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#Darum ist die Lage in Belgien außer Kontrolle geraten

Darum ist die Lage in Belgien außer Kontrolle geraten

Muss Belgien zurück in den Lockdown, mit Ausgangssperren und geschlossenen Schulen wie im Frühjahr? Derzeit kreist das Land fast ausschließlich um diese Frage, denn die Infektionszahlen steigen und steigen, trotz der Einschränkungen, die in immer höherem Tempo verhängt werden. In Brüssel haben sich in den vergangenen zwei Wochen mehr als 1700 von 100.000 Einwohnern mit dem Coronavirus infiziert, in Wallonien waren es sogar mehr als 2000 – das sind mit die höchsten Werte in Europa. Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke gestand schon vorige Woche unumwunden ein, dass die Lage außer Kontrolle geraten sei. Doch noch traut sich die Föderalregierung nicht, daraus Konsequenzen zu ziehen. Sie dreht, wie die Regionen, weiter an den kleinen Schrauben.

So haben Wallonien und Brüssel die nächtliche Ausgangssperre auf die Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens verlängert. Nachdem Cafés und Restaurants schon vor einer Woche schließen mussten, werden nun auch Theater, Kinos und Sportstätten geschlossen. In der Hauptstadtregion gilt von diesem Montag an wieder eine Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Raum. Die hatte es schon den Sommer über gegeben, doch dann war sie von der scheidenden Regierungschefin Sophie Wilmès Ende September abgeschafft worden, zusammen mit etlichen anderen Einschränkungen. Das war auf große Zustimmung gestoßen – nur bei den Fachleuten nicht. Die haben recht behalten. Seinerzeit hätte man die Epidemie noch beherrschen können, jetzt ist das nicht mehr möglich.

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Öffentlich wird die fatale Entscheidung von Wilmès aber kaum kritisiert. Die frankophone Liberale bekam in der neuen Regierung das Amt der Außenministerin. Sie hat sich selbst mit dem Virus infiziert und begab sich am Mittwoch auf eine Intensivstation – eine Vorsichtsmaßnahme, ihr Zustand wurde zuletzt als stabil beschrieben, und sie musste nicht beatmet werden. Die Kritik der Fachleute richtet sich jetzt gegen ihren Nachfolger, den flämischen Liberalen Alexander de Croo. Immer lauter wird der Chor jener, die einen neuen Lockdown verlangen. Der Mikrobiologe Emmanuel André, lange Zeit einer der Corona-Sprecher der Regierung, spricht vom „einzigen Werkzeug, das wir noch haben“. „Wir sollten uns nicht mehr die Frage stellen, was man schließen muss. Wir müssen uns fragen, was offen bleiben darf“, sagte André. Mehrere Virologen riefen die Bürger dazu auf, zu Hause zu bleiben.

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Auch die Krankenhäuser schlagen Alarm. Am Sonntag waren von 2000 Intensivbetten 700 belegt. Zuletzt hat sich die Zahl der Patienten etwa alle sieben Tage verdoppelt, weshalb die Kapazitäten bald erschöpft sein könnten. Drei Krankenhausverbände nannten die bisherigen Einschränkungen am Freitag „völlig unzureichend“. „Im ganzen Land brennen die Krankenhäuser. Immer mehr erreichen den Punkt ihrer Sättigung“, hieß es in der dramatischen Mitteilung. In Lüttich ist das schon jetzt der Fall. Die Regierung wies sämtliche Krankenhäuser an, bis Anfang November sechzig Prozent ihrer Intensivbetten für Covid-19-Patienten zu reservieren. Wie im Frühjahr müssen nicht unbedingt notwendige Operationen aufgeschoben werden. Vielerorts fehlt es an Personal, die Verbände melden Abwesenheiten zwischen 15 und dreißig Prozent. Zum Teil holen Pfleger und Ärzte Urlaub nach, den sie lange aufschieben mussten. Zum Teil sind sie selbst erkrankt oder müssen psychologisch behandelt werden.

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Auch die Test-Labore sind stark überlastet. Zum Teil dauert es bis zu einer Woche, bevor Getestete ihr Ergebnis bekommen. Ob Ergebnisse in der App zur Kontaktverfolgung auftauchen, scheint dem Zufall überlassen zu sein. Wer Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatte, aber selbst symptomfrei ist, soll sich nicht mehr testen lassen, sondern selbst zu Hause isolieren – zur Entlastung der Labore.

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