#Willkommen bei den Handwerkern der Macht

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Willkommen bei den Handwerkern der Macht

Um Holzbretter zusammenzuhalten, braucht es gute Schrauben, außerdem Kraft und Disziplin. Grüne und FDP haben sich am Freitag das zweite Mal getroffen, um eine Koalition zu zimmern – oder zumindest die Arbeiten dafür vorzubereiten. „Wenn man die Schraube schräg einsetzt, wird sie nie wieder gerade“, sagte Robert Habeck, der Bundesvorsitzende der Grünen, nach dem zwei Stunden währenden Gespräch beider Parteien in Berlin. Und er setzte mit Handwerkerstolz hinzu: „Diese Schraube ist gerade eingesetzt.“ Auf die Frage, ob der gelb-grünen Schraube nicht eine passende Mutter fehle, erläuterte Habeck, er habe an Spax-Schrauben gedacht, eben solche, die man für Holzbretter brauche und die ohne Mutter auskämen.

Der dritte Partner, ob Union oder SPD, soll also keine besonders herausgehobene Rolle haben. Bemerkungen aus SPD und Union über die „kleinen Parteien“ haben Grüne und Freie Demokraten verärgert. Zwar hatte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gesagt, dass er mit der Metapher von Koch und Kellner, unter der Grüne in der rot-grünen Koalition nach 1998 gelitten haben, nicht so viel anfangen könne. Das führte zu einer gewissen Entspannung. Doch das Misstrauen bleibt.

FDP und Grüne haben in den vergangenen Tagen im Blick auf den möglichen größeren Regierungspartner „Gespräche auf Augenhöhe“ gefordert und den Begegnungen mit den größeren Parteien noch eine zweite bilaterale Gesprächsrunde vorangesetzt. Und nach dieser Begegnung soll nicht das Mitteilen von Ergebnissen als wichtigster Ertrag gelten, sondern ihr gemeinsames Beschweigen. Obwohl an diesen „Vorsondierungen“ zwischen Grünen und FDP auf jeder Seite zehn Gesprächspartner teilnahmen, die eine Vielfalt von Themen hätten aufbringen können, beteuerte die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock anschließend mit einem Lächeln, „wir wollen nicht alles sagen, was wir wissen“.

Die Fehler der Jamaika-Sondierungen des Jahres 2017 sollten sich nicht wiederholen, während derer zahlreiche Indiskretionen den Fortgang der Gespräche belasteten. Daher werde nicht einmal die Art der Verpflegung während der Gespräche mitgeteilt werden, also „ob auf den belegten Brötchen Käse oder Wurst war“.

Statt Inhalten sollten die Formen Botschaften senden. Die zweite „Vorsondierung“ fand nicht etwa in einer der beiden Parteizentralen statt oder gar in der Parlamentarischen Gesellschaft am Reichstag, die vor vier Jahren Schauplatz der Gespräche war. FDP und Grüne hatten stattdessen kurzfristig einen Büroraum am Zoologischen Garten gemietet, ein „Co-Working-Space“ hinter dicken Glasfassaden. Eine Fläche also, die variabel, flexibel und nicht für Dauernutzung gedacht ist und nach Angaben des Hausprospekts mit raumhohen und bodentiefen Fenstern „für viel Tageslicht und ein optimales Raumklima“ sorgt.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner beschwor die Gemeinsamkeiten der möglichen künftigen kleineren Regierungspartner in passenden Wendungen. Beide Parteien hätten im Wahlkampf „am stärksten gegen den Status quo“ gekämpft. Nun habe man „in guter Atmosphäre begonnen“, zu eruieren, wie Trennendes überwunden werden könne. „Wir fühlen uns gemeinsam beauftragt“, sagte Lindner. Habeck sprach davon, es sei eine Gesprächskultur entstanden, „die sachorientierte Diskussionen möglich macht“. Baerbock urteilte, es habe „sehr vertrauensvolle Gespräche“ gegeben; womöglich sei es gelungen, „für einen wirklichen Aufbruch“ an diesem Tag „einen ersten kleinen Schritt zu gehen“.

Habeck weist auf Unterschiede hin

Den wirksamsten Beleg, dass schon in der Form die Nachricht liegen soll, lieferte Lindner mit der Mitteilung, „die Art und Weise, wie wir miteinander sprechen, könnte schon ein Erneuerungsversprechen für das Land sein“. Habeck allerdings bemerkte dann doch, dass es in der jetzt beschworenen Gemeinsamkeit auch Differenzen gebe und dass Grüne und FDP bislang als Oppositionsparteien den Status quo „aus unterschiedlichen Perspektiven bewertet und kritisiert“ hätten.

Nach ihren harmonischen Runden treten nun am Sonntag beide, Grüne wie FDP, in Gespräche mit den beiden größeren Parteien ein. Zunächst treffen sich SPD und FDP, anschließend tagen sowohl SPD und Grüne als auch FDP und Unionsparteien. Am Wochenanfang folgt dann noch eine Begegnung der Grünen mit der Union.

Und dann? Wie entsteht die Entscheidung, mit welchem größeren Partner anschließend die inhaltlichen Verhandlungen zur Bildung einer gemeinsamen Regierung aufgenommen werden? Lindner sagte orakelhaft, es habe zwischen FDP und Grünen auch einen Austausch über „methodische Fragen“ gegeben. Habeck vertraute auf den Zauber, der Anfängen innewohnt. Er sprach wiederholt davon, es werde sich dann zeigen, „welche Dynamik sich in den nächsten Tagen und Wochen entfaltet“. Und er weckte in einer weiteren Bemerkung den Eindruck, dass dies nicht allein dem Willen der Verhandelnden entspringe, wenn man nämlich „die Dynamik ein Stück weit abwarten“ müsse. Die Grünen debattieren die Regierungsbildung am Samstag auf einem Kleinen Parteitag; die FDP hat für Montag erst einmal keinerlei Sitzung ihrer eigenen Parteigremien anberaumt.

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