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#Es bleiben nur Ruinen

„Es bleiben nur Ruinen“

Der Erdboden vibrierte, als die Sturzflut kam. Der Strom zog riesige Steine über das Flussbett. Ein ohrenbetäubendes Brausen lag in der Luft, als würde der gesamte Berg einstürzen. Nur eine halbe Stunde vorher waren die Menschen weinend und schreiend vom Fluss weg in die höher gelegenen Wohngebiete gerannt. Darunter waren auch Saeedullah, seine Söhne und ihre Fa­milie. Sein Haus war binnen Minuten zerstört.

Nun steht er vor der Ruine und ringt sich ein schmales Lächeln ab. Schon im Jahr 2010 habe er ein Haus in der Flut verloren, berichtet er. „Man kann so ein Haus nicht einfach neu bauen, wir hatten es in den zehn Jahren seit damals geschafft. Aber nun wurde es in nur einer Nacht weggerissen. Jetzt sind wir obdachlos“, sagt der 56 Jahre alte frühere Grundschullehrer.

„Man hatte uns da­mals gesagt, so eine Flut komme nur alle 100 Jahre vor“

Es sieht aus, als habe ein Erdbeben das Haus durchgeschüttelt. Eine komplette Wand hängt vom Obergeschoss herab. Ein Badezimmer steht offen, die Armaturen sind noch dran. Teppichfetzen sind zu se­hen und paar persönliche Gegenstände, die im Geröll begraben liegen.

Die Familie hatte nur die Schuhe und die Kleidung, die sie am Leib trug, retten können. Für den Wiederaufbau fehlt nun das Geld. Drei von vier Söhnen studieren. Sohn Saifuddin ist angehender Elektroingenieur. Er sagt, der Klimawandel müsse hinter dieser Jahrhundertflut stecken, die nur zwölf Jahre nach der letzten gekommen ist. Zuvor habe es zwei Tage und Nächte ununterbrochen ge­regnet. Das Flusswasser änderte seine Farbe, wurde dunkler, erdiger und fing an zu stinken. „Wir dachten, dass es nicht normal ist, es wird eine Flut geben“, berichtet der Vater.

Junge Menschen in einer improvisierten Gondel über dem Swat-Fluss. Anders lässt sich dieser akut nicht überqueren.


Junge Menschen in einer improvisierten Gondel über dem Swat-Fluss. Anders lässt sich dieser akut nicht überqueren.
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Bild: Foto Till Fähnders

Die Menschen hier leben mit Überschwemmungen und Sturzfluten seit Jahrhunderten. Aber sie waren früher trotzdem ein seltenes Ereignis. „Man hatte uns da­mals gesagt, so eine Flut komme nur alle 100 Jahre vor“, sagt der Sohn über die Entscheidung, trotz der Flut im Jahr 2010 am Ufer des Daral noch einmal zu bauen. Außerdem habe die Familie kaum eine an­dere Wahl gehabt. „Wir haben nur dieses eine Stück Land.“ Die Familie lebt in dem Dorf Jheel im Swat-Tal.

Wie ein Drittel des gesamten Landes ist auch diese Region Ende August von verheerenden Fluten heimgesucht worden. Mittlerweile steht laut Regierung ein Drittel des Landes unter Wasser. 1391 Tote, 33 Millionen Betroffene, mehr als eine halbe Million Obdachlose zählt die Regierung mittlerweile. Dazu ge­hören auch die Flutopfer aus Jheel, die erst in einer Schule schliefen und nun bei Verwandten leben.

Kein sauberes Trinkwasser, hohe Lebensmittelpreise

Hungern müssen die Menschen hier nicht, aber es gibt Dörfer etwas weiter in den Bergen, die von der Außenwelt ab­geschnitten sind und per Hubschrauber versorgt werden. Und die Lebensmittelpreise sind nun noch höher als sowieso schon. Es fehlt sauberes Trinkwasser, viele Menschen leiden an Durchfall.

Hier im Swat-Tal zeigt sich Pakistan sonst eigentlich von seiner schönsten Seite. Wegen des beeindruckenden Panoramas mit grün be­wachsenen Bergen wird es auch als „Pakistans Schweiz“ bezeichnet. Größere Be­kanntheit hat es erlangt, weil die pakis­tanische Friedensnobelpreisträgerin Malala aus diesem Gebiet stammt. Vor 2009 hatten die Taliban das Tal eine Zeit lang unter Kontrolle gehabt. „Wenigstens gibt es jetzt niemanden, der uns er­schießt“, sagt Zubair Torwali, ein Autor, der in dem Ort Bahrain etwas unterhalb von Jheel lebt.

Der Hotelier Syed Ali Shah. Dass Touristen in absehbarer Zeit wieder ins Land kommen, ist sehr unwahrscheinlich.


Der Hotelier Syed Ali Shah. Dass Touristen in absehbarer Zeit wieder ins Land kommen, ist sehr unwahrscheinlich.
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Bild: Foto Till Fähnders

In dem Ort fließt der Daral in den Swat-Fluss. Die Geographie wurde dem Ort zum Verhängnis. Denn dort, wo die Wasserläufe zusammenfließen, stieg das Wasser mit der Sturzflut plötzlich mehrere Meter hoch an. Tonnenweise Schlamm, Geröll und Baumstämme hatte es mit sich gezogen. Die Gebäude am Flussufer sehen nun aus, als habe ein Tsunami sie getroffen.

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