. „Er möchte betonen, dass dies nicht aus böser Absicht heraus geschehen ist.“ Man könnte es als journalistische Spitzfindigkeit abtun, deswegen zwischen Gänswein und Benedikt XVI. zu unterscheiden. Letzterer habe Gänswein eben diktiert, was er schreiben soll. Aber wenn derjenige, in dessen Namen etwas mitgeteilt wird, im April 95 Jahre alt wird und die ganze Angelegenheit – vorsichtig gesagt – sehr merkwürdig anmutet, stellen sich Zweifel ein.
Warum hat Benedikt XVI. sich nicht selbst schriftlich geäußert? Schließlich beteuert Gänswein in nahezu jedem Interview, der emeritierte Papst sei noch „glasklar im Kopf“. Vielleicht wollte sich Benedikt XVI. die Schmach ersparen, das angebliche „redaktionelle Versehen“ persönlich einzugestehen; nicht auszuschließen ist aber auch, dass Gänswein dem Papst ein solches Vorgehen nahegelegt oder ihn gar dazu gedrängt haben könnte. Schon seit geraumer Zeit fragen sich Beobachter, inwieweit Benedikt XVI. überhaupt noch Herr des Geschehens ist und ob nicht sein Privatsekretär längst die Zügel in die Hand genommen hat. Aber wer ist Georg Gänswein?
Gänswein arbeitet seit 26 Jahren für Benedikt
Mittlerweile ist er wohl der einzig noch verbliebene Vertraute von Benedikt XVI., nachdem dessen Bruder Georg Ratzinger im Juli 2020 im Alter von 96 Jahren verstorben ist. Keiner kennt den emeritierten Papst so gut wie er. Seit 26 Jahren steht der Geistliche aus dem Vierhundert-Seelen-Dorf Riedern am Wald im Schwarzwald Ratzinger zur Seite. Nach einem kurzen Gastspiel als persönlicher Referent des Freiburger Erzbischofs Oskar Saier kam Gänswein 1995 in den Vatikan – Saier und er waren offenbar nicht auf einer Wellenlänge. Als Präfekt der Glaubenskongregation holte ihn Ratzinger schon bald von der Gottesdienstkongregation zu sich in die Glaubenskongregation, 2003 machte er Gänswein zu seinem persönlichen Referenten. Als Ratzinger im April 2005 zum Papst gewählt wurde, zog Gänswein als Privatsekretär mit in den Apostolischen Palast.
An Gänswein kam in dieser Zeit niemand vorbei, der zu Benedikt XVI. wollte. Er selbst hat seine Rolle als „Schneepflug“ beschrieben, der den Papst vor der Lawine von Anfragen schützen müsse. Mit seiner direkten Art eckte er in der vatikanischen Klüngelkultur bei vielen Monsignori an. Dennoch stieg Gänswein zu einem der mächtigsten Männer im Vatikan auf. Denn niemand war so nah am Papst wie er. Damit war es mit einem Schlag vorbei, als Benedikt XVI. Ende Februar 2013 zurücktrat. Gänswein zog mit ihm in ein umgebautes Kloster in die Vatikanischen Gärten, aus dem päpstlichen Strippenzieher wurde immer mehr der Betreuer eines gebrechlichen alten Mannes.
Benedikt konnte sich stets auf seine Loyalität verlassen
Die beiden sind ein ungleiches Paar: Der promovierte Kirchenrechtler bringt das mit, was Benedikt XVI. abgeht. Er ist ein Mann fürs Praktische, der Benedikt XVI. den Rücken freihält, einer der weiß, wie der Vatikan tickt, kein Intellektueller wie Ratzinger. Benedikt konnte sich stets auf seine Loyalität verlassen.
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