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In Frankreich gibt es schon seit 20 Jahren einen nationalen Hitzeplan. Teile der Pariser Innenstadt bezeichnen Wissenschaftler als „urban heat island“. Gerade wird in Paris überlegt, ob es nicht besser wäre, die traditionellen Kupferdächer weiß zu streichen.
2003 war die Problematik durch eine sommerliche Hitzewelle mit vermutlich 70.000 Toten in Westeuropa ins öffentliche Bewusstsein gerückt. „La Canicule“, die Hitzewelle, veränderte in Frankreich viel – in Deutschland lange zu wenig. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) stellte vor Kurzem endlich einen nationalen Hitzeplan vor, er reagierte damit auf die 8000 Hitzetoten im vergangenen Jahr. Einige Städte waren schneller – zum Beispiel Mannheim.
Von der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs aus ist man in einer Stunde in Frankreich. Einen Hitzeplan gibt es in Mannheim seit 2021. Sehen kann man davon noch nicht viel, die Stadt sagt, der Hitzeaktionsplan sei genau genommen eher ein „Hitzekommunikationsplan“. Vereinzelt wurden Trinkwasserbrunnen installiert, für einige Plätze werden Wasserspiele geplant, und man versucht nun, nach dem „Schwammstadt-Prinzip“ zu bauen – also Flächen zu schaffen, die Wasser aufnehmen und lange speichern.

Ein Mann wäscht sich das Gesicht am Trinkwasserbrunnen am Wasserturm.
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Bild: Laila Sieber
Es gibt auch ein Baumpflanzprogramm, für das die Stadt allein acht Millionen Euro ausgibt: Noch in diesem Jahr sollen 750 junge Bäume gepflanzt werden, im nächsten Jahr sollen es 1000 sein. Auch der Bahnhofsvorplatz ist begrünt worden – allerdings merkt man das erst, wenn man genau hinsieht, denn einen Platz, den täglich mehr als 30.000 Menschen überqueren, kann man nicht mit Blumenkübeln und Rabatten überfrachten.
Bei Diana Pretzell (Grüne) fragen derzeit viele Kommunalpolitiker nach, was man gegen die Hitze tun kann. Die Umweltbürgermeisterin sitzt im 13. Stock des Technischen Rathauses im Glückstein-Viertel, südwestlich des Bahnhofs und der Bundesstraße 39 gelegen. Wenn sie aus dem Fenster schaut, sieht sie das Mannheimer Schloss, die Universität und die Schlossstraße, wo der Deutsche Wetterdienst im vergangenen Jahr Rekordtemperaturen maß.
2022 war Mannheim die heißeste Großstadt Deutschlands
In der Quadrate-Stadt ist es im Sommer zwischen vier und sechs Grad heißer als in anderen Großstädten. 2022 war Mannheim sogar die heißeste Großstadt Deutschlands: An 47 Tagen wurden mehr als 30 Grad gemessen, es gab 26 Tropennächte. „Der historische Grundriss der Stadt, die Quadrate, führen zu einer engen Bebauung, die Lage in der Oberrheinebene zu heißen Sommern“, sagt Pretzell. Der Hitzeaktionsplan solle insbesondere vulnerable Bevölkerungsgruppen schützen: Säuglinge, Kinder, kranke und alte Menschen. „Wir sprechen mit Seniorenresidenzen und Kindergärten, sodass Sonnensegel gesetzt werden, damit die Menschen mehr Schatten haben“, sagt Pretzell. „Im öffentlichen Raum bauen wir Wasserspiele, pflanzen Bäume, installieren Trinkwasserbrunnen oder verlegen helles Pflaster. Alle Maßnahmen haben den Zweck, die Stadt kühler zu machen.“

Sonnenuntergang am Stephanienufer an der Rheinpromenade
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Bild: Laila Sieber
Beim Neubau von städtischen Gebäuden sollen Architekturentwürfe bevorzugt werden, die eine mikroklimatische Aufheizung verhindern. Frischluftschneisen sollen erhalten bleiben und Plätze entsiegelt werden. „Auf städtischen Dächern werden Photovoltaikanlagen installiert, und dort, wo statisch möglich, werden die Dächer auch begrünt. Für private Gebäude fördern wir Fassaden- und Dachbegrünung und begrünen öffentliche Plätze. Auch die Flächen zwischen den Straßenbahngleisen werden möglichst mit Moos und einer dickblättrigen Pflanze namens Sedum begrünt“, sagt Pretzell.
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