#Niedersachsen will Erdgas in der Nordsee fördern

„Niedersachsen will Erdgas in der Nordsee fördern“

Das niedersächsische Wirtschaftsministerium hat sich mit dem niederländischen Unternehmen One-Dyas auf Eckpunkte zur Förderung von Erdgas vor der deutschen Nordseeküste geeinigt. Noch im vergangenen Jahr hatte sich die rot-schwarze Landesregierung in Hannover gegen das Projekt gewandt, dürfte angesichts der russischen Aggression in Europa nun aber eine Wende vollziehen. In den kommenden zwei Wochen soll das Kabinett von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) eine politische Entscheidung treffen, die Genehmigung obliegt dann dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie.

Reinhard Bingener

Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

Das Erdgasfeld liegt rund 20 Kilometer vor der Insel Borkum im niederländisch-deutschen Grenzgebiet. One-Dyas hat dort 2017 das Feld N05-A entdeckt. Das Unternehmen hält es für wahrscheinlich, dass in der Umgebung noch weitere Erdgasvorkommen erschließbar sind. Insgesamt beziffert das Unternehmen das Fördervolumen in dem Gebiet des sogenannten „GEMS“-Projekts auf rund 60 Milliarden Kubikmeter Erdgas, die sich zu etwa gleichen Teilen auf niederländisches und deutsches Gebiet verteilen.

Deutschland verbraucht derzeit rund 100 Milliarden Kubikmeter jährlich, rund 55 davon aus Russland. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sagte am Mittwoch, das auf deutscher Seite geförderte Gas solle dem deutschen Markt zur Verfügung gestellt werden und nur so lange gefördert werden, wie im Inland Bedarf dafür bestehe. Die Förderung könnte frühestens im Jahr 2024 beginnen, zuvor muss noch eine Plattform errichtet werden, die ihre Elektrizität aus dem nahe gelegenen Offshore-Windpark Riffgat beziehen soll.

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Kritik von den Grünen

Die oppositionellen Grünen sowie Umweltverbände wenden sich gegen das Vorhaben. Die Fördermenge sei „viel zu unbedeutend und käme viel zu spät, um schnell die Abhängigkeit von russischem Gas zu lösen“, sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Meyer. Mit solchen Offshore-Bohrungen könne man jährlich höchstens 3,5 Prozent der derzeitigen Erdgaslieferungen aus Russland ersetzen.

Die angedachte Förderung stehe zudem im Widerspruch zu den Klimaschutzzielen der Landesregierung wie zum Koalitionsvertrag der Ampelparteien auf Bundesebene und drohe die fossile Abhängigkeit auf Jahrzehnte zu zementieren. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte, neue Fördervorhaben in der Nordsee bedrohten auch das Weltnaturerbe Wattenmeer. Es gebe „unkalkulierbare Risiken“ wie einen möglichen Austritt von Schadstoffen, Erdbeben und eine Absenkung des Meeresbodens.

FDP lobt „überfälligen“ Schritt

Die oppositionelle FDP lobte hingegen den Kurswechsel der Landesregierung als „überfällig“. Bis zum vollständigen Übergang zu erneuerbaren Energien dauere es noch Jahrzehnte, und man müsse alle Anstrengungen unternehmen, um von russischem Gas unabhängig zu werden, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Stefan Birkner. Nach der CDU müsse sich nun auch die SPD hinter das Projekt in der Nordsee stellen. Aus der Staatskanzlei heißt es, dass Ministerpräsident Weil (SPD) dem Vorhaben grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehe. Im Hintergrund steht dabei auch die Erwägung, dass man angesichts des deutschen Wunschs nach weiterem niederländischem Erdgas derartige Projekte schwerlich ablehnen kann.

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