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„Wie Trumps Abwahl Erdogans Schwiegersohn das Amt kostete“
Als Innenminister Süleyman Soylu im April wegen Fehlern bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie seinen Rücktritt angeboten hatte, waren in nur wenigen Minuten Tausende seiner Anhänger auf der Straße. Es half. Präsident Recep Tayyip Erdogan nahm Soylus Rücktritt nicht an, und der kehrte gestärkt ins Kabinett zurück. Schließlich brauchen Erdogan und die AKP Soylu, da er den nationalistischen Flügel abdeckt und für Law and Order steht. Als am Sonntagabend Soylus Widersacher im Kabinett, Finanzminister Berat Albayrak, seinen Rücktritt anbot, ging niemand aus Solidarität auf die Straße. Es rührten sich aber viele Finger. Noch am selben Abend zählten Türken in den sozialen Medien, in denen sein Rücktrittsersuchen kursierte, mehr als 600.000 Likes.

Für den unpopulärsten Minister im Kabinett Erdogan hat sich niemand starkgemacht, obwohl er der Schwiegersohn des Präsidenten ist. Denn Albayrak ist, anders als Soylu, eine Hypothek geworden. Möglicherweise wurden Erdogan und das Präsidialamt am Sonntagabend kalt erwischt. Eigentlich hätte Erdogan bei einem AKP-Kongress in der Provinz Kocaeli sprechen sollen.
Er traf dann dort zwei Stunden zu spät ein. Und die regierungsnahen Medien berichteten weder am Sonntagabend noch am Montag über Albayraks Rücktritt. Soylu und Albayrak hatten sich beide als potentielle Kronprinzen in Stellung gebracht, und Erdogan hielt zu beiden gleiche Distanz. Während Soylu in der AKP über eine starke Hausmacht verfügt, hatte Albayrak dort nie Rückhalt. Während Soylu Erdogan gute Dienste leistete und als Innenminister hart durchgriff, wurde Albayrak zum Gesicht einer Finanzkrise, aus der eine Wirtschaftskrise wurde, die nun als politische Krise die Macht der AKP bedroht.
Das Gesicht der Finanzkrise
Aus dem Parlament in Ankara hieß es zuletzt, dass mehr als dreißig Abgeordnete die AKP-Fraktion verlassen wollten, sollte Albayrak weiter Finanzminister bleiben. Unter ihnen könne sich auch Soylu befunden haben, heißt es in Gerüchten, denen nun mehr Türken Glauben schenken, weil die regierungsnahen Medien keine wirklichen Nachrichten mehr enthalten. Die Abgeordneten wollten sich also einer der beiden Parteien anschließen, die in den vergangenen Monaten aus der AKP heraus gegründet worden sind – der Deva-Partei des früheren Wirtschaftsministers Ali Babacan und der Zukunftspartei des früheren Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu.
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Auch Größen in der AKP wie der frühere Parlamentsvorsitzende Bülent Arinc, auf die sich Erdogan verlassen kann, wollten sich mit Albayraks beschwichtigenden Äußerungen, es gebe nur psychologische Probleme und keine Wirtschaftskrise, nicht länger abfinden. Erdogan hatte Albayrak, als der noch Geschäftsmann war, auf Reisen mitgenommen und ihn in bilaterale Verhandlungen eingebunden. Auch Albayraks Schwiegermutter, Emine Erdogan, hat seine Karriere befördert. Im Frühjahr hat sich die Stimmung in der Familie jedoch gedreht, als Albayrak eine Affäre mit einer Schauspielerin nachgesagt wurde und er daraufhin von Leibwächtern verprügelt worden sein soll.
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