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#Der Bochumer Ballistiker trifft wieder

Der Bochumer Ballistiker trifft wieder

Als die inbrünstigen Fans des VfL Bochum diesen Flugball noch mit anfeuernden Schreien auf dem Weg ins Freiburger Tor begleiteten, wusste der Kunstschütze schon, was wenig später Wirklichkeit werden sollte.

„Ich habe, nachdem der Ball den Fuß verlassen hat, gewusst, dass er reingeht, man hat da immer so ein Gefühl“, sagte Milos Pantovic, der 25 Jahre alte Stürmer des VfL, über sein Zauberwerk aus der 82. Minute, mit dem am Samstag der 2:1-Sieg des Bundesliga-Aufsteigers über den nun schon zum dritten Mal nacheinander bezwungenen Spitzenklub aus dem Breisgau besiegelt wurde.

Kunst bedarf keiner Erklärung oder gar Betriebsanleitung. Sie entsteht auch im Fußball aus dem Gespür, mit etwas Besonderem ein Ereignis verzieren zu können. Der 25 Jahre alte Serbe, 2018 aus dem Nachwuchs des FC Bayern München zum traditionsreichen Revierklub gewechselt, besitzt diese Intuition für den speziellen Moment. Er hat in den vergangenen drei Wochen sogar schon zweimal ein Erstligaspiel mit einem Extraschuss an Genialität angereichert.

Was der an trüberen Tagen auch schon mal zu Selbstzweifeln neigende Profi diesmal mit Hilfe der Innenseite seines rechten Fußes schaffte, als er den Ball aus 44 Metern Torentfernung wie ein Golfer bei einem Hole in One so in die Luft katapultierte, dass er kurz vor seinem Ziel aufschlug und dann oben im Freiburger Netz landete (82. Minute), gelang ihm auf andere Weise beim 2:0-Heimsieg über die TSG 1899 Hoffenheim in der siebten Minute der Nachspielzeit.

Damals dank eines Flachschusses mit dem linken Fuß aus 66 Metern in das wie diesmal auch verlassene Tor des Gegners. Wie am 6. November, als der Hoffenheimer Torwart Baumann bei einem Eckball seiner Mannschaft kurz vor Toresschluss mit nach vorn geeilt war, hatte am Samstag dessen Freiburger Kollege Flekken seinen eigentlichen Arbeitsplatz verlassen, um einen Bochumer Konter abfangen zu können. Pech für ihn, dass der Freiburger Innenverteidiger Lienhart, der die 1:0-Führung für die Badener per Kopf erzielt hatte (51.), bei einem vorangehenden Klärungsversuch so unglücklich ausrutschte, dass er damit den intuitiv in Position gelaufenen Pantovic ins Spiel brachte.

„Ich habe gesehen, dass der Torwart weit draußen steht, und hatte so ein Gefühl, wo der Ball hinfallen könnte“, beschrieb der nach 65 Minuten eingewechselte Angreifer den Moment seiner zielführenden Orientierung, „und dann traue ich mir sowas auch zu.“ Als aus seiner untrüglichen Ahnung für den speziellen Moment das Tor des Spieltags geworden war, explodierte der Jubel in der traditionsreichen Bochumer Fußballarena, da die Fans zu Augenzeugen eines unglaublichen Treffers geworden waren.

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Es war am VfL-Trainer Thomas Reis, auch diesen traumhaften Moment in den Gesamtkontext seiner staunenswert produktiven Arbeit mit einem Kader einzureihen, an dem manche zu Saisonbeginn ob seiner womöglich fehlenden Erstligaqualität gezweifelt hatten.

Was der selbsternannte „Instinktfußballer“ Pantovic, der für den VfL in seiner Wiederaufstiegsspielzeit bei zehn Einsätzen stets ein- oder ausgewechselt worden ist, am Samstag zu einer Kunstform erhoben habe, „wird bei uns nicht speziell trainiert“, sagte der Bochumer Fußballlehrer, „er hat die Situation gut erkannt und im Moment einfach ein Zauberfüßchen“. Reis, Typ Kumpel und strenger Fußballlehrer zugleich, nutzte die Gelegenheit auch dazu, ein wenig Kritik an seinem Matchwinner zu üben.

Schließlich hatte Pantovic kurz nach seinem Traumtreffer die auf den ersten Blick viel näher liegende Möglichkeit, auch aus der Kurzdistanz im Duell mit Flekken das 3:1 zu erzielen (87.). Das einfacher Anmutende aber schaffte der Serbe nicht – anders als der derzeit gesetzte Mittelstürmer Polter, der das 1:1 mit einem Flachschuss an Flekken vorbei geschossen hatte (54.).

Auf die Erfüllung eines weiteren Traums muss der Ballistiker Pantovic weiter warten: von Beginn an bis zum Ende in der Bochumer Elf dabei zu sein. Bei aller Begeisterung über einen Treffer mit hohem Erinnerungswert wollte sich Reis da nicht festlegen. „Die Mannschaft ist enger zusammengewachsen“, sagte er und meinte damit auch den Konkurrenzkampf um die begehrtesten Plätze, in dem selbst der serbische Wunderknabe noch Verbesserungspotentiale freisetzen muss. Es ist an ihm, die passende Balance zwischen Weitschusszauber und Nahkampfentschiedenheit zu finden.

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