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#Da kann einem das Staunen vergehen

Da kann einem das Staunen vergehen

„Sammler sind Menschen mit taktischem Instinkt“, fiel Walter Benjamin beim Auspacken seiner Bibliothek ein. Dem Filmemacher Werner Nekes war solches Vermögen in derart hohem Maße gegeben, dass er eine einzigartige mediengeschichtliche Sammlung mit präkinematographischem Schwerpunkt fast ohne Eigenkapital zusammentragen konnte, mehr als 25.000 Objekte aus mehreren Jahrhunderten, von alchimistischer Literatur über Schattenspiele, allerlei illusionistischen Apparaten bis hin zu Panoramen und Guckkästen, irgendwo zwischen Spiel, Zauberei und Wissenschaft, getrieben von der Sehnsucht nach Erweiterung der Wahrnehmung. Anlässlich kleiner Gesellschaften, die Nekes gerne einlud und denen er seine Neuerwerbungen vorführte, konnte er immer auf staunende Gesichter hoffen.

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Nekes’ Verdienste um die Vermittlung von Film, Kino, Mediengeschichte und Experiment, die sich schon bei der Gründung der Hamburger Filmemacher-Cooperative 1968 zeigten, sind riesig, seine Rolle bei der Förderung von Künstlern wie Helge Schneider und Christoph Schlingensief ist unbestritten, die Durchsetzung einer kulturellen Filmförderung ohne ihn kaum vorstellbar. Seine Filmographie umfasst rund vierzig künstlerische Filme und nochmals fast dreißig Dokumentationen zur Mediengeschichte. Das erinnert daran, dass die Kluft zwischen Film und Kunst in diesem Land einmal weniger groß war als heute.

Suchtbeziehung zu seiner Sammlung

Auf seiner Website listet Nekes mehr als zweihundert Begriffe auf, die auf bildgebende und optische Verfahren verweisen, die er dokumentiert hat und die erkennen lassen, dass der Blick auf die Welt schon lange nicht mehr natürlich war, bevor das Kino als Apparat in die Welt kam. Die Bedeutung der Sammlung besteht darin, dass sie Mediengeschichte, aus der kaum etwas überliefert ist, wie keine andere exemplarisch aufzuzeigen versucht, dass sie eine gedankliche Einheit und kein Sammelsurium von Antiquitäten darstellt, auch wenn sie ihrer Größe wegen selbst in bedeutenden Museen bislang nur auszugsweise präsentiert werden konnte, etwa im Ludwig Museum Köln oder im Getty Museum Los Angeles.

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Nekes sagte Freunden, er habe eine Suchtbeziehung zu seiner Sammlung. Loslassen konnte er sie nicht; so blieb er darauf sitzen und überschrieb sie, nach einem Herzinfarkt dem Tode nahe, seiner zweiten Frau. Nekes starb im Januar 2017 und überließ sein Lebenswerk der Nachwelt zur Auseinandersetzung. Nach langen und wohl nicht ganz unkomplizierten Verhandlungen geht die Sammlung jetzt an ein Konsortium, bestehend aus DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt am Main, Filmmuseum Potsdam und Theaterwissenschaftlicher Sammlung der Universität Köln.

Über zwei Jahrzehnte hinweg hatten sich zuvor Scharmützel und Schlachten zwischen Nekes und seiner Heimatstadt Mülheim an der Ruhr sowie dem Land Nordrhein-Westfalen hingezogen, die Ankauf, Aufarbeitung und Zugang der Sammlung im öffentlichen Interesse hatten regeln sollen. Der letzte Akt des provinziellen Dramas war im Jahr 2004 zu besichtigen, als die Stadt Mülheim eine drittklassige Wuppertaler Sammlung der erstklassigen von Nekes vorzog, das Filmbüro NW nach Köln ziehen ließ und das Programmkino in einer stadteigenen Immobilie zu Wohnraum privatisierte.

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