
Mehr als drei Wochen ist es her, dass ein Wels im Brombachsee in Mittelfranken fünf Badegäste attackiert hat – und deswegen erlegt wurde. In vielen Berichten hieß es, der mehr als zwei Meter lange, 90 Kilogramm schwere Fisch sei von einem Polizisten erschossen worden.
Das stimmt laut Michael Petzold, Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken, aber gar nicht: „Wir haben nie gesagt, dass der Wels von uns erschossen wurde, das wurde nur aus unserer Pressemitteilung interpretiert.“ In der Mitteilung vom 21. Juni stand: „Hierzu schoss ein Polizeibeamter zunächst mit seiner Dienstpistole auf den Waller. Zwei (. . .) Angler bargen im weiteren Verlauf den schweren Fisch mit einem Boot aus dem Brombachsee.“ Man gehe davon aus, dass einer der drei Schüsse den Fisch getroffen haben könnte, sagte der Sprecher jetzt.
Die Staatsanwaltschaft Ansbach ermittelt, ob ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegt. Wie kam es also zu dem Schusswaffeneinsatz? Nach den Angriffen des Welses wurde laut Polizeisprecher zunächst die Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes eingeschaltet, die sich mit dem örtlichen Anglerverein und der Polizei besprach. Dass es zu dem Angriff kam, lag nach Sichtweise von Fachleuten an dem niedrigen Wasserstand des Sees. In der Regel legen Welse ihre Eier in einer Mulde in der Nähe bewachsener Ufer ab. Die Fische mussten aber in tieferes Wasser ausweichen und suchten sich wohl eine Stelle nahe der Badeinsel aus.
Die einzige Lösung: Der Wels musste entfernt werden. Vertreiben hätte nicht gereicht, da er vermutlich zurückgekommen wäre, um seinen Nachwuchs zu verteidigen, so der Polizeisprecher. Und angeln? „Bis er anbeißt, hätte es ein bis zwei Stunden dauern können – oder ewig.“ Zu dem Zeitpunkt war der Strand schon einige Stunden gesperrt. Wegen des angrenzenden Musikfestivals mit 7500 Besuchern hätte er so lange gesperrt bleiben müssen, bis der Wels angebissen hätte. „Die Besucher schwimmen gerne abends und nachts zur Plattform hinaus, um das Festival von dort zu sehen.“ Die Gefahr sei weniger vom Wels selbst ausgegangen als von der Panik, die er im Wasser hätte auslösen können.
Der Polizist wartete also, bis der Fisch an der Oberfläche zu sehen war, und schoss dreimal auf ihn. Rund 40 Minuten später biss der Fisch bei den zwei Anglern an. Nach weiteren 45 Minuten zogen sie ihn aus dem Wasser und erlegten ihn. Äußerlich wies der Fisch keine Verletzungen auf. Auch der Wirt, der ihn später filetierte, fand kein Projektil. „Wir verwenden Munition mit Stoppwirkung. Das Projektil verliert beim Aufprall auf die Wasseroberfläche schnell an Geschwindigkeit“, sagt der Polizeisprecher. Daher gehen die Beteiligten davon aus, dass der Wels lediglich benommen war, „vielleicht wie nach einem Schlag“. Weitere Wels-Fälle in diesem Jahr gelten als unwahrscheinlich: Die Laichzeit endet in diesen Tagen, sodass die Welse ihr Gelege nicht mehr beschützen.
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