#Sie wollen einen neuen Sound im Bundestag

Sie wollen einen neuen Sound im Bundestag

Caroline Lünenschloss hat es schwer in diesem Wahlkampf. Die junge CDU-Politikerin steht gerade an einer Haustür in Wuppertal und will eine Dame mittleren Alters von sich überzeugen. Das Gespräch ist auf Frauenquoten gekommen, denen Lünenschloss etwas abgewinnen kann. Zu viele Frauen, findet aber die Bewohnerin, das sei ja auch nicht gut; auf ihrer Arbeitsstelle, in einer Behörde, da seien es jedenfalls zu viele, redet sie sich in Rage. Überhaupt habe die Politik auf nichts mehr Antworten, und dann dieses Gendern überall: „Man muss auch mal an unsere Kultur denken, ich gender nicht!“ Ihren Flyer wird Lünenschloss dann doch los, das Zuhören hat sich gelohnt. „Meine Stimme haben Sie“, sagt die Dame, wieder milde gestimmt. „Aber sehen Sie mal zu, dass Sie den Laschet pushen.“

Lünenschloss kandidiert für den Bundestag – schon könnte man sagen, denn sie ist erst 28 Jahre alt und ihre Generation im Bundestag kaum vertreten. Nur 1,8 Prozent der Abgeordneten waren zu Beginn der laufenden Legislaturperiode unter 30 Jahre alt. Das ist ein Problem, sagen manche. Politik, heißt es, werde zu viel von den Alten bestimmt. Wer macht dann noch Politik für die Jüngeren?

„Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal – So war das bei mir nicht“

„Ich würde total gerne nur junge Politik machen“, sagt Lünenschloss, „aber damit werde ich überhaupt keine Politik machen. Dann wählt mich keiner.“ Der demographische Wandel bringt es mit sich, dass in diesem Jahr noch weniger unter Dreißigjährige abstimmen dürfen als im Jahr 2017. „Da besteht ein Ungleichgewicht“, sagt Lünenschloss. „Deswegen werden wir für TikTok weniger Energie aufbringen als für Haustürwahlkampf. Die Frage ist: Was für Langzeitwirkungen hat das? Wenn wir jetzt die Jugend total vernachlässigen, wird die nachher die CDU nicht wählen.“

„Ich würde total gerne nur junge Politik machen. Aber damit werde ich überhaupt keine Politik machen. Dann wählt mich keiner“: die CDU-Politikerin Caroline Lünenschloss aus Wuppertal


„Ich würde total gerne nur junge Politik machen. Aber damit werde ich überhaupt keine Politik machen. Dann wählt mich keiner“: die CDU-Politikerin Caroline Lünenschloss aus Wuppertal
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Bild: Lakuntza, Nerea

Vor allem die Union hatte zuletzt bei den jüngeren Wählern einen schweren Stand. Aussichtsreiche junge Kandidaten sind rar. Auch Lünenschloss ist nicht über ihre Landesliste abgesichert. Will sie nach Berlin, muss sie also umso mehr für ihr Ziel kämpfen und ein Direktmandat gewinnen. Ein schweres Unterfangen, denn ihr Wahlkreis ist eine SPD-Bastion. „Das hieß für mich: Okay, wir können jetzt mal etwas Neues ausprobieren.“ Aber wie kann das aussehen; etwas Neues?

Durch ihren Wahlkreis fährt Lünenschloss mit ihrem „Wahlkampfmobil“, so nennt sie ihren geliehenen Kleintransporter mit Schlafmöglichkeit und eingebautem Kühlschrank. Jeden Ortsverband will sie damit besuchen, um möglichst viele Wähler zu mobilisieren. Sie betreibt zwar auch einen eigenen Instagram-Kanal, setzt aber vor allem auf klassischen Wahlkampf. „Gerade Twitter finde ich extrem schwierig für Politik und auch nicht zielführend, weil es immer diesen sarkastischen Unterton hat und so schnell hochkocht“, sagt sie. Selbst mit Videos, die im Netz eigentlich gut ankämen, erreiche man oft nur die eigene Blase. „Wer will sich schon fünf Minuten von mir anhören, wie ich mein Programm erkläre? Das ist einfach zu langweilig.“

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