#Kreisvorsitzende suchen den Weg aus der Krise

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Kreisvorsitzende suchen den Weg aus der Krise

Astrid Damerow erinnert sich noch genau an den Wahlabend. Die CDU-Politikerin hat ihn in ihrem Wahlkreis verbracht, mit ihrem Kreisverband. In einem Lokal in Husum an der Nordsee, und weil sie bei Wahlen so nervös ist, lief sie von einem Bildschirm zum nächsten, von einem Parteifreund zum anderen, erzählt sie heute. Dann kamen die Ergebnisse, und die Enttäuschung war groß. „Sagen wir mal so“, sagt Damerow, „ich hatte schon lustigere Wahlabende.“

Stefan Locke

Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

Matthias Wyssuwa

Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

So wie Damerow dürfte es am Sonntagabend vor gut einem Monat den meisten CDU-Mitgliedern gegangen sein. Ein historisches Desaster, das schlechteste Ergebnis überhaupt in der Geschichte der Union und der nahezu sichere Machtverlust.

Damerow immerhin schaffte es noch, ihren Bundestagswahlkreis Nordfriesland-Dithmarschen Nord knapp zu verteidigen gegen den Kandidaten der SPD. Allerdings mit einem Verlust von fast 15 Prozentpunkten bei der Erststimme. „Das war schon ein schmerzhafter Abend“, sagt sie. Und in den Wochen danach wurde es nicht unbedingt entspannter. „So etwas habe ich in dieser Schärfe noch nicht erlebt“, sagt sie, „all die Unruhe in der Partei, die Unzufriedenheit.“ Damerow hat sich vieles davon angehört, viele Gespräche geführt.

Denn Damerow ist auch Kreisvorsitzende. Und zusammen mit all den anderen CDU-Kreisvorsitzenden aus ganz Deutschland kommt sie am Samstag in Berlin zusammen, um zu beraten, wie es weitergehen soll. 326 Kreisverbände gibt es, alle Vorsitzenden sind eingeladen, die meisten dürften auch kommen. Und eines zumindest scheint klar zu sein, wenn man sich bei den Kreisvorsitzenden von Nord bis Süd, von Ost bis West umhört: Mehr Basis muss sein. Was das aber genau bedeutet, ist nicht so klar: Sollen die Mitglieder tatsächlich über den neuen Vorsitzenden entscheiden? Oder zumindest befragt werden? Und was soll überhaupt aus der Konferenz der Kreisvorsitzenden konkret folgen?

Wiedergeben, was der Kreisverband denkt

Damerow ist schon lange dabei, sie war Abgeordnete im Landtag von Schleswig-Holstein und seit 2017 sitzt sie im Bundestag. Ihren Kreisverband führt sie seit sieben Jahren. Zu ihm gehören etwa 1200 Mitglieder und gut 40 Ortsverbände mit ihren Vorsitzenden. Das ist die Gruppe, die sie also am Samstag in Berlin repräsentieren wird – und nicht unbedingt das, was sie selbst denkt. „Ich bin da als Kreisvorsitzende geladen, also ist es die Aufgabe, wiederzugeben, was man in meinem Kreisverband denkt.“

Königin der Basis: Angela Merkel bei einer Regionalkonferenz im März 2000. Sie legte so den Grundstein für ihren weiteren Aufstieg in der Partei.


Königin der Basis: Angela Merkel bei einer Regionalkonferenz im März 2000. Sie legte so den Grundstein für ihren weiteren Aufstieg in der Partei.
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Bild: Picture-Alliance

Um das herauszufinden, hat sie nicht nur nach der Wahl mit ihrem Kreisvorstand gesprochen, später mit dem ungleich größeren erweiterten Vorstand und am Donnerstagabend noch mit ihren Ortsvorsitzenden, sondern auch so ständig Gespräche geführt. Ihr Eindruck ist eindeutig: „Der Anspruch unserer Mitglieder hat sich deutlich verändert“, sagt Damerow. „Sie wollen aktiv eingebunden werden, sie fordern mehr Beteiligung ein.“ Also werde sie sich dafür einsetzen, dass man zu mehr Beteiligung komme.

Sie selbst klingt bei dem Thema zumindest noch etwas zurückhaltend. Als Delegierte auf Bundesparteitagen hat sie schließlich selbst schon Vorsitzende gewählt. „Den Wunsch nach einer Mitgliederbefragung kann ich nachvollziehen, dagegen sträube ich mich nicht.“ Aber es gebe einen großen Unterschied zwischen einer Befragung und einem Entscheid. „Ob ein Entscheid das Mittel ist, die Partei zu einen, weiß ich nicht.“

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