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#Kinderärzte an der Belastungsgrenze

Kinderärzte an der Belastungsgrenze

Die unübersehbaren Defizite in der Kinder- und Jugendmedizin haben sich im Lauf der Pandemie verschärft. Darin herrschte am Mittwoch in der Debatte des Hessischen Landtags jenseits der regierungsamtlichen Beschönigungen und der oppositionellen Übertreibungen Einigkeit. Die massiven Klagen der Wiesbadener Kinderärzte über die mangelhafte Versorgung in den Horst-Schmidt-Kliniken des Helios-Konzerns dienten als lokaler Schwerpunkt der Diskussion.

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Im Bund ist seit dieser Woche von einer „Triage“ in der Kindermedizin die Rede. Der Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte konstatiert psychiatrische Erkrankungen in einem nie dagewesenen Ausmaß. „Wer nicht suizidgefährdet ist und ,nur’ eine Depression hat, wird gar nicht mehr aufgenommen.“ Die SPD-Fraktion beklagte, dass nach den Angaben der Landesregierung die Auslastung der Bettenkapazität in den hessischen Kinderkliniken nur bei 70 Prozent liege. Der Mangel an Pflegepersonal und hygienische Defizite seien die Ursache dafür, dass 30 Prozent der Betten nicht mit Patienten belegt werden könnten, erläuterte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Daniela Sommer.

Chronische Erkrankungen würden zu spät oder gar nicht erkannt. Seltene Krankheiten sowie Wachstums- und Entwicklungsstörungen würden später entdeckt. Die Landesregierung müsse endlich die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in den Fokus rücken. Dies sei gerade in der Corona-Pandemie, die erhebliche psychische Belastungen mit sich bringe, besonders dringend, sagte Sommer. Die Erlöse aus der pädiatrischen Versorgung kämen ihr nicht zugute, sondern flössen in Investitionen ab, die eigentlich Sache des Landes seien.

SPD: Mangel an Kinderärzten

„In Hessen kann die flächendeckende Versorgung von kritisch kranken oder schwer verletzten Kindern nicht mehr sicher gewährleistet werden“, hielt Sommer fest. Dies gelte nicht nur für die Kliniken. Auch der Mangel an niedergelassenen Kinderärzten verschärfe sich. Bis zum Jahr 2025 werde etwa ein Viertel der Praxen wegfallen, weil Mediziner in den Ruhestand gingen und keine Nachfolger fänden.

Von einem besorgniserregenden Rückgang der ambulanten Versorgung könne nicht die Rede sein, entgegnete der Abgeordnete Marcus Bocklet (Die Grünen). Seit 2010 sei die Zahl der Kinderärzte in hessischen Praxen sogar von 436 auf 564 gestiegen. Die Kinderarztpraxen seien aber häufig überlastet, wandte Yanki Pürsün (FDP) ein. „Die reine Diagnostik ist weitaus aufwendiger als bei Erwachsenen, da Kinder beispielsweise häufig nicht in der Lage sind, Symptome präzise zu beschreiben.“ Die Abrechnungssysteme berücksichtigten jedoch nicht ausreichend, dass Kinder eine andere Art der Versorgung benötigten. Die Bürokratie raube den Ärzten zusätzlich ihre Kapazitäten. Bessere Arbeitsbedingungen seien nötig.

CDU: Versorgung sichergestellt

Die Zahl der Kinderkliniken sei leicht gesunken, die Zahl der Betten leicht gestiegen, hielt der Abgeordnete Ralf-Norbert Bartelt (CDU) fest. Die Auslastung von 70 Prozent der Betten in den Kinderstationen sei mit der in anderen Abteilungen vergleichbar. Bartelt sprach von einer „qualifizierten, flächendeckenden Versorgung in der Pädiatrie“. Den Vorwurf mangelnder Kapazitäten wies er grundsätzlich zurück. Er gab aber zu, dass es Mängel gebe, etwa an bestimmten Orten und in Teildisziplinen wie der Kinderpsychiatrie. Dass es im ländlichen Raum Schwierigkeiten gebe, hänge mit der zu großräumigen Bedarfsplanung zusammen. Sie sei allerdings nicht Sache des Landes.

„Die stationäre und ambulante Versorgung für Kinder und Jugendliche in Hessen ist auf dem Papier insgesamt gut“, stellte Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) fest. „Das heißt nicht, dass sie gut genug ist.“ Das Land erhöhe die Investitionen in die Kinderkliniken. Es sei aber nicht für die Finanzierung der Betriebsmittel verantwortlich.

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