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#Da stehen mir die Haare zu Berge

Da stehen mir die Haare zu Berge

Was lesen Sie?

Im Moment lese ich hauptsächlich Sachbücher. Das liegt daran, dass ich zu sehr wenigen fiktionalen Texten, die ich relevant finde, Zugang habe. Ich mag Belletristik, die für meine Erfahrung von Bedeutung ist, entweder weil ich mich darin wiedererkenne oder weil sie mir neue Wege aufzeigt oder beides. Solche Belletristik finde ich eigentlich nur auf afrikanischen Literaturfestivals und nicht so oft, wie ich es mir wünschen würde. Ich habe früher alles gelesen, was mir zwischen die Finger gekommen ist, aber als mir bewusst wurde, dass ich meinen Kopf mit Konzepten füllte, die mich ausschließen und mich nicht in meinem Sein bestärken, wurde ich wählerischer. Gerade habe ich „The New Age of Empire: How Racism and Colonialism still rule the world“ von Kehinde Andrews zu Ende gelesen. Andrews ist Professor für Black Studies an der Birmingham City School of Social Sciences.

Das Buch, das analysiert, wie die moderne westliche Zivilisation schon seit der intellektuellen Bewegung der Aufklärung auf Rassismus beruht, hat mir die Haare zu Berge stehen lassen. Ich habe schon oft zu Kollegen gesagt, dass die Krankheit der gegenwärtigen globalen Gesellschaft in dem Moment begann, als Descartes sagte: „Ich denke, also bin ich.“ Warum konnte er nicht zum Beispiel sagen: „Wir denken, also sind wir?“ Der letzte fiktionale Text, den ich gelesen habe und der mir gefallen hat, war „Sag mir, wie lang ist der Zug schon fort“ von James Baldwin.

Was hören Sie?

Während ich schreibe, höre ich Lärm aus der Küche. Das Zimmer, das ich benutze, liegt über der Küche und hat keine Tür, also klirrt und klappert es, wenn jemand in der Küche ist. Es gibt ein paar junge Leute in diesem Haus, und manchmal höre ich sie rufen – sie haben einfach Spaß, oft mit den Hunden. Ich mag das, und es bringt mich zum Lachen, auch wenn es meiner Arbeit in die Quere kommt. Ich höre viele Kirchenlieder. Wenn ich nicht gerade aktiv schreibe oder wenn ich wegen irgendetwas unglücklich bin, streame ich christliche Lieder auf Youtube. Ich höre Vogelgesang. Ich habe wunderbare große Bäume in meinem Garten. Als ich vor zwanzig Jahren hierher zog, war ein Großteil des umliegenden Landes bewaldet. Jetzt wurde es zu Bauland umgewandelt. Die Bäume wurden gefällt. Die Vögel flüchten sich in meinen Garten und füllen ihn mit ihrem Gesang.

Was sehen Sie?

Ich sehe Bäume. Bäume gehören zu meinen liebsten Wesen. Die Strukturen und Farben ihrer Rinde sind ein ganzes Universum. Ich finde ihre Verwurzelung und ihre Unbeweglichkeit inspirierend. Die grünen, roten und gelben Schattierungen ihrer Blätter, das Schaukeln der Äste und die tanzenden Blätter im Wind sind bezaubernd. Ich kann stundenlang dasitzen und Bäume betrachten. Die Ents aus dem „Herrn der Ringe“ gehören zu meinen liebsten Charakteren. Ich sehe auch Stoffe in ihrer ganzen Bandbreite an Design, Farbe und Struktur. Ich bin fasziniert davon, wie Diversität richtig kombiniert ein Ganzes ergibt. Ich sehe auch einiges im Fernsehen, eher bei Streaminganbietern. Das ist mein Kaugummi fürs Hirn. Reality Shows sehe ich besonders gern, vor allem solche, in denen Kreativität und Ästhetik vorkommen. Ich weiß, dass ich schon einige Leute, die mich für seriöser gehalten haben, enttäuscht habe, als ich zugegeben habe, dass „Germany’s Next Topmodel“ eine meiner liebsten Fernsehsendungen ist. Ich liebe dieses Spektakel aus all diesen fantastischen Körpern in fantastischen Klamotten.

Was nervt Sie?

Ungerechtigkeit nervt mich. Ungleichheit nervt mich. Müll und eine unverantwortliche Industrie nerven mich. Bei manchen Vorfällen bleibt die Genervtheit auf einem sehr niedrigen Niveau. Andere rufen einen ausgewachsenen Wutanfall hervor, aber es ist ein Kontinuum. Ein Beispiel: Wenn ich zu Hause bin, kann ich mich nicht einfach entscheiden, aufzustehen, zu duschen und weiterzuarbeiten. Das Wasser kommt nicht automatisch aus dem Hahn. Ich muss sichergehen, dass ein Hahn auf der einen Seite des Gartens, der den unteren Teil des Gartens mit Wasser versorgt, zugedreht ist. Dann muss ich auf die andere Seite des Gartens gehen und den Hahn aufdrehen, der das Wasser aus unserem dreißig Meter hohen Wasserturm lässt. Ich muss warten, um zu sehen, ob überhaupt Wasser im Turm ist. Wenn nicht, muss man das Bohrloch anschalten. Ich habe Glück, einen Wasserturm zu haben und etwas Wasser in meinem ertragsarmen Bohrloch, aber nachdem ich all das gemacht habe, bin ich nicht mehr in Schreiblaune, und das ist wirklich nervig. Ich muss Zeit und Energie darauf verschwenden, wieder in einen kreativen Modus zu kommen. All das liegt an der schlechten Verwaltung und der Korruption der Behörden.

Übersetzt von Anna Vollmer.

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