#Gladbach überzeugt 90 Minuten lang

„Gladbach überzeugt 90 Minuten lang“

Beschimpfungen und eine herbe Niederlage: Marco Rose hat bei seiner Rückkehr nach Mönchengladbach einen ganz bitteren Abend erlebt. Eine Woche nach seinem traumhaften Einstand als neuer Trainer von RB Leipzig unterlag sein Team am Samstagabend in einem emotional aufgeladenen Spiel bei seinem ehemaligen Klub Borussia Mönchengladbach 0:3 (0:2). Zwei Treffer von Nationalspieler Jonas Hofmann (10. Minute/35.) und ein wunderschöner Lupfer von Ramy Bensebaini (53.) besiegelten den dritten Heimsieg der Borussen in Serie gegen Leipzig. Am vergangenen Spieltag war Rose noch mit einem 3:0 gegen seinen weiteren ehemaligen Klub Borussia Dortmund gestartet.

Mit nur acht Punkten aus sieben Spielen hinkt der Pokalsieger und Champions-League-Teilnehmer damit den Erwartungen weiter deutlich hinterher. Das Team von Trainer Daniel Farke aus Mönchengladbach behält dagegen mit zwölf Zählern den Kontakt zur Spitzengruppe der Bundesliga und sprang auf Rang sechs der Tabelle. Die Stimmung im Borussia-Park vor 50.186 Zuschauern war insbesondere auch wegen der Personalien Rose und Max Eberl aufgeheizt. Rose wurde beim Betreten des Innenraums schon kurz vor Spielbeginn ausgepfiffen und später in Fangesängen unflätig beschimpft.

Gladbacher Fanwut

Nach seinem Abgang 2021 aus Mönchengladbach hatte der Leipziger Trainer mit seinem damaligen Klub Borussia Dortmund vor fast genau einem Jahr auch verloren (0:1). Schon damals hatte er in einem damals coronabedingt allerdings nur halbvollen Stadion Fanwut zu spüren bekommen.

Auch an dem ehemaligen Manager Eberl arbeitete sich die Gladbacher Fankurve ab. Schon in der vergangenen Woche hatte das Fanprojekt der Borussia in einem geharnischten Offenen Brief wegen dessen bevorstehenden Wechsel zu Rasenballsport mit Eberl abgerechnet. Darin wurde der langjährige Gladbacher Sportchef, der sich im Januar nach eigener Aussage aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte, unter anderem der Lüge bezichtigt.

Auch im Stadion ging es hoch her. Auf Plakaten wurde Eberl wüst beschimpft. Der Stadionsprecher ermahnte die Fans in der Kurve gar, ein Plakat abzuhängen, da Schiedsrichter Patrick Ittrich das Spiel sonst unterbrechen werde. Auf diesem stand: „Ein Hurensohn-Verein stellt nur Hurensöhne ein.“ Tatsächlich wurde dieses kurz darauf abgehangen. Auf anderen stand: „Monatelanges Gepoker mit einem Konstrukt ohne Seele – Max Eberl, dein Sinneswandel macht uns krank“ und „Niemand hier wird je vergessen wo wir herkommen – und wo du hinwillst, du charakterloses Arschloch“.

Eberl hatte in seiner Zeit in Mönchengladbach das RB-Konstrukt mit vielen miteinander verbundenen Mannschaften aus dem Red-Bull-Kosmos immer harsch kritisiert. Laut Leipzigs-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff befinden sich die Verhandlungen mit Gladbach über einen Einstieg von Eberl bei den Sachsen kurz vor dem Abschluss.

Von der Unruhe ließen sich zumindest die Profis der Borussen nicht irritieren. Gladbach war klar überlegen. Bei den Gästen, die in der vergangenen Woche bei Real Madrid in der Champions League 0:2 verloren hatten, erwischte vor allem Linksverteidiger David Raum einen schwarzen Tag. Vor dem 0:1 patzte der Nationalspieler entscheidend. Torschütze Hofmann legte gut 20 Minuten wie schon beim 3:1 gegen Leipzig in der Vorsaison nach. Nach abermaliger Vorarbeit des ebenfalls starken Marcus Thuram schloss Hofmann einen Konter erfolgreich ab und erzielte sein sechstes Bundesligator gegen RB. Nur Robert Lewandowski (7) traf bislang öfter gegen Leipzig.

Rose brachte zur Pause in Xaver Schlager und Timo Werner zwei weitere starke Spieler, die er zunächst noch geschont hatte. Die Leipziger wurden nun zwar offensiver, hatten aber gegen überzeugende Borussen nicht viel mehr Chancen. Besonders sehenswert war Bensebainis Lupfer über RB-Schlussmann Peter Gulacsi zur frühzeitigen Vorentscheidung.

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